Biel

Rentner hielt Stadt auf Trab: Die Chronik

Über eine Woche lang versetzte der Fall Kneubühl die Stadt Biel in Ausnahmezustand. Schwer bewaffnet fahndete die Kantonspolizei nach dem 67-Jährigen, evakuierte Gebäude und schloss Schulen. Die wichtigsten Geschehnisse in chronologischer Folge.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Tag 10: Freitag, 17. September

Der 10. Tag beginnt mit einem Paukenschlag. Kurz nach 6 Uhr wird Peter Hans Kneubühl in der Nähe der Taubenlochschlucht gefasst.

Um 11 Uhr informiert die Polizei an einer Medienkonferenz. Ein Hund hat den Rentner gefasst.

Die Bewohner des Lindenquartiers und die Bieler sind beruhigt. Der Mon-Desirweg ist verlassen. Kein Polizist, kein Journalist, kein Anwohner ist zu sehen. Der Weg, an dem Peter Hans Kneubühl wohnte und die ganze Schweiz in Atem hielt, hat nichts Gefährliches, nichts Bedrohliches.

Um 14 Uhr zeigt die Polizei den Journalisten die Stelle, wo Kneubühl am frühen Morgen gefasst worden war. Es handelt sich um eine Wiese im Gebiet Ried.

Tag 9: Donnerstag, 16. September

Trotz gross angelegter Fahndungsaktion der Polizei im Berner Jura den ganzen Mittwoch über ist Peter Hans Kneubühl weiterhin flüchtig, vermeldet die Einsatzzentrale am Donnerstagmorgen. An den Polizeiaktionen beteiligen sich offenbar auch Sondereinheiten des Bundes. Vertrauliche Quellen bestätigen, dass es sich hierbei unter anderem um die Tigris handelt. Hinter dem Namen Tigris steht eine 14-köpfige Truppe, die in erster Linie Schutzaufträge und Zielfahndungen durchführt.

Auch die zwei Bekannten Kneubühls, die am Mittwoch von der Polizei angehalten und befragt wurden, sind noch am gleichen Tag wieder auf freien Fuss gesetzt worden.

Der Bieler Stadtrat tagte am Abend unter Polizeischutz und auch die Eröffnung des Festival du Film Français d'Helvétie (FFFH) wurde von Polizisten in zivil überwacht.

Zudem wurde bekannt, dass die Behörden von Kneubühls Wahn gewusst und wohl nicht angemessen reagiert haben.

Das Lindenquartier ist immer noch eine Sperrzone. Die Anwohner arrangieren sich mehr oder weniger gut mit den besonderen Umständen, wie ein Augenschein vor Ort zeigte.

Der Vater von Peter Hans Kneubühl war Mitbegründer des Civil Combat Club Biel. Sein Sohn Peter Hans war jedoch nie Mitglied.

Auch beim Altersheim in Pieterlen fand ein Polizeieinsatz statt. Wie «20 Minuten» berichtet, soll dort die Tante des Flüchtigen wohnen. Die Polizei geht weiter davon aus, das Peter Hans Kneubühl noch lebt.

Tag 8: Mittwoch, 15. September

Recherchen von Radio TSR zeigen auf, wie wenig letztlich über den Flüchtigen bekannt ist. Weder das bisher angenommene Alter noch die Aussagen zu seinem Ausbildungs- und Berufsweg sind gesichert.

Der «Blick» enthüllt, dass der Kantonspolizei Bern Kneubühl ein schwerwiegender Fehler unterlaufen ist: Das erste Fahndungsbild, das während fünf Tagen in den Medien zirkulierte, zeigt den Vater von Peter Hans Kneubühl.

Tag 7: Dienstag, 14. September

Die Nacht auf Dienstag verlief ruhig. Die Polizeifahndung nach Peter Hans Kneubühl geht in die nächste Runde.

Die Schulen in der Umgebung von Kneubühls Haus bleiben geschlossen. Die 300 Primarschüler haben erneut frei. Ab Mittwoch sollen sie anderswo zur Schule gehen. Die Gymnasiasten werden provisorisch weiter am Gymnasium Strandboden unterrichtet. Auch für die 50 Kindergärteler wird nach einer externen Lösung gesucht.

Am Nachmittag präsentiert die Kantonspolizei an einer Medienkonferenz Fotos aus Kneubühls Haus sowie Waffen, die sie dort gefunden hat. Vom 67-jährigen fehlt auch am sechsten Tag seiner Flucht jede Spur.

Tag 6: Montag, 13. September

Zur Unterstützung des Bekannten des flüchtigen Peter Hans Kneubühl startet die Berner Kantonspolizei eine grosse Flugblatt-Aktion. Sie setzt dazu unter anderem auch ein Kleinflugzeug ein. Unterdessen gehe die gross angelegte Fahndung weiter. Umfassende Abklärungen würden unter anderem auch am Domizil des Schützen getätigt.

Die Polizei veröffentlicht neue Fahndungsbilder, die Kneubühl 2000 und 2003 zeigen sollen. Sie unterscheiden sich stark von den Bildern, die letzte Woche veröffentlicht wurden und aus den 1980ern stammen. Verwirrend ist, dass er auf den aktuellsten Bildern jünger aussieht als auf jenen aus den 1980ern. Die Polizei erklärt, dass sie die ersten Bilder von Angehörigen erhalten habe. Die neusten habe sie selber beschafft.

Weiter informiert die Polizei, dass sie am Freitagabend im Bieler Lindenquartier einen Mann angehalten habe. Dieser habe sich zuvor äusserst verdächtig verhalten und ein Nachtsichtgerät auf sich getragen. Beim Mann habe es sich aber nicht um Peter Hans Kneubühl gehandelt.

Um 18 Uhr treffen sich in Biel rund zwanzig Menschen zu einer Unterstützungskundgebung für den 67-Jährigen. Sie seien schockiert über das massive Polizeiaufgebot, um einen Rentner dingfest zu machen. Sie begrüssten seine Taten nicht, forderten jedoch einen Notausgang für den Mann.

Tag 5: Sonntag, 12. September

Laut Kantonspolizei habe sich ein Mann, der sich Bobi nennt, mit einem Appell an Peter Hans Kneubühl an sie gewendet. Er sei ein Bekannter Kneubühls und wolle diesen mit dem Appell auffordern, mit ihm in Kontakt zu treten.

Tag 4: Samstag, 11. September

Die Kantonspolizei Bern führt mit Unterstützung von Einsatzkräften aus anderen Kantonen und des Bundes die Grossfahndung nach Peter Hans Kneubühl im Raum Biel mit Hockdruck weiter.

Matthias Herter, Leiter der Verhandlungsgruppe der Kantonspolizei Bern, gibt gestützt auf die neusten Erkenntnisse der Polizei eine Einschätzung des Täters ab. Peter Hans Kneubühl habe sich akribisch auf eine bewaffnete Auseinandersetzung mit der Polizei vorbereitet. „Er hat mit einer unglaublichen Perfektion sämtliche Eventualitäten seines letzten, bewaffneten Konflikts mit den Behörden geplant.“

Tag 3: Freitag, 10. September

In der Nacht auf Freitag ist Peter Hans Kneubühl erneut im Bieler Lindenquartier in Erscheinung getreten und hat mehrere Schüsse in Richtung der Einsatzkräfte abgegeben. Verletzt wurde niemand.

Laut Mitteilung der Polizei laufe die Fahndung nach Peter Hans Kneubühl nach wie vor auf Hochtouren. Neue Erkenntnisse und Hinweise aus der Bevölkerung hätten bisher nicht zur Anhaltung des Täters geführt. Nach Einschätzung der Polizei bestehe für die Bevölkerung keine unmittelbare Gefahr, trotzdem sei Aufmerksamkeit angebracht.

Tag 2: Donnerstag, 9. September

Um 9 Uhr informiert die Polizei erstmals über ihren Einsatz im Bieler Linde-Quartier vom Vortag sowie über die Schiesserei in der Nacht zum 9. September.

Um 14 Uhr meldet die Polizei, dass sie den 67-jährigen Mann bisher nicht habe anhalten können. Der Gesundheitszustand des in der Nacht durch einen Schuss schwer verletzten Polizisten sei nach der Operation stabil. Die Suche nach dem Schützen laufe auf Hochtouren.

Um 18 Uhr nennt die Polizei Peter Hans Kneubühl erstmals beim Namen und veröffentlicht ein Bild von ihm aus den 1980er Jahren. Eine zweite, elektronisch bearbeitete Version des Bildes zeigt, wie Kneubühl heute aussehen könnte. Die Kantonspolizei habe umfangreiche Fahndungsmassnahmen ergriffen und bitte die Bevölkerung um Mithilfe. Es seien unter anderem Polizeihunde sowie ein Helikopter der Armee mit Wärmebildkamera im Einsatz. Zum Schutz der Bevölkerung habe die Kantonspolizei Bern ihre Präsenz in Biel und Umgebung erhöht.

Tag 1: Mittwoch, 8. September

Heute Nachmittag ist Besichtigungstermin im Haus von Peter Hans Kneubühl, das Ende Monat auf Geheiss eines Zivilgerichts versteigert werden soll. Nachdem im Vorfeld verschiedene Behörden erfolglos versucht hatten, mit dem 67-jährigen Mann in Kontakt zu treten, kommt es am Mittwochmorgen zu einer polizeilichen Intervention. In deren Verlauf verbarrikadiert sich der Mann.

Spezialisten der Polizei versuchen mehrmals, mit dem Mann das Gespräch aufzunehmen. Aus Sicherheitsgründen evakuiert die Polizei mehrere Gebäude und sperrt das Gebiet ab.

Im Verlauf der Nacht schiesst der Mann auf die Einsatzkräfte. Ein Angehöriger der Kantonspolizei Bern wird schwer verletzt. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot im Lindenquartier im Einsatz.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.09.2010, 15:42 Uhr

Blogs

Sweet Home Best of Homestory: Ein Mann, ein Hund, ein Haus

Tingler Für immer Madge

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...