30-Jähriger schändet de Gaulles Grab

Zwei Tritte in weniger als einer Minute – und das Kreuz des Generals lag am Boden. «Eine Tat gegen Frankreich», sagt die Regierung und selbst Emmanuel Macron reagiert.

Frankreichs Regierung ist empört: Das Grab von Charles De Gaulle in der nordfranzösischen Colombey-les-deux-Eglises ist beschädigt worden. Bild: Twitter

Frankreichs Regierung ist empört: Das Grab von Charles De Gaulle in der nordfranzösischen Colombey-les-deux-Eglises ist beschädigt worden. Bild: Twitter

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Das Grab von Frankreichs legendärem früheren Staatschef Charles de Gaulle ist geschändet worden. Ein etwa 30 Jahre altes «Individuum» sei am Samstag auf das Grab im französischen Colombey-les-deux-Eglises gestiegen. Mit zwei Tritten habe die Person das anderthalb Meter hohe Steinkreuz auf dem Grab umgestossen, teilte die Polizei mit. Das Kreuz sei zerbrochen, der Grabstein aber nicht beschädigt worden.

Die französische Regierung zeigte sich empört über die Tat am nationalen Tag des Widerstands gegen die Nazi-Besatzung.

Kein politischer Hintergrund

Nach Angaben der Polizei sei der Grabschänder um 17.14 Uhr auf die Grabplatte gestiegen und habe das 1,50 Meter hohe Marmorkreuz mit zwei starken Tritten zu Fall gebracht. Weniger als eine Minute habe er dafür gebraucht. Zudem habe er auf das Grab de Gaulles gespuckt. Die Polizei kennt die Details so genau, weil die Grabstätte des Generals rund um die Uhr gefilmt wird.

Der Bürgermeister von Colombey, Pascal Babouot, sagte dem Sender France Info, die Tat habe nach seiner Einschätzung keinen politischen Hintergrund. Der Mann habe auf dem Video einen verwirrten Eindruck gemacht. Die Polizei sucht intensiv nach dem Täter.

Macron lässt Grab umgehend reparieren

Die französische Regierung äusserte sich empört über die Grabschändung. Ministerpräsident Edouard Philippe schrieb in einer Kurzbotschaft auf Twitter, der «Akt von Vandalismus» sei eine «Tat gegen Frankreich». Staatschef Emmanuel Macron kündigte die umgehende Reparatur der Grabstätte an. «Die Persönlichkeit des Generals de Gaulle und sein Andenken liegen allen Franzosen am Herzen», erklärte der Élysée-Palast.

General de Gaulle hatte sich 1940 im britischen Exil an die Spitze des Freien Frankreichs gestellt, das gegen die Nazi-Besatzung kämpfte. 1958 gründete er die Fünfte Republik, von 1959 bis 1969 war er ihr Präsident. Gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) söhnte er Frankreich mit Deutschland aus.

2014 zum Gedenktag erklärt

De Gaulle starb 1970 kurz vor seinem 80. Geburtstag in Colombey-les-deux-Églises, rund 200 Kilometer südöstlich von Paris. Auf dem Dorffriedhof liegt er neben seiner Frau Yvonne und seiner Tochter Anne begraben. Seine Grabstätte wird jährlich von rund 100.000 Menschen besucht.

Am 27. Mai wird in Frankreich an die erste Sitzung des Nationalen Widerstands-Rats 1943 gedacht. Im Auftrag de Gaulles wurden damit die verschiedenen Résistance-Gruppen vereint. Die Nationalversammlung hatte den 27. Mai im Jahr 2014 zum nationalen Gedenktag erklärt. (oli/sda)

Erstellt: 28.05.2017, 11:14 Uhr

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