«Westler» gegen Nepalesen am Mount Everest

Bergsteiger Ueli Steck führt die Aggressionen von Sherpas auf ein «Problem» zwischen Einheimischen und Besuchern zurück. Nepalesen werfen ihm vor, sich nicht an die Regeln am Hang gehalten zu haben.

Missglückte Himalaja-Expedition: Ueli Steck (rechts) und sein Bergsteigerkollege Simone Moro am Mount Everest. (April 2013)

Missglückte Himalaja-Expedition: Ueli Steck (rechts) und sein Bergsteigerkollege Simone Moro am Mount Everest. (April 2013) Bild: EpicTV

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Sicher ist: Es gab am Samstag eine Prügelei im Camp 2 an den Hängen des Mount Everest. Ueli Steck, der Extrembergsteiger aus dem Berner Oberland, und seine Begleiter, der Italiener Simone Moro und der britische Fotograf Jonathan Griffit standen etwa hundert nepalesischen Sherpas gegenüber. «Die Sherpas waren äusserst aggressiv», schilderte Steck gestern die Situation in einer Erklärung. Sie schlugen und traten, warfen mit Steinen nach Steck und seinen Begleitern.

Diesen Sachverhalt bestätigte auch ein amerikanischer Augenzeuge gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. «Das war fürchterlich mitanzusehen», sagte er. «Die Bergsteiger wurden beinahe getötet.»

Mehrere westliche Bergsteiger, die ebenfalls in dem Camp waren, hätten sich dann zwischen die Streitenden gedrängt, berichtete Steck. Er und seine Kollegen packten ihre Sachen. «Uns wurde befohlen, das Lager innert einer Stunde zu verlassen», schrieb er. «Sonst würde man uns umbringen.» Sie stiegen spätabends zum Basislager ab.

Behörden ermitteln

Die nepalesischen Behörden betonten gestern, dass die Ruhe am Mount Everest wiederhergestellt sei. «Das Problem konnte gelöst werden», sagte der Tourismusverantwortliche Dipendra Paudel. Steck habe die Nacht auf Montag im Spital in der Hauptstadt Kathmandu verbracht. Der Schweizer hatte von einer Platzwunde am Mund berichtet. Sein Gesundheitszustand sei normal, sagte Paudel. Er sei gestern wieder mit dem Helikopter ins Basislager am Everest geflogen. Die Polizei werde die Vorfälle untersuchen.

Steck behauptete in seiner Erklärung, dass drei «Rädelsführer» der Sherpas «vom Berg genommen» worden seien.

Was ist passiert?

Unklar ist, wie es überhaupt zu einer solchen blutigen Auseinandersetzung kommen konnte. Steck erklärte, dass er und seine Begleiter am Samstag von Lager 2 zu Lager 3 auf 7470 Meter Höhe aufgestiegen seien. Zur selben Zeit hätten Sherpas dort die Fixseile installiert, die für kommerzielle Expeditionen am höchsten Berg der Welt notwendig seien, um einen Aufstieg überhaupt zu ermöglichen. Sie hätten alles getan, um die Sherpas bei dieser Arbeit nicht zu stören, schrieb er.

Aber als sie zum Schluss ihres Aufstiegs auf dem Weg zu ihrem Zelt die Seile der Sherpas queren mussten, habe der Anführer der Nepalesen sie voller Wut beschimpft. Nach einer heftigen Auseinandersetzung am Berg hätten alle beschlossen, ins Lager 2 zurückzukehren. Dort kam es dann zur Schlägerei.

«Hinweise missachtet»

Der amerikanische Zeuge widersprach gegenüber AFP dieser Darstellung. Einige Sherpas, die von Steck angeheuert worden seien, hätten den Schweizer aufgefordert, mit dem Aufstieg zu warten, bis die Seile installiert seien. Das hätten Steck, Moro und Griffith ignoriert. Ein Stück Eis habe sich gelöst und sei auf die arbeitenden Sherpas gefallen, als Steck und Kollegen die Seile überquert hätten.

«Es scheint, dass unsere Kunden Hinweise von Sherpas missachtet haben, als sie auf einer vereisten Strecke unterwegs waren», sagte Anish Gupta von Cho-Oyu Trekking, der für Steck tätig ist, der Zeitung «Himalaya Times».Steck meinte in seiner Erklärung, dass der Streit «das Resultat eines lang anhaltenden Problems zwischen Westlern und Nepalesen auf dem Berg» sei. Auch die Zeitung «Nepali Times» schrieb gestern in einem Kommentar von einem «Zusammenprall der Zivilisationen»: auf der einen Seite die unabhängigen Kletterer wie Steck – die «Puristen» –, auf der anderen Seite die kommerziellen Expeditionen.

Tatsächlich ist der Tourismus auf den höchsten Bergen der Welt zu einem wichtigen «Industriezweig» für Nepal geworden. Möglicherweise sehen die Sherpas ihre Einkünfte gefährdet durch Individualisten wie Steck.

Die Migros als Sponsorin

Andererseits hatte Steck, der vor einem Jahr ohne Sauerstoff den Everest bestiegen hatte, damals selbst gesagt, dass die Sherpas bei ihrer Arbeit nicht gestört werden sollten. «Die Sherpas, die die Seile verlegt haben, haben wir nicht überholt», sagte er im Interview mit dem TA. «Das wäre respektlos gewesen.»

Die heftigen Diskussionen um Stecks Everest-Besteigung stören eine gross angelegte Kampagne der Migros, die als Hautsponsorin auftritt. Gestern erschien im «Migros-Magazin» unter dem Titel «Der Countdown läuft» eine weitere der Reportagen, mit denen die Zeitschrift Stecks Expedition seit Wochen begleitet.Steck sei eine «bescheidene, bodenständige, vernünftige, ehrliche, naturverbundene» Persönlichkeit, die sehr gut zur Migros passe, sagte Kommunikationschefin Monica Gisenti Anfang April der «Berner Zeitung». Gestern waren Migros-Vertreter für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2013, 11:22 Uhr

Missglückte Himalaja-Expedition: Ueli Steck (rechts) und sein Bergsteigerkollege Simone Moro am Mount Everest. (April 2013) (Bild: Epic TV)

Video


«Alle fühlen sich gut»: Auf EpicTV veröffentlichten die Bergsteiger zu Beginn ihrer Expedition ein Video.

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