Täter von Würenlingen war polizeibekannt

In der Nacht auf Sonntag tötete ein 36-jähriger Mann in Würenlingen AG seine Schwiegereltern, seinen Schwager und einen Nachbarn. Der Täter war vorsorglich von seiner Ehefrau und Kindern getrennt worden.

Bluttat von Würenlingen: Markus Gisin, Chef der Aargauer Kriminalpolizei, beschreibt an der Medienkonferenz den Tathergang. Video: TA

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Ein 36-jähriger Mann hat seine Schwiegereltern, seinen Schwager und einen Nachbarn getötet. Nachdem er seine vier Opfer erschossen hatte, richtete sich der 36-Jährige Familienvater selber. Dies bestätigte die Polizei an einer Medienkonferenz.

Nach dem Ermittlungsstand vom Sonntag erschoss der mutmassliche Täter zunächst in einem Haus seinen 57 Jahre alten Schwiegervater und seine 59 Jahre alte Schwiegermutter sowie seinen 31-jährigen Schwager. Auf dem Weg zu seinem Auto tötete er laut Polizei dann den 45-jährigen Nachbarn und anschliessend sich selbst. Es blieb offen, ob der Schütze den Nachbarn kannte. Alle Beteiligten waren Schweizer.

Die Tat wurde in einem mittelständischen und gepflegten Wohnquartier in Würenlingen AG begangen – die Polizei spricht dabei von einem Beziehungsdelikt. Würenlingen hat rund 4500 Einwohner und liegt nahe der Grenze zu Deutschland.

Keine Armeewaffe

Der Mann war der Polizei bereits bekannt und fiel erstmals 2007 durch Körperverletzung auf. Die Ehefrau und Kinder lebten vom Täter getrennt. Familie und Täter wurden beide fürsorgerisch untergebracht. Die Hintergründe dieser Unterbringung hat die Polizei noch nicht erläutert.

In welcher Verbindung der erschossene Nachbar zum Täter steht, ist der Polizei bisher nicht klar, Anwohner vermuten aber, er habe der Familie zu Hilfe kommen wollen. Andere Täter gab es keine. Das Motiv ist laut Polizei noch unklar. Alle Beteiligten sind Schweizer.

Bei der Tatwaffe handelte es sich nicht um eine Waffe aus Armeebeständen, bestätigte die Polizei. Erst noch kürzlich durchsuchte die Polizei seinen Wohnsitz im Kanton Schwyz nach Waffen, wurde jedoch nicht fündig. Er besass keine Waffenerlaubnis. Gegenüber «20 Minuten» und «Blick» sagen Anwohner, die in der Umgebung des Täters wohnen, dieser sei durch Drohungen gegen seine Nachbarn aufgefallen.

Zunächst sagte Polizeisprecher Graser, es handle sich nicht um ein Familiendrama und es gäbe noch andere Verbindungen als verwandtschaftliche. Generell seien Verbrechen nicht «nach einem Schema F» kategorisierbar, dieses Verbrechen sei dennoch aussergewöhnlich, unter anderem wegen der Opferzahl. «Die Tat passt beim ersten Blick gar nicht zu diesem Quartier», sagte Graser weiter.

Polizei wurde durch Nachbarn alarmiert

Als Anwohner die Schüsse hörten, glaubten sie zuerst an Feuerwerksböller, meldeten sie dann aber um rund 23.00 Uhr der Polizei.

Schliesslich sei die Polizei dann angerückt und habe im Freien sowie in einem Wohnhaus mehrere leblose Personen gefunden. Der eingetroffene Rettungsdienst konnte bei allen Personen nur noch den Tod feststellen.

Schon einmal Mehrfachmord in Würenlingen

Die Gemeinde Würenlingen war schon einmal Schauplatz eines Mehrfachmordes. Am 13. Dezember 1985 erschoss der damals 33-jährige Immobilienhändler Alfredo Lardelli im Würenlinger Ortsteil Siggenthal-Station, nur wenige 100 Meter vom jetzigen Tatort entfernt, den Ehemann seiner damaligen Geliebten und zwei Prostituierte. Für den Dreifachmord wurde Lardelli mit 20 Jahren Gefängnis bestraft. (sda) (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.05.2015, 15:41 Uhr

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