Auf Kreuzzug

Max Mosley, der frühere Chef des Automobilsport-Verbands FIA, ist seit Jahren in eine Fehde mit der britischen Presse verstrickt. Nun ist diese auf ein rassistisches Flugblatt gestossen, für das er verantwortlich sein soll.

In Sippenhaft? Max Mosley sieht sich als Opfer von Presse und Establishment.

In Sippenhaft? Max Mosley sieht sich als Opfer von Presse und Establishment. Bild: Keystone

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Fast zehn Jahre ist es her, da wartete das Revolverblatt News of the World mit einer Geschichte auf, von der jeder Boulevardjournalist träumen dürfte. Max Mosley, der damalige Chef des Welt-Automobilsport-Verbands FIA, habe eine Orgie mit fünf Prostituierten gefeiert, die bei der Verrichtung ihrer Dienste «Nazikostüme» getragen hätten. Max Mosley ist der Sohn von Oswald Mosley, einem 1980 verstorbenen britischen Faschistenführer der Dreissigerjahre, Hitler-Freund und Mussolini-Bewunderer. Auf eine explosivere Mixtur wären die Reporter wohl nicht einmal gekommen, wenn sie die Story erfunden hätten.

Max Mosley wollte das so nicht stehen lassen: Zwar gab es Videoaufnahmen von der Orgie, doch den Nazibezug bestritt er. Auch ein Gericht war der Ansicht, die quer gestreiften Pyjamas, die auf den Bildern zu sehen waren, müssten nicht unbedingt KZ-Sträflingskleidung darstellen, und sprach Mosley 60.000 Pfund Schadensersatz zu.

Ein Problem mit der Pressefreiheit?

Seither führt Mosley, 77, einen regelrechten Kreuzzug gegen die Presse. Er verklagt die Verleger. Er gibt denen Geld, die gegen sie klagen. Und er finanziert Impress, eine Kontrollinstanz, die den Presserat Ipso, der von den Verlegern finanziert wird, konkurrenzieren soll. Mosley, so meinen die Zeitungen, habe ein Problem mit der Pressefreiheit. Er selbst sieht sich als Opfer.

Letzte Woche wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Dauerfehde aufgeschlagen: Nachdem Mosley gefordert hatte, sämtliche Berichte über die Affäre von 2008 hätten aus den Datenbanken der Zeitungen zu verschwinden, wartete die Daily Mail mit Enthüllungen auf, deren Kadenz für eine Kampagne spricht. 1961, so das Blatt, unterstützte Mosley seinen Vater bei dessen letztem Versuch, den Briten den Faschismus zu bringen. Ein Parteikollege Oswald Mosleys trat damals bei einer Nachwahl ins Parlament an. Auf einem Flugblatt, das er dabei verteilte, wurde vor «farbigen» Einwanderern gewarnt. Diese verbreiteten «Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und Lepra». 2008 bestritt Max Mosley, etwas mit dem rassistischen Pamphlet zu tun zu haben. Nun fanden Reporter der Mail das Schriftstück in einem Archiv. «Veröffentlicht von Max Mosley», steht darauf geschrieben. Der sagt, er könne sich an nichts erinnern.

Mosley dürfte die jüngsten Enthüllungen als weiteren Beweis für die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der Presse im Besonderen sehen. Tom Bower, der Biograf seines Geschäftspartners Bernie Ecclestone, stellt Mosley als einsamen Wolf dar, der sich verfolgt fühle. «Meine Familie wurde vom britischen Establishment ausgeschlossen», klagt Mosley. Immer wieder fühlte er sich für die Gesinnung seines Vaters in Sippenhaft genommen – doch auf den Gedanken, sich von diesem und seinen Ideen zu distanzieren, kam er nie.

Ein Sitz im Parlament blieb ihm verwehrt

Versuche, in der Politik Fuss zu fassen, schlugen fehl. Ecclestone empfahl Mosley Margaret Thatcher als Berater, doch diese lehnte ab. 1997 traf Mosley Tony Blair. Eine Spende an die Labour-Partei sollte ein geplantes Tabak-Werbeverbot in der Formel 1 hinauszögern – und, so behauptet Ecclestone, Mosley den Weg auf Labours Kandidatenliste für die nächsten Unterhauswahlen ebnen. Die Presse erfuhr von dem Treffen, der Deal platzte. Eine weitere Hoffnung Mosleys, die Reputation seines Namens wiederherzustellen, hatte sich zerschlagen.

News of the World, das Blatt, das er 2008 verklagt hatte, musste 2011 nach einem Abhörskandal schliessen. Frieden mit der Presse hat Max Mosley dennoch nicht geschlossen. Dabei warnte ihn Bernie Ecclestone schon vor Jahren: «Die Medien haben immer das letzte Wort.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2018, 11:47 Uhr

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