Co-Pilot litt offenbar unter Sehstörungen

Schwere psychosomatische Erkrankung und Sehprobleme: Andreas Lubitz wurde von mehreren Experten behandelt. Ermittler fanden Medikamente.

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Die Ermittlungsgruppe «Alpen» des Düsseldorfer Polizeipräsidiums hat eindeutige Erkenntnisse für eine schwere «psychosomatische Erkrankung» des Co-Piloten Andreas Lubitz gefunden. «Der 27-jährige ist von mehreren Neurologen und Psychiatern behandelt worden», sagte ein hochrangiger Fahnder der «Welt am Sonntag». Bei der Durchsuchung der Wohnung des Germanwings-Piloten in Düsseldorf hätten die Beamten eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung der psychischen Erkrankung sichergestellt. Hinweise auf Rauschmittel oder eine Abhängigkeit von Drogen und Alkohol gebe es allerdings nicht.

Zudem soll der Co-Pilot unter erheblichen Sehstörungen gelitten haben. Wie «Bild am Sonntag» vorab meldete, hatte sich der 27-Jährige deswegen in ärztliche Behandlung begeben. Ob diese Probleme organischer oder psychosomatischer Natur waren, sei derzeit unklar und Gegenstand von Ermittlungen. Jedenfalls hätten sie seine Flugtauglichkeit gefährdet, berichtete das Blatt weiter.

Andreas Lubitz litt nach Auskunft des Ermittlers unter einem «starken subjektiven Überlastungssyndrom» und war schwer depressiv: «Das geht aus persönlichen Aufzeichnungen hervor, die der Pilot abgelegt und gesammelt hat.» Der beschlagnahmte Computer und Schriftstücke von Andreas Lubitz würden weiter ausgewertet. Ärzte, Freunde, Kollegen und Bekannte des Piloten würden derzeit befragt. Auch die Freundin mit Nachnamen G. sei angehört worden. Andreas Lubitz war zuletzt vom 19. bis zum 26. März krank geschrieben, hatte die ärztlichen Bescheinigungen aber nicht bei seinem Arbeitgeber eingereicht.

200 Polizeibeamte arbeiten an dem Fall

In der besonderen Aufbauorganisation (Bao) «Alpen» sind nach Informationen der «Welt am Sonntag» momentan bis zu 200 Polizeibeamte tätig, die sich mit der Aufarbeitung und Aufklärung des Falles von Andreas Lubitz beschäftigen. Eine Delegation aus Frankreich tauscht derzeit in Düsseldorf mit der Ermittlungsgruppe Erkenntnisse aus. Angereist ist unter anderem Jean Pierre Michel, Chéf der Direction Générale der kriminalpolizeilichen Abteilung der Gendamerie Nationale. Delegationsmitglieder teilten mit, dass die sterblichen Überreste des Co-Piloten an der Absturzstelle in den südfranzösischen Alpen bisher nicht entdeckt worden seien.

Andreas Lubitz kannte die Absturzregion offenbar gut. Mitglieder des Fliegervereins in seiner Heimat sagten gegenüber der französischen Zeitung «Le Parisien», der «passionierte Segelflieger» habe regelmässig an Kursen in der Region Alpes-de-Haute teilgenommen. «Er war fasziniert von den Alpen, ja sogar besessen», zitiert die Zeitung ein Vereinsmitglied.

Martin Lutz / LENA (Leading European Newspaper Alliance) – in Kooperation mit «Die Welt»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.03.2015, 18:03 Uhr

Zerschellt an der Felswand: Die Trümmer des Airbus 320 liegen weit verstreut am Hang. (Reuters; 26. März 2015)

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