Private Sender können das genauso gut

Gehört die Champions League ins öffentliche Fernsehen? Tiefere Gebühren wären besser.

«Free-TV»? SRF überträgt selbstredend keineswegs gratis.

«Free-TV»? SRF überträgt selbstredend keineswegs gratis. Bild: Keystone

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Eine Meldung im Juni sorgte für Schlagzeilen. Wie der Blick berichtete, hat sich Teleclub die Übertragungsrechte an der Fussball Champions League ab 2018 gesichert. Entsprechende Spitzenfussballspiele seien danach nur noch übers Bezahlfernsehen zu sehen, hiess es. Das Schweizer Fernsehen SRF hat die Meldung sogleich dementiert. Die Ausschreibung sei noch am Laufen. Im Juli kam die Entwarnung: SRF zeige auch in Zukunft Spiele der Uefa Champions League und der Uefa Europa League live. Zudem gebe es weiterhin die Highlights aller Spiele.

So weit, so gut. Aber unabhängig vom Ausgang im konkreten Fall stellt sich doch eigentlich grundsätzlich die Frage, weshalb Spitzensport im frei empfangbaren Schweizer Fernsehen («Free-TV») vermeintlich «kostenlos» übertragen werden soll. Wobei die Betonung auf dem Wort «vermeintlich» liegt. Denn selbstredend ist SRF keineswegs gratis. Es wird zum grossen Teil über eine für alle obligatorische Gebühr finanziert. Und dies erst noch unabhängig davon, ob man überhaupt je auf Schweizer Fernsehen SRF zappt (oder eher selten, was zum Beispiel für mich gilt).

Man bezahlt doppelt

SRF ist also zwar frei empfangbar, aber anders als Sender wie Sat 1 oder RTL eben nicht kostenlos. Und obschon bereits gebührenfinanziert, sind die SRG-Programme wie jene der erwähnten Privatsender auch nicht werbefrei. Man könnte also sagen, bei SRF bezahlt man doppelt. Einerseits via Gebühr, andererseits mit Zeit und Aufmerksamkeit für die Werbespots. Obwohl böse Zungen behaupten, TV-Werbung würden sich nur kleine Kinder, Katzen und Hunde ansehen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb ein von der Allgemeinheit zwangsweise finanzierter Sender teure Veranstaltungen wie die Champions-League-Spiele live übertragen soll.

Wäre es nicht gescheiter, die SRF-Gebühren wären tiefer? Dann bliebe den Fussballfans mehr Geld übrig, um die Spiele ihrer Wahl beim Bezahl-TV anzuschauen. Dies wäre eine eigentliche Marktlösung. Man bezahlt, was man konsumiert. Freiwillig. Ohne Zwang. So gesehen ist das Bezahl-TV das eigentliche «Free TV». Übertragungen, für die eine grosse Nachfrage und damit ein Markt besteht, via Gebührengelder im SRF anzubieten, entspricht hingegen dem puren Gegenteil. Es mag den einen oder anderen Fussballfan (ich zähle mich auch dazu) befremden: Aber weshalb soll SRF anbieten, was Private genauso gut können? Nur weil wir alle mit einer Zwangsgebühr beglückt werden und nun möglichst viel herausholen möchten? Das ist ein schlechtes Argument. Denn seit wann ist es sinnvoll, dass der Staat in einen gut funktionierenden Markt eingreift? In der Politik nennt man ungerechtfertigtes staatliches Eingreifen in den Markt einen «ordnungspolitischen Sündenfall».

Tiefere Zwangsgebühren

Darum wäre es besser, den Konsumenten stünde mehr Geld zur Verfügung, um für Programme zu bezahlen, die sie tatsächlich interessieren. Das kann Fussball sein, muss es aber nicht. Viele Special-Interest-Themen sind (werbefrei) nur verschlüsselt erhältlich: Science-Fiction und Fantasy auf Syfy, zahlreiche überaus attraktive Sportarten auf diversen kodierten Sportsendern (zum Teil spezialisiert auf einzelne Sparten wie Motorsport oder Segeln). Es gibt sogar Sender, die fast ausschliesslich American Football zeigen.

Als erklärter Liebhaber dieses Sports und Fan der Washington Redskins hätte ich zwar nichts dagegen, wenn «unser» SRF die Spiele der NFL aus den USA live übertragen würde. Aber ich erwarte das nicht. Warum soll die Allgemeinheit für meine Football-Vorliebe bezahlen? Ich habe ein entsprechendes Abo bei einem Bezahlsender gebucht. Dieses würde mit tieferen Zwangsgebühren für die SRG noch mehr Spass machen.

Christoph Buser ist FDP-Landrat und Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 11:49 Uhr

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