Oxfam-Vizechefin «schämt sich» wegen Sex-Orgien

Die Hilfsorganisation Oxfam geriet wegen eines Sex-Skandals in die Schlagzeilen. Jetzt zieht die Vizechefin Konsequenzen.

Penny Lawrence übernimmt die «volle Verantwortung».

Penny Lawrence übernimmt die «volle Verantwortung». Bild: AFP

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Wegen des Prostitutionsskandals bei der Hilfsorganisation Oxfam ist die Vizechefin der Organisation, Penny Lawrence, zurückgetreten. «Als damalige Programmdirektorin schäme ich mich, dass dies unter meiner Aufsicht geschah, und übernehme die volle Verantwortung», erklärte Lawrence am Montag. Nach der britischen Regierung drohte unterdessen auch die EU-Kommission der Organisation mit der Streichung von Geldern.

Oxfam-Mitarbeiter hatten in Haiti Sex-Orgien mit Prostituierten gefeiert - ähnliche Vorfälle soll es bereits zuvor im Tschad gegeben haben. «In den vergangenen Tagen ist uns bewusst geworden, dass wegen des Verhaltens unserer Mitarbeiter im Tschad sowie in Haiti Bedenken geäussert wurden, auf die wir nicht angemessen reagiert haben», erklärte Lawrence.

Inzwischen sei klar, dass die Vorwürfe gegen den damaligen Oxfam-Landeschef im Tschad und dessen Mitarbeiter bekannt gewesen seien, bevor dieser nach Haiti gewechselt sei.

Entlassungen und Kündigungen

Im Mittelpunkt des Skandals steht Roland van Hauwermeiren, der im Tschad und anschliessend in Haiti Landesdirektor der Hilfsorganisation war. Nachdem die Vorwürfe intern bekannt wurden, trat er von seinem Posten zurück. Auch zwei andere Mitarbeiter kündigten - die drei kamen damit einer Entlassung zuvor. Vier weitere Mitarbeiter wurden nach Angaben von Oxfam entlassen.

Die Zeitung «The Times» hatte den Skandal ins Rollen gebracht. Sie hatte am Freitag berichtet, Oxfam-Mitarbeiter hätten während ihres Einsatzes nach dem Erdbeben in Haiti 2010 Sex-Orgien mit Prostituierten gefeiert. Eine 2011 eingeleitete interne Untersuchung habe eine «Kultur der Straflosigkeit» ans Licht gebracht. Die Organisation bestreitet, die Vorwürfe vertuscht zu haben.

Die britische Entwicklungsministerin Penny Mordaunt, die der Organisation Fehlverhalten vorgeworfen hatte, empfing am Montag die Oxfam-Kuratoriumsvorsitzende Caroline Thomson und Geschäftsführer Mark Goldring. Die Ministerin hatte gedroht, die Zusammenarbeit mit Oxfam zu beenden, es sei denn die Organisation zeige «moralische Führungsstärke». Im vergangenen Jahr hatte Oxfam von der britischen Regierung 31,7 Millionen Pfund (35,7 Millionen Euro) erhalten.

Sexuelle Ausbeutung in den Griff kriegen

Mordaunt erklärte im Anschluss an das Treffen, sie habe einen Brief an alle in Übersee tätigen Hilfsorganisationen aufgesetzt. Darin fordere sie die Organisationen auf, mehr zu tun, damit «absolute Gewissheit» über ihre moralische Führung bestehe. Zudem kündigte die Ministerin Pläne an, um sexuelle Ausbeutung und Missbrauch in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen in den Griff zu kriegen.

Die Oxfam-Kuratoriumsvorsitzende Thomson beschrieb das Treffen mit der Ministerin als «sehr herausfordernd, aber konstruktiv». Oxfam stimme mit Mordaunts Vorschlägen völlig überein. Es werde zwar dauern, die Ministerin davon zu überzeugen, «dass wir die richtige moralische Führung haben, um guten Gewissens öffentliche Gelder zu erhalten». Aber die Gespräche würden fortgesetzt.

Drohung der EU-Kommission

Auch die EU-Kommission drohte am Montag mit dem Entzug von Geldern: Bei Vorwürfen von Fehlverhalten gelte für die EU-Behörde «null Toleranz», sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel.

Die EU-Kommission verlangte «dringend» vollständige Aufklärung zu den Vorwürfen. Die Behörde erwarte von ihren Partnern, dass sie «strengen ethischen und professionellen Verhaltensgrundsätzen» folgten, sagte die Sprecherin. «Wir sind bereit, die Finanzierung an Partner, die sich nicht an die verlangten hohen ethischen Standards halten, zu überprüfen und - falls nötig - einzustellen.»

Die EU-Kommission ist ein wichtiger Geldgeber für Hilfsorganisationen weltweit. Der Sprecherin zufolge erhielt Oxfam Grossbritannien im Jahr 2011 aus Brüssel 1,7 Millionen Euro für Hilfsprojekte in Haiti. (AFP)

Erstellt: 12.02.2018, 22:17 Uhr

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