19 Tote nach Amoklauf auf der Krim

Ein 18-Jähriger erschiesst an einer Schule auf der Halbinsel Mitschüler und Lehrer. Am Ende richtet sich der Jugendliche selbst.

Tragödie auf der Halbinsel: Ein Jugendlicher sorgt für ein Blutbad. (Video: Reuters)

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Bei einem Blutbad in der Hafenstadt Kertsch auf der Krim wurden insgesamt 19 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Nach Behördenangaben drang ein mit einem Gewehr bewaffneter Schüler am Mittwochmittag in die Polytechnische Schule ein und erschoss Mitschüler und Lehrer. Der 18 Jahre alte Täter erschoss sich den Ermittlern zufolge anschliessend selbst. Eine Zeitung zitierte einen Mitschüler mit den Worten, der Junge habe die Schule «wegen bösartiger Lehrer gehasst» und angedeutet, dass er sich an diesen rächen wolle.

Der Regierungschef der 2014 von Russland annektierten Krim, Sergej Aksjonow, gab die Zahl der Todesopfer am Abend mit 18 an. Zudem starb der Täter, neben seiner Leiche wurde laut Ermittlungsbehörden eine Pump-Gun gefunden. Mehr als 50 weitere Menschen wurden nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörden verletzt, zwölf von ihnen schwebten demnach in Lebensgefahr.

Die russische Staatsanwaltschaft stufte die Tat als Mord ein, nachdem zunächst von einem «Terroranschlag» die Rede gewesen war. Der Regierungschef der 2014 von Russland annektierten Krim, Sergej Aksjonow, sagte im russischen Fernsehen, es handle sich um einen «von einem Mistkerl verübten Massenmord». Den Ermittlern zufolge zündete der 18-Jährige zusätzlich zu den Schüssen auch einen mit Metallteilen gefüllten Sprengsatz in der Schulkantine. Ein weiterer Sprengsatz wurde demnach nahe seiner Leiche gefunden worden.

Bei den meisten Opfern handelt es sich laut den Behörden um Jugendliche. Der Täter wurde als der 18-jährige Wladislaw Rosljakow identifiziert, der die Schule ab 2015 besuchte.

Geschockte Zeugen

Ein Schüler, der das Drama miterlebte, schilderte AFP, dass er gerade im Unterricht sass, als er aus dem ersten Stockwerk der Schule Schüsse gehört habe. Er und seine Mitschüler seien aus der Klasse gestürmt. Auf dem Flur hätten fliehende Schüler ihnen zugerufen, «dass ein Mann mit einer Schusswaffe auf jeden schiesst». «Dann gab es eine heftige Explosion. Zum Glück war ich schon im Freien, aber ich habe gesehen, wie die Druckwelle die Fenster gesprengt und Leute nach draussen geschleudert hat», sagte der spürbar geschockte Schüler.

Schüler und Lehrer liefen in Panik aus dem Gebäude, als der Täter das Feuer eröffnete. «Alle sind gerannt. Ich habe gesehen, dass ein Mädchen am Boden lag. Einem anderen Kind musste beim Laufen geholfen werden, weil es sich allein nicht mehr bewegen konnte. Die Wand war voller Blut. Viele haben geweint», schilderte eine Schülerin die Vorgänge in der Schule.

«Überall sind Kinderleichen»

Schüler und Lehrer liefen in Panik aus dem Gebäude, als der Täter das Feuer eröffnete. «Alle sind gerannt. Ich habe gesehen, dass ein Mädchen am Boden lag. Einem anderen Kind musste beim Laufen geholfen werden, weil es sich allein nicht mehr bewegen konnte. Die Wand war voller Blut. Viele haben geweint», schilderte eine Schülerin die Vorgänge in der Schule. «Überall sind Leichen, überall Kinderleichen», sagte die Direktorin im örtlichen Rundfunk.

Ein anderer Schüler namens Semjon Gawrilow sagte der Zeitung «Komsomolskaja Prawda», er habe sich in einem Klassenzimmer versteckt, nachdem er einen jungen Mann mit einer Waffe gesehen habe, «der herumlief und auf alle schoss». Zehn Minuten später sei die Polizei eingetroffen.

Putins Aussage

«Dies ist eindeutig ein Verbrechen», sagte der russische Präsident Wladimir Putin in Sotschi. Die Hintergründe der Tat würden genauestens untersucht. Aksjonow sprach von einer «riesigen Tragödie». Er rief eine dreitägige Staatstrauer in der Region aus.

Das russische Katastrophenschutzministerium rief den Ausnahmezustand in Kertsch aus und entsandte nach eigenen Angaben drei Hubschrauber mit medizinischem Personal sowie ein Flugzeug. Die russische Armee schickte 200 Soldaten, Fernsehbilder zeigten Panzerfahrzeuge und Soldaten in Tarnanzügen an den Zufahrtsstrassen nach Kertsch.

Zunächst war nicht ausgeschlossen worden, dass es sich um einen Terrorakt in einer politisch äusserst sensiblen Region gehandelt habe. Kertsch liegt auf der ukrainischen Halbinsel Krim, die 2014 von Russland annektiert wurde. Die EU und die USA haben deswegen Sanktionen gegen Russland verhängt. In Kertsch befindet sich die im Mai eröffnete Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet.

Moskau nervös wegen Krim

Russland reagiert nervös auf alle Vorfälle auf der Krim, denn die Annexion der Halbinsel vor vier Jahren ist international nicht anerkannt. Die EU kritisiert sie als Bruch des Völkerrechts. Moskau fürchtet vor allem Unruhe unter den Krimtataren, die loyal zur Ukraine standen. Die Ukraine erhöhte ihrerseits die Sicherheit an den wenigen Übergängen von und zur Krim.

Beim letzten grossen Terroranschlag in Russland im April 2017 waren in der U-Bahn von St. Petersburg 14 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Der Selbstmordattentäter war ein islamistischer Extremist aus Kirgistan in Zentralasien. Auch Amokläufe an Schulen hat es in Russland bereits gegeben, allerdings noch nie mit so schweren Folgen wie in Kertsch. Bei einem Anschlag in Tschetschenien im August, den die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) für sich reklamierte, hatten die Drahtzieher Jugendliche auf Polizisten gehetzt.

Die Explosion hat sich in einer technischen Schule in der Hafenstadt Kerch auf der Halbinsel Krim ereignet. Karte: Google

(cpm/oli/fal/sda/afp)

Erstellt: 17.10.2018, 22:16 Uhr

Update folgt...

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