Verhaftetes Paar war der Polizei bekannt

In einem Einfamilienhaus in Staad SG ist die Leiche eines Kleinkindes gefunden worden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem Einfamilienhaus in Staad SG hat die Polizei ein totes Mädchen gefunden. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen geht von einem Tötungsdelikt aus. Die Eltern wurden festgenommen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) hatte nach einem Hausbesuch Verdacht geschöpft.

Die Vertreter der Kesb Rorschach hatten die Mutter in Staad SG besucht und dabei keine befriedigenden Auskünfte über den Aufenthaltsort der zweijährigen Tochter erhalten. Die Behörde reichte bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Verdachts der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten ein. Daraufhin wurde die Polizei mit Ermittlungen beauftragt.

Bei der Hausdurchsuchung am Dienstag wurde im Keller ein totes Kind entdeckt. Der Zustand der Leiche lässt eine sofortige Identifikation nicht zu. Die Polizei geht aber davon aus, dass es sich um das gesuchte Mädchen handelt. Ursache wie Zeitpunkt des Todes sind noch nicht bekannt.

Noch drei weitere Kinder

Die Eltern des Kindes, eine 32-jährige Deutsche und ein 52-jähriger Schweizer, wurden festgenommen. Für die Mutter ist beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Untersuchungshaft gestellt worden. Der Vater musste fürsorgerisch untergebracht werden. Er sei «nicht hafterstehungsfähig» und deshalb in die Psychiatrie eingewiesen worden, sagte Polizeisprecher Hanspeter Krüsi der Nachrichtenagentur sda.

An der Tür zur Wohnung klebt ein Sticker des Motorradclubs Hells Angels Liechtenstein. Nachbarn sagten gegenüber baz.ch/Newsnet, sie hätten Angst vor dem 52-Jährigen gehabt, der «rockermässig aussieht». Ob der Mann berufstätig ist, ist unklar. Gegenüber Nachbarn sagte er, er habe eine grosse Erbschaft gemacht.

Das Paar habe viel gestritten und war angeblich auch in den seltenen Fällen des Kontakts gegenüber den Nachbarn ruppig. Häufig sei es laut gewesen. Das Paar war der Polizei bekannt. Allerdings sagt die Polizei nicht, aus welchen Gründen.

Eine Frau sagte, sie sei jeden Tag an dem Haus vorbei gelaufen und habe das Paar nie gesehen. Es lebt offenbar recht zurückgezogen. Das Garten des Hauses ist mit Sichtschutzwänden aus Holz regelrecht abgeriegelt. Das Mädchen, das 2013 geboren wurde, hätten die befragten Nachbarn nie gesehen.

Gesuch der Mutter

Anlass des Hausbesuchs durch die Kesb war ein Gesuch der Mutter. Diese hat gemäss Angaben der Kesb insgesamt vier Kinder von drei verschiedenen Männern. Die anderen drei Kinder wohnen nicht bei ihr. Die Mutter habe beantragt, dass zwei dieser Kinder wieder bei ihr leben könnten und ein sogenanntes «Replatzierungsgesuch» gestellt, erklärte Krüsi. Bei den routinemässigen Abklärungen der Wohn- und Familiensituation habe dann die Kesb festgestellt, dass das Kind fehlt, das noch bei der Mutter lebt und mit den Nachforschungen begonnen.

(woz/sda)

Erstellt: 06.08.2015, 13:39 Uhr

Artikel zum Thema

Vater erstickt Baby in Zürich – Kesb fordert Aufklärungskampagne

Die Schreie eines zehn Wochen alten Säuglings wurden von dessen Vater mit Kissen gedämpft – bis er starb. Trotz eines zuvor gemeldeten Vorfalls sahen die Behörden «keine akute Gefährdung». Mehr...

Volksinitiative gegen Kesb gestartet

Immer wieder befanden sich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Kreuzfeuer der Kritik. Nun soll ihnen eine Volksinitiative den Garaus machen. Mehr...

Blogs

History Reloaded Warum Spanien als Nation scheitert

Sweet Home Die Farbe, die allen gefällt

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...