Zehntausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

Japans Regierung will zwei Reaktoren des AKW Oi wieder hochfahren. In der Bevölkerung stösst der Entscheid auf Ablehnung. In Tokio kam es deshalb zur bisher grössten Kundgebung gegen Atomstrom.

Blockierten Tokios Strassenverkehr: Demonstrantin hält ein Banner hoch. (29. Juni 2012)

Blockierten Tokios Strassenverkehr: Demonstrantin hält ein Banner hoch. (29. Juni 2012) Bild: AFP

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Aus Unmut über den geplanten Neustart von zwei Atomreaktoren sind Zehntausende Demonstranten in Tokio auf die Strasse gegangen. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich sogar rund 150'000 Menschen. Es war eine der bisher grössten Manifestationen gegen Atomkraft in Japan. Begleitet von einem Grossaufgebot der Polizei forderten die Demonstranten einen endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft. Sie hielten dabei Plakate mit Aufschriften wie «Das Nuklearzeitalter ist vorbei» oder «Nein zum Neustart» in die Höhe. «Ein weiterer Atomunfall wird das Ende von Japan sein», sagte ein 62 Jahre alter Japaner.

Die Demonstranten hatten sich auf einer Strasse nahe des Amtssitzes von Regierungschef Yoshihiko Noda versammelt und blockierten den Strassenverkehr. Noda hatte vor kurzem entschieden, die Reaktoren 3 und 4 im AKW Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder hochzufahren.

Es ist das erste Mal seit der Atomkatastrophe in Fukushima in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011, dass in Japan wieder AKWs ans Netz gehen. Am Sonntagabend will der Atombetreiber Kansai Electric mit dem Anfahren des Reaktors 3 beginnen. Dieser versorgt die westjapanische Industrieregion um die Grossstadt Osaka mit Strom.

Kein Atomstrom seit Mai

Seit März rufen Bürgerorganisationen jede Woche meist Freitags zu Demonstrationen gegen die Atomkraft auf. Hatten sich anfangs lediglich mehrere Hundert Demonstrationen eingefunden, schwoll die Zahl auf Zehntausende an und wuchs weiter.

Seit Anfang Mai dieses Jahres sind sämtliche 50 einsatzfähigen Reaktoren in Japan abgeschaltet. Stattdessen erzeugt die fernöstliche Wirtschaftsmacht ihren Strom derzeit mit Thermalkraftwerken.

Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren wochenlang ab. Doch angesichts der Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen im Sommer mit Folgen für die Wirtschaft gaben sie ihren Widerstand auf. Bis zum GAU in Fukushima deckten die AKW 30 Prozent des Strombedarfs ab. (kpn/sda)

Erstellt: 29.06.2012, 18:17 Uhr

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