851'000 Franken Entschädigung für Suter und Dosé

Weder fahrlässige Tötung noch fahrlässige schwere Körperverletzung: Das Bundesstrafgericht hat am Montag das schriftliche Urteil im Crossair-Prozess zum Absturz in Bassersdorf veröffentlicht.

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Der Absturz einer Crossair-Maschine vom November 2001 in Bassersdorf mit 24 Toten hat für die Spitze der ehemaligen Regionalfluggesellschaft keine strafrechtlichen Folgen. Die Bundesanwaltschaft verzichtet darauf, gegen die Freisprüche des Bundesstrafgerichts zu rekurrieren.

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hatte die sechs Angeklagten – darunter Crossair-Gründer Moritz Suter und der frühere Crossair-Chef André Dosé – am vergangenen 16. Mai von Schuld und Strafe freigesprochen. Das Gericht folgte mit dem Urteil vollumfänglich der Verteidigung, verzichtete auf eine Kostenauflage und sprach den sechs Freigesprochenen Entschädigungen von insgesamt 851'000 Franken zu.

30 Tage Frist für Berufung

Jetzt liegt auch die 55-seitige schriftliche Urteilsbegründung vor. Damit beginnt die 30-tägige Frist für eine Berufung ans Bundesgericht in Lausanne zu laufen. Die Bundesanwaltschaft (BA), die für die Angeklagten bedingte Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung gefordert hatte, gab am Montag auf Anfrage bekannt, dass sie auf einen Weiterzug ans Bundesgericht verzichtet. Weitergehende Angaben würden nicht gemacht, sagte BA-Sprecherin Jeannette Balmer.

Nach der Urteilseröffnung hatte die Bundesanwaltschaft noch erklärt, sie werde erst nach eingehender Analyse des Urteils über einen Rekurs entscheiden. Die Bundesanwaltschaft und der die Anklage vertretende Staatsanwalt des Bundes, Carlo Bulletti, waren nach dem Prozess scharf kritisiert worden. Auch das Gericht selber bemängelte die Anklageschrift. So habe die Bundesanwaltschaft zum Beispiel den Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung in keiner Weise konkretisiert und trotz Einladung des Bundesstrafgerichts auch nicht ergänzt. Bundesanwalt Erwin Beyeler hatte sich damals gegen die öffentliche Kritik an der Anklagebehörde gewehrt, von einem «Medien-Hype» gesprochen und Bulletti in Schutz genommen.

Mit dem Verzicht auf die Berufung werden die Freisprüche im Fall des Crossair-Absturzes von Bassersdorf rechtskräftig. Die als Privatkläger aufgetretenen Geschädigten können nicht selbstständig rekurrieren, wie deren Anwalt auf Anfrage sagte.

Neun Menschen überlebten wie durch ein Wunder

Der in Berlin gestartete Jumbolino Avro RJ 100 der Crossair war am Abend des 24. Novembers 2001 im Landeanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten abgestürzt. 24 Insassen, darunter die beiden Piloten, kamen ums Leben. Neun Menschen überlebten wie durch ein Wunder. Das Büro für Flugunfalluntersuchungen machte in seinem Schlussbericht vom Februar 2004 Fehler des übermüdeten 57-jährigen Flugzeugkommandanten als Hauptursache für die Katastrophe aus. Das Flugzeug war bei Dunkelheit und Schneeregen zu tief unterwegs gewesen; ein Durchstartmanöver missglückte. Kritisiert wurden zudem technische, betriebliche und organisatorische Fehler bei der Crossair.

Die Bundesanwaltschaft erhob im Oktober 2007 Anklage gegen sechs frühere Crossair-Verantwortliche. Sie warf Suter und Dosé unter anderem vor, für eine «Angstkultur» bei der Airline verantwortlich gewesen zu sein, die zur bewussten Missachtung von Vorschriften geführt habe. Das Verfahren wegen des Crossair-Absturzes bei Nassenwil (ZH) vom 10. Januar 2000 mit zehn Toten wurde von der Bundesanwaltschaft wegen Verjährung und wegen nicht nachgewiesener Sorgfaltspflichtverletzungen eingestellt. (sam/ap)

Erstellt: 26.01.2009, 11:50 Uhr

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