«Wie der peinliche Arbeitskollege»

Französische Aktivistinnen prangern den offenen Brief von Schauspielerin Cathrine Deneuve an.

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Französische Frauenaktivistinnen haben einen von Filmschauspielerin Catherine Deneuve unterzeichneten offenen Brief zu Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens gegen Männer öffentlich kritisiert. «Diese Stellungnahme, es ist ein bisschen wie der peinliche Arbeitskollege oder anstrengende Onkel, der nicht versteht, was passiert», schrieben die Feministin Caroline De Haas und über 30 weitere Personen in einem Text, der am Mittwoch auf der Webseite von Franceinfo veröffentlicht wurde.

Deneuve und andere Unterzeichnerinnen des Briefs stellten sexuelle Gewalt als «normal» dar, kritisierten die Aktivistinnen. Deneuve und etwa 100 andere Schauspielerinnen, Autorinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen hatten den Brief unterschrieben, der am Dienstag von der Zeitung «Le Monde» veröffentlicht wurde. Darin hiess es, der «berechtigte Protest gegen sexuelle Gewalt», der auf den Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein zurückgehe, sei zu weit gegangen und gefährde hart erkämpfte sexuelle Freiheiten. Männer sollten dazu in der Lage sein, Frauen anzumachen, war zu lesen.

Die französische Staatssekretärin für Frauenrechte, Marlène Schiappa, sagte dem Radiosender France Culture, in dem offenen Brief gebe es «einige Dinge, die zutiefst beleidigend und falsch sind».

In dem Brief wurde festgehalten, dass einige Frauen einen Reibungskontakt mit einem Mann in der Metro als «Nichtereignis» empfinden könnten. Schiappa sagte, es sei «gefährlich, solche Dinge zu sagen». Ein derartiger Akt komme einem sexuellen Übergriff gleich und könne mit bis zu drei Jahren Haft und einem Bussgeld von 75 000 Euro geahndet werden.

Die Autorin Abnousse Shalmani, die wie Deneuve den Brief unterzeichnete, äusserte sich überrascht über die «äusserst gewaltsamen Reaktionen». «Ich betrachte mich als Erwachsene», sagte Shalmani im Radiosender Europe 1. «Ich bin dazu in der Lage, ein sexuelles Angebot zu erhalten und noch besser dazu in der Lage, Nein zu sagen.» Die italienische Filmemacherin und Schauspielerin Asia Argento, die Weinstein Sexvorwürfe zur Last gelegt hat, bezeichnete den Brief in einem Tweet als «bedauernswert». (dapd)

Erstellt: 10.01.2018, 14:24 Uhr

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