Solar Impulse: «Unser Baby ist wieder da»

Um 14.04 Uhr ist Bertrand Piccards Weltumflieger in Dübendorf gelandet – im Bauch eines Jumbojets. Ein Spektakel für Hobby-Aviatiker.

Endlich wieder zuhause: Die Solar Impulse landet in Dübendorf, André Borschberg und Bertrand Piccard freuen sich.
Video: Video: Lea Koch

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Volksfeststimmung auf dem Flugplatz Dübendorf ab Mittag. Es gibt Bratwürste, Kürbissuppe, und Hunderte von Plainspottern und Flugfans drängen gegen 14 Uhr an die Piste. Die einen sind mit meterlangen Teleobjektiven ausgerüstet, jene die bloss Handys haben, setzen dafür die Ellenbogen umso entschlossener ein, um ganz vorne zu stehen. «Jetzt ist er über dem Bodensee», meldet ein pensionierter Hobby-Aviatiker, der aufgeregt sein Handy mit einer Flightfinder-App schwenkt.

Pünktlich um 13.58 Uhr erscheint aus Richtung Winterthur die Silhouette eines Flugzeugs am Himmel. Der Cargolux-B747-Fracht-Jumbo, gestartet in Abu Dhabi, bringt die Solar Impule nach Hause. Er macht einen weiten Bogen zum Zürichsee hin und fliegt dann die Militärpiste an – genau über dem Heckleitwerk ragt der Säntis auf. Hunderte von Kameras klicken, der Jumbo gibt Gegenschub, und alle wundern sich, dass die vergleichsweise kurze Piste locker zum Abbremsen reicht. Die Fracht ist ja auch bloss runde zwei Tonnen schwer.

Die Piste wird gestürmt

Die beiden Piloten André Borschberg und Bertrand Piccard winken begeistert, die Menge johlt, einige schwenken Schweizerfähnchen. Und dann beginnt der Sturm Richtung Piste. Nur mit Mühe kann das Team von Solar Impulse die Leute zurückhalten. Piccard und Borschberg sprechen über Lautsprecher zu den Leuten und werden immer wieder durch Jubelrufe unterbrochen. «Vor zwei Jahren waren wir voll Zweifel, Fragezeichen und Angst», sagt Piccard. «Und heute realisieren wir voller Emotionen, dass unser Baby wieder da ist, das so lange unser Haus, unser Werkzeug, unser Traum war.»

Im Bauch eines Cargolux B747-Fracht-Jumbos gereist: Die Solar Impulse wird in Dübendorf ausgeladen. (Video: Lea Koch)

«Es ist etwas paradox», muss Bertrand Piccard einräumen, dass der Solarflieger zwar ohne Treibstoff die Welt umflogen hat, nun aber im Bauch eines riesigen Jumbos in die Schweiz gebracht werde. Solar Impulse habe für den CO2 dieses Fluges bei der My Climate Foundation bezahlt. «Mit diesem Geld werden auf ein Schulhaus in Afrika Solarzellen gebaut», sagt Piccard. Das Abenteuer Erdumrundung sei nun vorbei, «die Botschaft aber geht weiter», so Piccard – nämlich Lösungen gegen die Klimaveränderung zu finden. Und Borschberg setzt zu einem Loblied auf die Effienz des elektrischen Antiebs an.

Und bleibt das «Baby» jetzt für immer in Dübendorf? Wohl kaum. Die Solar Impulse wird wohl in irgendein Museum kommen, zum Beispiel in den USA, das eine mindestens 70 Meter grosse Halle zur Verfügung hat. «Wenn wir unser Flugzeug im Ausland zeigen können, ist das auch besser für die Schweiz», sagt Piccard.

Eine Flugdauer von 1300 Stunden bleibt

Und wird das «Baby» nochmals fliegen? «Es wurde für 2000 Flugstunden gebaut und war bis jetzt erst 700 Stunden in der Luft», erklärt Pilot André Borschberg dem Publikum. Das Team weiss es wohl im Moment noch selber nicht. Die Solar Impulse im Flugbetrieb zu halten, sei aufwendig und bedinge einen Flugplatz, eine riesige Halle und eine grosse Organisation, sagt Piccard.

Die beiden Schweizer Abenteurer und Wissenschaftler wollten mit der Erdumrundung im Solarflieger für die Nutzung erneuerbarer Energien werben. Die Waadtländer tüftelten zwölf Jahre an dem aus Karbonfasern gebauten und mit 17'200 Solarzellen versehenen Flieger.

Zwangspause in Hawaii

Das Experimentierflugzeug hob am 9. März 2015 im Golfemirat Abu Dhabi ab und flog über Indien und China nach Hawaii. Wegen eines Batterieschadens musste das Team auf der Pazifikinsel neun Monate pausieren. Danach ging die Reise weiter nach Kalifornien, über mehrere Stationen nach New York und via Europa und den Nahen Osten zurück zum Ausgangspunkt.

Das Projekt kostete gegen 170 Millionen Franken. Dieses wurde von zahlreichen Grossfirmen wie Solvay, Omega, Schindler, ABB und Google unterstützt.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2016, 19:48 Uhr

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