Auch die CIA überprüfte Tamerlan Tsarnaev

Der getötete mutmassliche Attentäter von Boston stand offenbar auf sogar zwei Terrorwarnlisten. Sein jüngerer Bruder soll derweil gegenüber dem FBI eine Beteiligung an der Tat gestanden haben.

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Die US-Behörden stehen weiter in der Kritik, weil sie die Anschläge von Boston nicht verhindern konnten. Wie die «New York Times» berichtet, informierte der russische Geheimdienst FSB neben der US-Bundespolizei FBI auch den Geheimdienst CIA über den älteren der beiden Brüder. In der Folge wurde Tamerlan Tsarnaev auf zwei Warnlisten gesetzt, was aber ohne Folgen blieb.

Der überlebende der beiden mutmasslichen Bostoner Bombenleger, Dzhokhar Tsarnaev, hat US-Kreisen zufolge derweil eine Rolle bei den Anschlägen eingeräumt. Dies sei bei einer Vernehmung gegenüber FBI-Ermittlern erfolgt, sagten zwei Gewährsleute der Nachrichtenagentur AP. Allerdings sei nicht klar, ob Tsarnaevs Äusserung vor Gericht verwertbar ist, da sie gemacht wurde, bevor er auf seine Rechte hingewiesen worden sei – darunter auch, sich nicht selbst belasten zu müssen.

Listeneintrag lief vor Rückreise aus

Die erste Warnung aus Russland erhielten die US-Behörden laut dem Bericht der «New York Times» im März 2011. Der russische Geheimdienst FSB soll damals über die US-Botschaft in Moskau eine Anfrage an das FBI gerichtet haben. Darin stand offenbar, Tamerlan Tsarnaev habe sich «seit 2010 drastisch verändert» und bereite eine Reise nach Russland vor, um sich «Untergrund-Gruppierungen» anzuschliessen. Der FSB erbat mit der Anfrage vom FBI Informationen über Tsarnaev.

Die FBI-Agenten befragten in der Folge Tsarnaev und seine Familie, fanden aber keinerlei Verbindungen zu Terroristen, wie sie in einem Bericht vom Juni 2011 festhielten. Auf zwei Nachfragen bei den Russen seien keine neuen Informationen eingegangen. Trotzdem liess das FBI Tsarnaev aber in eine Warnliste der Zollbehörden aufnehmen, ins sogenannte TECS (Treasury Enforcement Communications System).

Zweite Anfrage an das FBI

Nur wenig später stellte der russische Geheimdienst dieselbe Anfrage an den US-Geheimdienst CIA. Dieser förderte bei der Suche in seinen Datenbanken offenbar auch keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten zutage, liess aber Tsarnaev ebenfalls auf eine Warnliste setzen, die Datenbank Tide (Terrorist Identities Datamart Environment).

Wie die «New York Times» weiter berichtet, blieben die Einträge aber ohne Folgen. Als Tsarnaev im Januar 2012 nach Russland buchte, löste dies zwar einen Alarm an die Zollbehörden aus. Bei dessen Rückkehr im Juli sei der Warnhinweis allerdings schon mehr als ein Jahr alt und nicht mehr gültig gewesen.

Tide löste keinen Alarm aus

Die Warnliste Tide hingegen löste keinen Hinweis bei den Behörden aus, weil Tsarnaevs Name darin mit «Tsarnayev» angegeben worden sei – so wie der Name vom russischen Geheimdienst übermittelt wurde.

Kongressabgeordnete kündigten eine Untersuchung an, ob die Dienste trotz der Reformen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder Informationen für sich behalten haben. Die Baupläne für die Bomben stammten den Ermittlungen zufolge offenbar aus einem Islamisten-Magazin im Internet.

Waffe sichergestellt

Eine Schusswaffe der mutmasslichen Täter wurde Ermittlern zufolge inzwischen sicher gestellt, eine 9-Millimeter-Pistole. Die Seriennummer der Waffe sei entfernt worden. Zudem sei inzwischen klar, dass beide Sprengsätze ferngezündet worden seien.

Wie der Bostoner Polizeichef Ed Davis sagte, wurden bei dem Schusswechsel am Freitag, bei dem einer der mutmasslichen Bombenattentäter tödlich verletzt wurde, mehr als 250 Schüsse abgegeben. Laut Polizei setzen die beiden Verdächtigen auch Sprengsätze ein.

Der New Yorker Polizeichef Ray Kelly sagte am Mittwoch, die beiden Brüder hätten nach dem Anschlag womöglich nach New York fahren wollen, um dort zu feiern. Der Fahrer, des Wagens, den sie auf der Flucht in Cambridge in ihre Gewalt gebracht hatten, habe in ihrem Gespräch in einer fremden Sprache das Wort «Manhattan» gehört, sagte Kelly. Zudem sei von Party die Rede gewesen. Tamerlan sagte demnach dem Fahrer: «Wir haben gerade einen Polizisten getötet. Wir haben den Marathon in die Luft gejagt. Nun fahren wir nach New York. Mach keinen Ärger.»

Eltern reisen in die USA

Die Eltern der mutmasslichen Boston-Attentäter wollen heute von Russland in die USA reisen. Dort werden sie die Ermittler unterstützen.

Die Reise sei bei Gesprächen der Eltern mit US-Diplomaten am Mittwoch in Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan, vereinbart worden, sagte der Vater Ansor Tsarnaev der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

«Die Eltern haben sich damit einverstanden erklärt, dass sie in die US-Ermittlungen einbezogen werden», zitierte die Agentur einen namentlich nicht genannten Polizeivertreter. Zuvor habe der Vater bereits telefonisch Kontakt zu den US-Diplomaten gehabt. Seine Frau Subeidat Tsarnaev war den Berichten zufolge am Dienstagabend in Dagestan eingetroffen.

Die Söhne Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev sollen für den Bombenanschlag während des Boston-Marathons am Montag vergangener Woche verantwortlich sein, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden.

Während der 26 Jahre alte Tamerlan Tsarnaev später bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, überlebte sein sieben Jahre jüngerer Bruder einen Schusswechsel schwer verletzt. Er muss sich nun wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen vor einem Zivilgericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe. (chk/mw/AP/AFP/sda)

Erstellt: 25.04.2013, 03:46 Uhr

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Der 72-jährige Popmusiker teilte mit, er werde die Wocheneinkünfte spenden. «Sweet Caroline» wird seit mehr als zehn Jahren regelmässig bei den Spielen des Baseball-Teams Boston Red Sox gespielt. Die New York Yankees, Toronto Raptors und andere Sportmannschaften spielen das Lied seit dem Anschlag vom 15. April in ihrem Begleitprogramm. (AP)

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