Die PS des Papstes

In Deutschland wird Benedikt XVI. seinen Schäfchen wieder aus seinem Papamobil zuwinken – nur eine der mehr als 50 päpstlichen Karossen in aller Welt, zu denen echte Schmuckstücke zählen.

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Einen Papst zu befördern, zählt offenbar zu den wirksamsten Marketingmassnahmen für einen Autohersteller: Cadillac, Fiat, Land Rover, Seat, Lancia und andere Fabrikanten rüsteten ihre Modelle für den Pontifex aus und um. Der wenig bekannte Hersteller Star in Polen kam schon 1979 für Johannes Paul II. mit einem umgebauten Lastwagen zum Zuge, und die philippinische Firma Francicso Motors lieferte im Jahr 1995.

Die meisten Vatikan-PS hat freilich Mercedes-Benz gebaut. Wohl auch, weil schon der Typ Nürburg 460 im Jahr 1930 den Kirchenstaat überzeugte – nicht zuletzt wegen der weltlichen Luxusausstattung. Schwarze Ledersitze für Chauffeur und Beifahrer, ein thronartiger Sitz mit Luftkissen und Seidenbrokat-Bezug für die päpstliche Hinterseite. Dazu ein bestickter Bezug des Wagendachs, quasi ein mobiles Himmelszelt, das von Benediktinerinnen in mühsamer Handarbeit gefertigt worden war. Eine unbezahlbare Ausstattung.

Papamobil auf Wunsch von Johannes Paul II.

Der Geist christlicher Armut hat den Wagenpark bis heute nicht erreicht, auch wenn die Modelle seit damals weniger prunkvoll daherkommen. Zahlreiche Limousinen wie Mercedes-Pullmans mit und ohne Cabrio-Dächer oder Citröens stehen im Museo Storico des Vatikans oder Automobilmuseen. Ford baute für den Papstbesuch in New York im Oktober 1965 ein elegantes «Popemobile», und Chrysler versah später ein Deville-Modell mit einem eleganten Hochsitz, von dem Johannes Paul II. den Gläubigen in Mexiko bequem und gut sichtbar zuwinken konnte.

Die Idee dieses volksnahen Papamobils hatte erst Benedikts reiselustiger Vorgänger Johannes Paul II. ins Leben gerufen – mit seiner ausdrücklichen Anforderung, für die Gläubigen sichtbar zu sein, sei es im Stehen oder Sitzen. Und so bauten die Ingenieure der Marke mit dem Stern aus einem Geländewagen ein Papamobil mit einem gläsernen Sonderaufbau. Den Boden für die päpstlichen Füsse hoben sie um 40 Zentimeter an und konstruierten gleich elektrisch bewegliche Trittbretter, damit der Pontifex auf Stufen seinem Gefährt würdevoll entsteigen konnte.

Bald schon ein E-Mobil für den Vatikan?

Über die Kosten dieses Ur-Papamobils wurde so wenig bekannt wie über den finanziellen Aufwand für das aktuelle Modell, das dieser Tage zum Einsatz kommt. Auch wenn es auf einem M-Klasse-Geländewagen basiert, wäre es für gewöhnliche Kunden kaum bezahlbar – schon wegen der kugelsicheren Scheiben aus einem modernen Kunststoff und weiterer Ausrüstungen für die Sicherheit.

Wie alle neueren Papamobile ist das Fahrzeug in Perlmutt-Farbe lackiert und innen weiss gestaltet. Die Motorisierung ist mit 279 Pferdestärken grosszügig ausgelegt – doch das könnte sich bald ändern. Anlässlich des Papstbesuchs geisterten schon Gerüchte über ein Modell mit elektrischem Antrieb durch die deutsche Presse. «Öko-Papamobil» titelte die Zeitung «Bild», doch andere dementierten: Trotz seiner Appelle auch für nachhaltiges Wirtschaften wird Benedikt laut kirchlichen Pressestellen mit einem Verbrennungsmotor durch Berlin fahren. Womöglich aber zum letzten Mal, denn laut den Berichten die Mercedes-Ingenieure bereits an einem Papstwagen mit Antrieb aus der Steckdose.

(raa)

Erstellt: 22.09.2011, 16:02 Uhr

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