Schlammlawine bahnt sich Weg durch Champéry

Aufgrund des heftigen Regens sind im Kanton Wallis über 100 Erdrutsche niedergegangen. Die Lage bleibt angespannt.

Champéry wird von einer Schlammlawine heimgesucht. Video: Tamedia/Leser-Reporter


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Walliser Gemeinde Champéry ist am Montagvormittag der Fluss Gleux über die Ufer getreten und hat eine Schlammlawine durch das Dorf gespült. Ein Leserreporter hat das Naturschauspiel gefilmt.

Erdrutsch reisst Strasse weg

In der Gemeinde Ergisch VS hat der nasse Boden einen Erdrutsch verursacht und eine Strasse ins Tal gerissen. Der Abschnitt war bereits zuvor gesperrt gewesen. Ein Leservideo zeigt, wie der grosse Asphaltblock samt Leitplanke mitgerissen und einige Meter weiter unten von Bäumen abgebremst wird. Laut Augenzeugen habe es keine Verletzten gegeben. Erdrutsch in Ergisch. Video: Tamedia/Leserreporter.

Gemäss Walliser Kantonspolizei sind über 100 Meldungen von Erdrutschen eingetroffen. Mit weiteren müsse gerechnet werden. Mit einer Bilanz der Schäden sei erst in ein paar Wochen zu rechnen, heisst es auf Anfrage von baz.ch/Newsnet.

Erdrutsch bremst BLS-Zug

In der Südrampe Höhe Gamsen, zwischen Lalden und Brig, hat sich kurz nach 14 Uhr ein Erdrutsch ereignet und den Bahnverkehr der BLS blockiert. Der Regionalverkehr zwischen Kandersteg und Brig ist bis mindestens morgen Abend eingestellt, teilt die BLS mit. Nicht tangiert ist der Bahnverkehr durch den Lötschbergbasistunnel.

Ein automatischer Lawinenmelder habe Alarm geschlagen und das Bahn-Stromnetz abgestellt, wie ein Mediensprecher der BLS auf Anfrage erklärt. Ein Zug mit zwölf Fahrgästen war unmittelbar betroffen. Der Fahrdienst der BLS hat die Passagiere per Zug evakuiert. «Das war eine ungewöhnliche Situation für die Reisenden», heisst es aus der Medienabteilung.

Kanton Bern

Mancherorts kam es zu Erdrutschen und Murgängen, diverse Strassen mussten vorübergehend gesperrt werden. Ein Erdrutsch ging im Lauterbrunnental nieder und verschüttete die Bahnverbindung nach Wengen. Der autofreie Wintersportort war bis am Nachmittag abgeschnitten. Dann war die Strecke für die Züge wieder frei.

Am frühen Montagabend waren noch die Hauptstrasse zwischen Sumiswald und Lützelflüh sowie die Hauptstrasse in der Region Wimmis zwischen Brodhüsi und Reutigen verschüttet.

Der anhaltende Regen bis hoch hinauf liess auch die Pegel der Gewässer im Kanton Bern ansteigen. Hochwasser führten insbesondere kleinere Bäche. Die Pegel der grossen Seen stiegen ebenfalls, bewegten sich am Montagabend aber noch deutlich unter der Hochwassergrenze.

Im Hirscherengraben bei Oberried am Brienzersee ging eine Lawine nieder. Die Schneemassen verschütteten die Strasse, wie ein Foto auf dem Newsportal des «Berner Oberländer» zeigt. Dabei wurde eine Holzbrücke weggerissen. Die Bahnlinie wurde indessen nicht getroffen. Auf die Strasse von Unterseen nach Beatenberg ging am Montag ein Erdrutsch nieder. Er konnte unterdessen geräumt und die Strasse wieder geöffnet werden.

Hochwasser herrschte indessen in machen Kellern und Garagen. Bei der Polizei gingen am Montag an die 115 Meldungen ein. Diese betrafen nebst vollgelaufenen Kellern auch umgestürzte Bäume oder über die Ufer getretene Bäche. Personen kamen nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei keine zu Schaden.

Kantone Wallis und Waadt

Heftige Regenfälle haben an mehreren Orten in der Romandie Erdrutsche ausgelöst. In Hérémence VS stürzten am Montagmorgen Erdmassen und Bäume auf die Strasse neben den Pyramiden von Euseigne. Diese sind in der Region bekannte Naturdenkmäler. Die Strasse musste gemäss der örtlichen Polizei gesperrt werden.Auch in Ollon VD berichten mehrere Leser-Reporter von grossen Erdmassen, die ins Tal gedonnert waren.

Im Walliser Dorf Champéry ist der Fluss übergelaufen und hat eine Schlammlawine durch das Dorf gespült.

Auch das Wallis wird nebst den Schneelawinen von den Erdmassen nicht verschont. In Martigny VS und Iserables VS krachten Erdlawinen von den Hängen hinunter, teilweise bis an die Wohngebiete. Auch zwischen Leuk und Bratsch VS sowie zwischen Mörel und Bister ist es zu einem Erdrutsch, bei letzterem noch zu einem Steinschlag, gekommen.

Bei Getwing hat sich zudem am Montagmorgen gegen 10 Uhr ein Murgang ereignet. Für den Kanton Wallis herrscht seit Sonntag Gefahrenstufe 4 und könnte in gewissen Regionen noch auf Stufe 5 ansteigen.

Innerschweiz: Autofahrer ignorieren gesperrte Strassen

In der Innerschweiz sind überflutete Strassen zwischen Pfäffikon und Freinbach gesperrt. Wie Bilder von «TeleZüri» zeigen, passieren die Autofahrer die Strassen trotzdem.

Gemäss Perret sind die Böden aufgrund der heftigen Niederschläge in den letzten Tagen momentan ziemlich gesättigt, weshalb sie an gewissen Stellen instabil werden. Erst in der Nacht auf morgen soll sich die Lage beruhigen und das Wetter trockener werden. (nxp)

Erstellt: 22.01.2018, 13:03 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir dürfen das Hotel nicht mehr verlassen»

Video In Zermatt wurden die Menschen dazu aufgerufen, in den Gebäuden zu bleiben. Direkt vor den Hotels donnert Schnee den Hang runter. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...