Rechtsextreme und islamistische Facebookbeiträge verstärken einander

Islamismus und Rechtsextremismus treffen sich einer Studie zufolge ideologisch im Antisemitismus, in Verschwörungsmythen und im Ziel homogener Gesellschaften.

«Extreme Rechte und Islamisten lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab», erklärte Studienautor Maik Fielitz.

«Extreme Rechte und Islamisten lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab», erklärte Studienautor Maik Fielitz. Bild: Keystone

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Eine Analyse rechtsextremer und islamistischer Beiträge in sozialen Netzwerken zeigt, dass Feindlichkeit gegen Muslime und Islamismus eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig verstärken. Mobilisierungs- und Radikalisierungsstrategien ähnelten sich, und auch ideologisch gebe es Gemeinsamkeiten, erklärte das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft am Freitag bei der Vorstellung der Studie. Muslimfeindliche Beiträge sind demnach aber im Vergleich «radikaler und verbreiteter».

Für die Studie untersuchte das Institut in Zusammenarbeit mit dem Londoner Institut für Strategischen Dialog zwischen 2013 und 2017 mehr als zehntausend islamistische und rechtsextreme Facebook-Inhalte sowie mehr als eine Million deutschsprachige Twitterbeiträge. Gefördert wurde die Studie «Hassliebe: Islamfeindlichkeit, Islamismus und die Spirale gesellschaftlicher Polarisierung» vom Bundesfamilienministerium. Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena wird von der Amadeu-Antonio-Stiftung getragen.

Sie bedrohen die offene Gesellschaft

Die Themen der beiden radikalisierten Milieus beziehen sich laut der Studie aufeinander. Diese wechselseitigen Bezüge würden auch gebraucht, «um Feindbilder zu konstruieren und aufrecht zu erhalten». Islamismus und Rechtsextremismus treffen sich den Wissenschaftlern zufolge ideologisch im Antisemitismus, in Verschwörungsmythen und im Ziel homogener Gesellschaften. Die jeweiligen Dogmen sind demnach bei den Rechten rassistisch und bei den Islamisten religiös begründet. «Extreme Rechte und Islamisten lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab», erklärte Studienautor Maik Fielitz.

Die Londoner Extremismusexpertin Julia Ebner hob mit Blick auf die Studienergebnisse zudem hervor, dass islamistische Kommunikation in den sozialen Netzwerken stark eingeschränkt und ihre Rhetorik «deutlich gemässigter» als noch Anfang 2017 sei. Dagegen übertreffe das Ausmass offen rechtsextremer und muslimfeindlicher Inhalte das Ausmass islamistischer Inhalte bei weitem.

Der Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, Timo Reinfrank, mahnte, diese Zusammenhänge stärker zu beachten. «Islamistische Radikalisierung, antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus müssen zusammen gedacht werden», erklärte Reinfrank. In öffentlichen Debatten werde häufig der Eindruck erweckt, «dass rechte Islamfeinde der Gegenpol zu radikalen Islamisten» seien. Doch beide Lager ähnelten sich und bedrohten die offene Gesellschaft. (kha/AFP)

Erstellt: 29.06.2018, 15:40 Uhr

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