Warum es in Neuseeland nicht 250'000 Tote gab

Bei dem starken Erdbeben in Neuseeland sind zwei Menschen schwer verletzt worden. Tote gab es keine. Dabei war das Beben demjenigen in Haiti verblüffend ähnlich. Warum blieb die ganz grosse Katastrophe aus?

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Es hatte mit 7,1 die gleiche Stärke wie das verheerende Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010. Und wie in der Karibik ereignete sich das Beben flach unter der Erde nahe einer Grosstadt, die Erschütterungen konnten also kaum gedämpft werden. Wie «Spiegel online» analysiert, wurden auch beide Beben von einer ähnlichen Bewegung der Erdkruste ausgelöst, einer Seitenverschiebung. Die Erschütterungswellen solcher Beben sind besonders zerstörerisch, weil sie den Boden S-förmig verformen.

In Christchurch liegt der Schaden ersten Schätzungen zufolge in Milliardenhöhe. In der mit 400’000 Einwohnern grössten Stadt der Südinsel wurde der Notstand ausgerufen. Unter den Menschen iat nach dem Beben am Samstagmorgen um 04.35 Uhr (Ortszeit) Panik ausgebrochen. Viele liefen in Schlafanzügen auf die Strasse. Das Strom- und Mobilfunknetz brach zusammen, Autos wurden demoliert und ganze Strassenzüge blockiert. Auch die Gas- und Wasserversorgung wurde unterbrochen. Die Polizei berichtet von Plünderungen.

Doch diesmal starben nicht 250'000 Menschen wie in Haiti. Ministerpräsident John Key Carter spricht von einem «absoluten Wunder», dass niemand umgekommen sei. Doch ist es das wirklich?

Bittere Erkenntnis

Denn dass es keine Todesopfer gibt, ist laut Experten vor allem den strengen Bauvorschriften zu verdanken. Die Architektur der Häuser ist äusserst stabil. Die meisten Bauten blieben stehen – auch wenn stark beschädigt.

Wie «Spiegel online» schreibt gelten seit 1855 – als ein Erdbeben die Hauptstadt Wellington verwüstete – in Neuseeland Vorschriften für erdbebensicheres Bauen. Diese Bestimmungen wurden kontinuierlich verschärft. Die technischen Möglichkeiten verbesserten sich Mitte des letzten Jahrhunderts, Betongebäude konnten fortan mit Stahlstreben stabilisiert werden. In Haiti jedoch wurden die meisten Bauten ohne Vorsichtsmassnahmen errichtet.

Auch bebte die Erde glücklicherweise in der Nacht, wo sich die meisten Menschen in den robusten Häusern befanden. So konnte auf der Strasse niemand von herunterfallenden Trümmern erschlagen werden.

Es bleibt die bittere Erkenntnis: Naturkatastrophen suchen zumeist arme Länder heim. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Entwicklungsland durch ein Naturereignis zu sterben, sei etwa hundertmal grösser als in reichen Staaten, hat der Geologe John Mutter von der Columbia Universität in New York berechnet.

Starke Nachbeben

In Christchurch ist man dennoch verängstigt, wie Bürgermeister Bob Parker dem Fernsehsender TV One News sagte. Die Nachbeben seien immer noch sehr stark. Nach dem Hauptbeben kam es innerhalb von 14 Stunden noch zu 29 Nachbeben mit Stärken zwischen 3,7 und 5,4.

Etliche Gebäude wurden wegen Einsturzgefahr gesperrt. Behördenangaben zufolge wurden für Hunderte von obdachlos gewordenen Menschen bereits Übernachtungsmöglichkeiten in Schulen der Umgebung eingerichtet. Die Schäden in der Innenstadt sind beträchtlich.

Gebäude der Innenstadt einsturzgefährdet

Die Menschen wurden von den Behörden angewiesen, bis Sonntagmorgen in ihren Häusern zu bleiben. Der Ausnahmezustand sei auch zum Schutz der Einwohner von Christchurch verhängt worden, da besonders die Gebäude der Innenstadt einsturzgefährdet seien, sagte Ministerpräsident John Key Carter. «Ich denke, wir als Nation können uns glücklich schätzen, dass es keine Todesopfer gab,» sagte er. Die Schäden seien allerdings erheblich.

Ersten Schätzungen zufolge liegen die Kosten bei rund 1,1 Milliarden Euro. Es könne allerdings noch Monate dauern, bis das volle Ausmass der Schäden bekannt sei. (bru)

Erstellt: 04.09.2010, 20:19 Uhr

14'000 Beben pro Jahr

Neuseeland liegt in einem Gebiet, in dem zwei Erdplatten zusammenstossen. Deshalb kommt es hier zu mehr als 14'000 Beben pro Jahr, von denen rund 150 zu spüren sind. Bei weniger als zehn im Jahr kommt es zu Schäden. Das letzte grosse Beben erreichte sogar eine Stärke von 7,8. Es ereignete sich am 16. Juli 2009 in der Region Fiordland auf der Südinsel. Das Beben führte dazu, dass die Südspitze Neuseelands 30 Zentimeter näher an Australien herangeschoben wurde, wie der Seismologe Ken Gledhill damals berichtete.

Ein starkes Erdbeben hat die Südinsel Neuseelands erschüttert.(Quelle: Reuters)

Christchurch

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