Die schwierigste Aufgabe hat Kachelmanns Psychiater

Sein Strafprozess wird zum Spitzentreffen der Rechtsmedizin. Bisher zum Vorteil des Schweizers.

<b>Die Akteure im Kachelmann-Prozess:</b> <b>1</b> Ersatzrichter <b>2</b> Ersatzschöffe <b>3</b> Schöffe <b>4</b> Richter <b>5</b> Vorsitzender Richter Michael Seidling <b>6</b> Richterin <b>7</b> Schöffe <b>8</b> Assistenz <b>9</b> Gerichtsschreiber <b>10</b> Oberstaatsanwalt Oskar Gattner <b>11</b> Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge <b>12</b> Vertreter der Nebenklägerin Rechtsanwalt Thomas Franz <b>13</b> Nebenklägerin Simone (Name geändert; erscheint wieder am 13. Oktober) <b>14</b> Simones Therapeut Prof. Dr. Günter H. Seidler, Universität Heidelberg <b>15</b> Gerhard Bässler, Kriminaltechniker, Landeskriminalamt Baden-Württemberg (am 18. Oktober) <b>16</b> Prof Dr. Rainer Mattern, Rechtsmediziner, Universität Heidelberg <b>17</b> Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber, Psychiater, Freie Universität Berlin <b>18</b> Dr. med. Hartmut Pleines, Psychiater, Heidelberg <b>19</b> Prof. Dr. Luise Greuel, Psychologin, Hochschule Bremen <b>20</b> Strafverteidiger Reinhard Birkenstock, Köln <b>21</b> Jörg Kachelmann, Angeklagter <b>22</b> Strafverteidiger Klaus Schroth, Karlsruhe <b>23</b> Strafverteidigerin Andrea Combé, Heidelberg <b>24</b> Medien- und Promianwalt Prof. Dr. Ralf Höcker, Köln. Helfer der Verteidigung: <b>25</b> Rechtsanwalt Johannes Latz, Revisionsspezialist, Köln <b>26</b> Johanna Post Birkenstock, Mediatorin, zuständig für die Betreuung Kachelmanns. Von Kachelmann beauftragte Sachverständige: <b>27</b> Prof. Dr. Markus Rothschild, Rechtsmediziner, Universität Köln <b>28</b> Prof. Dr. Bernd Brinkmann, Rechtsmediziner, Münster <b>29</b> Prof. Dr. Günter Köhnken, Psychologe, Universität Kiel <b>30</b> Prof. Dr. Tilman Elliger, Psychologe, Fachhochschule Köln.

Die Akteure im Kachelmann-Prozess: 1 Ersatzrichter 2 Ersatzschöffe 3 Schöffe 4 Richter 5 Vorsitzender Richter Michael Seidling 6 Richterin 7 Schöffe 8 Assistenz 9 Gerichtsschreiber 10 Oberstaatsanwalt Oskar Gattner 11 Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge 12 Vertreter der Nebenklägerin Rechtsanwalt Thomas Franz 13 Nebenklägerin Simone (Name geändert; erscheint wieder am 13. Oktober) 14 Simones Therapeut Prof. Dr. Günter H. Seidler, Universität Heidelberg 15 Gerhard Bässler, Kriminaltechniker, Landeskriminalamt Baden-Württemberg (am 18. Oktober) 16 Prof Dr. Rainer Mattern, Rechtsmediziner, Universität Heidelberg 17 Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber, Psychiater, Freie Universität Berlin 18 Dr. med. Hartmut Pleines, Psychiater, Heidelberg 19 Prof. Dr. Luise Greuel, Psychologin, Hochschule Bremen 20 Strafverteidiger Reinhard Birkenstock, Köln 21 Jörg Kachelmann, Angeklagter 22 Strafverteidiger Klaus Schroth, Karlsruhe 23 Strafverteidigerin Andrea Combé, Heidelberg 24 Medien- und Promianwalt Prof. Dr. Ralf Höcker, Köln. Helfer der Verteidigung: 25 Rechtsanwalt Johannes Latz, Revisionsspezialist, Köln 26 Johanna Post Birkenstock, Mediatorin, zuständig für die Betreuung Kachelmanns. Von Kachelmann beauftragte Sachverständige: 27 Prof. Dr. Markus Rothschild, Rechtsmediziner, Universität Köln 28 Prof. Dr. Bernd Brinkmann, Rechtsmediziner, Münster 29 Prof. Dr. Günter Köhnken, Psychologe, Universität Kiel 30 Prof. Dr. Tilman Elliger, Psychologe, Fachhochschule Köln.

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Es ist ein ungewohntes Bild für jeden, der schon schweizerische Strafprozesse gesehen hat: Vorne im Saal 1 des Landgerichts Mannheim sitzen nicht nur die Richter, die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte Jörg Kachelmann samt stolzer Verteidigerschar. Auch ein halbes Dutzend intelligent ausschauender und dreinblickender Damen und Herren hat Platz genommen. Es sind allesamt Gelehrte, die psychologische oder medizinische Aspekte im Fall begutachten.

Die Crème de la Crème der Forensik

In Schweizer Gerichtsverhandlungen schauen die Experten vorbei, wenn sie gefragt sind, und gehen meist bald wieder. In Deutschland herrscht Anwesenheitspflicht. So sitzen Professoren an einem Dutzend Verhandlungstagen in Mannheim fest, obwohl die meisten irgendwo zwischen Nord- und Bodensee an Universitäten lehren und forschen müssten. Für viele ist es eine Prestigeangelegenheit, beim «Prozess des Jahres» mitzuwirken. So trifft sich während zweier Monate montags und mittwochs ein Teil der Crème de la Crème der deutschen Forensik in Mannheim.

Der Indizienprozess Kachelmann ist zum Expertenstreit geworden. Genauer: Es gibt zwei Auseinandersetzungen. Die einen Fachleute streiten sich, ob sich das mutmassliche Opfer selber verletzte oder ob die Spuren an Hals, Oberkörper und Beinen von einem anderen Menschen stammen. Die anderen Experten analysieren die Aussagen der Frau, die Jörg Kachelmann angezeigt hat, sowie den Angeklagten. Die schwierigste bis unmögliche Aufgabe hat der Psychiater Hartmut Pleines bekommen: Er soll Kachelmann begutachten. Aber der will nicht mittun, sondern schweigt.

Der befangene Traumatologe

Ein anderer wichtiger Experte im ganzen Verfahren hat keinen Sachverständigenstatus: Der Therapeut der angeblichen Geschädigten, der Heidelberger Traumatologe Günter H. Seidler, tritt – weil befangen – als Zeuge auf. Er behauptet, die Lücken in der Erinnerung an die Tat bei seiner Patientin liessen sich durch eine Traumatisierung erklären. Andere Experten halten dies grundsätzlich für fast ausgeschlossen. Das Gericht hat deshalb Mitte Juli den renommierten Berliner Psychiatrieprofessor Hans-Ludwig Kröber damit beauftragt, dieser Frage nachzugehen.

Dem Kröber-Gutachten kommt für den Prozessausgang eine zentrale Rolle zu. Kurz vor der Eröffnung der Verhandlung ist der Schriftsatz eingegangen. Genaueres wurde bislang nicht bekannt. Einzig die Verteidigung hat in der Hauptverhandlung kurze Stellen aus der Berliner Expertise zitiert: Demnach ist Kröber der Ansicht, dass sich bei einem Opfer die schmerzhaften Details einer schweren Tat ins Gehirn einbrennen. Er hält die Lehrmeinung der Traumatologen für grundfalsch, wonach unter solchen Bedingungen die Erinnerung sich ausschaltet. Vielmehr soll Kröber geschrieben haben, es finde «eine Fokussierung auf das Kerngeschehen statt».

Mängel und Versäumnisse

Ob das Gutachten so eindeutig ausfällt, wie Kachelmanns Rechtsvertreter behaupten, wird der weitere Prozess zeigen. Es würde nicht überraschen, denn Kröber hält grundsätzlich nicht viel von den Traumatologen-Theorien. Für Kachelmann wäre ein entsprechendes Fazit von grosser Bedeutung, zumal es von einem Gutachter kommt, den er nicht bezahlt.

Die Glaubhaftigkeit der Aussage seiner früheren Partnerin ist bereits zuvor durch eine unabhängige Expertin hinterfragt worden: Die Bremer Psychologin Luise Greuel kommt zum Schluss, die Schilderungen der Radiomoderatorin zur Tat wiesen «erhebliche Mängel» auf und erfüllten die «Mindestanforderungen» in verschiedenen Punkten nicht. Sie hält aber auch fest, dass sich daraus nicht ableiten lässt, dass eine Falschaussage vorliegt. In der Hauptverhandlung am Mittwoch hat ein Gutachter Kachelmanns – der renommierte Rechtsmediziner Bernd Brinkmann – durch gezielte Fragen Schwachpunkte und Versäumnisse in der Spurensicherung aufgezeigt. Er ist der Ansicht, die Verletzungen des angeblichen Opfers seien Selbstverletzungen. Der Gutachter des Gerichts hält auch die These der Fremdeinwirkung für sehr plausibel. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2010, 07:11 Uhr

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