Rom stellt Schatz von Basler Kunsträuber aus

Ein römisches Museum stellt 4500 illegal erworbene Kunstobjekte im Wert von über 50 Millionen Franken aus. Der ehemalige Besitzer dieser Sammlung ist ein in Basel wohnhafter Olivenölproduzent.

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Es handelt sich um die grösste Rückführung entwendeter Kunstschätze in der italienischen Geschichte: Über 4500 seltene und erlesene Kunstgegenstände präsentiert der italienische Kulturminister Dario Franceschini im nationalen Museum der Diokletian-Thermen in Rom. Sie wurden 2001 von der Basler Staatsanwaltschaft in der Galerie Palladion Ancient in Basel beschlagnahmt. Zu den Gegenständen zählen sehr seltene und erlesene Stücke, darunter Votivstatuen, Fresken und Bronzewaffen.

Die Teseo genannte Untersuchung kreist um den in Basel wohnhaften italienischen Olivenölproduzenten und Kunsthändler Gianfranco Becchina, gegen den die italienische Justiz wegen illegalen Kulturgütertransfers, wegen Hehlerei und Nichtanmeldens von archäologischen Funden ermittelt. Viele Objekte stammten, wie sich herausstellte, aus bedeutenden archäologischen Grabungsstätten in Italien. Becchina muss nun beweisen, dass er seine Objekte legal erworben hat.

Die italienische Polizei läuft minutenlang durch Becchinas illegale Kunstsammlung (Video: Carabinieri Rom/Youtube)

Spur begann im Warenlager der Ehefrau

Zu den Kunden Becchinas zählten etliche Kunstsammler und Museen auf der ganzen Welt. Unter anderen hatten das Getty Museum in Los Angeles, das New Yorker Metropolitan Museum of Art und der Pariser Louvre bei Becchina eingekauft. Becchinas Adressverzeichnis enthielt Hunderte von Namen von Kunden und Museumsleuten.

Die Gegenstände stammten grösstenteils aus illegalen Grabungen in Italien. Unter anderem handelte es sich dabei um Objekte aus der etruskischen und römischen Antike. Darauf gestossen waren die Ermittlungsbehörden im Warenlager der Ehefrau von Gianfranco Becchina, Ursula R. Becchina, die in Basel ein Geschäft betrieb.

2008 präsentierte die Basler Staatsanwaltschaft erstmals die Schätze aus Becchinas sichergestellter «Sammlung». Im gleichen Jahr legte das Bundesamt für Justiz eine Frist von drei Jahren fest, damit die italienischen Behörden die beschlagnahmten Kulturgüter im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen Becchina überprüfen konnten.

Untersuchung noch nicht abgeschlossen

Im März vergangenen Jahres wurden die Kunstgegenstände und archäologischen Funde dann definitiv an Italien zurückgegeben.

19 Objekte retournierten die italienischen Behörden unterdessen wieder an die Basler Staatsanwaltschaft, da für sie keine Herkunft aus Italien ermittelt werden konnte. Die Staatsanwaltschaft klärt ab, ob die involvierten Personen rechtmässige Eigentümer dieser Gegenstände sind oder ob andere Länder als Herkunftsort infrage kommen. Die Untersuchung ist nach Angaben der Behörde noch im Gange.

Ehemalige Drehscheibe des illegalen Kulturgüterhandels

Die Schweiz galt bis 2005 wegen ihrer vergleichsweise laschen Gesetze als Hort und Drehscheibe des weltweiten illegalen Kulturgüterhandels. Danach erliess der Bund mit dem Kulturgütertransfergesetz (KGTG) ein effizientes Gesetz gegen den illegalen Kulturgüterhandel, das vom Bundesamt für Kultur vollzogen wird.

Zusätzlich hat Bern mit Rom zur direkten Zusammenarbeit im April 2008 eine bilaterale Vereinbarung geschlossen. Seitdem gilt die Schweiz international als Vorbild im Kampf gegen den illegalen Antikenhandel. (pst/sda)

Erstellt: 22.01.2015, 12:37 Uhr

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