Über 120 Bangladesher sterben beim Kleidernähen

Ein Grossbrand hat die Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesh im Gebäude eingeschlossen. Über 120 Personen wurden Opfer der Flammen. Ursache könnte ein Kurzschluss der maroden Elektroinstallation sein.

Nach vier Stunden war der Brand unter Kontrolle: Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten. (24. November 2012)

Nach vier Stunden war der Brand unter Kontrolle: Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten. (24. November 2012) Bild: Keystone

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Ein Brand in einer Textilfabrik in Bangladesh hat 109 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 200 weitere wurden bei dem Brand in der Nacht auf Sonntag verletzt.

Das Feuer war am späten Samstagabend im Erdgeschoss des neunstöckigen Fabrikgebäudes am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen und griff dann schnell auf die anderen Etagen über. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich mehr als 1000 Arbeiter in dem Werk des Unternehmens Tazreen Fashion befunden, wie die Behörden am Sonntag mitteilten.

Näherinnen sassen fest

Hunderte Arbeiter sassen in den oberen Etagen des Fabrikgebäudes fest. Viele von ihnen seien in Panik aus den Fenstern gesprungen, sagte ein Polizeisprecher.

Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt.

Insgesamt seien 109 Leichen geborgen worden, teilten die Behörden mit. Zunächst war von 121 Toten die Rede gewesen. Die Feuerwehr brauchte vier Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem «schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik», die unter anderem für das Bekleidungsunternehmen C&A arbeitet. Der Sprecher von C&A Europe, Thorsten Rolfes, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Firmenleitung in Europa sei «mit ihren Gedanken und ihren Gebeten» bei den Opfern und ihren Familien.

Brandursache unklar

Die Ursache für den Brand, der das rund 30 Kilometer nördlich von Dhaka gelegene Werk verwüstete, war zunächst unklar. Ein Untersuchungskomitee wurde eingesetzt, um die Brandursache zu erkunden. Einer der Überlebenden sagte dem privaten Fernsehsender Channel I, das Feuer sei dem elektrischen Hauptschalter entsprungen: «Ein Kurzschluss könnte das Feuer verursacht haben.»

Ein Sprecher der Fabrik erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt.

Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. In dem Land gibt es etwa 4500 Bekleidungsfabriken, die unter anderem für Firmen wie H&M, Wal-Mart, JC Penney und Tesco produzieren. Die Näherinnen arbeiten meist unter schwierigen Bedingungen. (rbi/sda)

Erstellt: 25.11.2012, 17:25 Uhr

Bestürzung über die Tragödie: Angehörige weinen vor dem ausgebrannten Gebäude. (Video: Reuters )

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