Auschwitz-Buchhalter Gröning legt Revision ein

Der frühere deutsche SS-Mann Oskar Gröning wurde vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zu Mord zu vier Jahren Haft verurteilt. Doch der 94-Jährige will den Schuldspruch nicht hinnehmen.

Schuldig gesprochen: SS-Buchhalter Oskar Gröning (l.) mit seinem Anwalt Hans Holtermann vor dem Landgericht Lüneburg.

Schuldig gesprochen: SS-Buchhalter Oskar Gröning (l.) mit seinem Anwalt Hans Holtermann vor dem Landgericht Lüneburg. Bild: Axel Heimken/AFP

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Nach dem Schuldspruch im Lüneburger Auschwitz-Prozess hat die Verteidigung Revision eingelegt. Das sagte der Anwalt des verurteilten ehemaligen SS-Buchhalters Oskar Gröning, Hans Holtermann, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Gröning war in der vergangenen Woche vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Über die Revision muss der Bundesgerichtshof entscheiden.

Gröning war Mitglied der Waffen-SS und gehörte von 1942 bis 1944 zum Verwaltungspersonal des Vernichtungslagers Auschwitz, wo er in der sogenannten Häftlingsgeldverwaltung tätig war. Die Anklage beschränkte sich auf die Zeit der sogenannten Ungarn-Aktion. Dabei waren im Frühsommer 1944 innerhalb von knapp zwei Monaten weit mehr als 400.000 Juden aus Ungarn nach Auschwitz verschleppt und meist sofort ermordet worden.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Gröning sortierte das bei den Opfern gefundene Geld und leitete es nach Berlin weiter. Zudem bewachte er in einigen Fällen das Gepäck der Deportierten auf der sogenannten Rampe. Im Prozess gestand Gröning umfassend und bekundete mehrfach seine Reue.

Mit der Verurteilung zu vier Jahren Haft ging das Gericht über die Forderung der Staatsanwaltschaft von dreieinhalb Jahren Haft hinaus. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Ins Gefängnis muss Gröning vorerst nicht. Dazu müsste zunächst das Urteil rechtskräftig werden. Anschliessend würde die Staatsanwaltschaft über den Haftantritt entscheiden, wobei auch Alters- und Gesundheitsaspekte zu berücksichtigen wären. (bee/AFP)

Erstellt: 20.07.2015, 17:26 Uhr

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