Jihadistinnen: «Ewig schön»

Immer mehr Frauen verüben Selbstmordanschläge. Terror ist nämlich nicht reine Männersäche.

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In der vergangenen Woche hat sich in Kamerun eine Jihadistin in die Luft gesprengt. Eine Mit-Terroristin konnte im letzten Moment von den Sicherheitskräften überwältigt werden.

Dass der Anschlag von Frauen ausgeführt wurde, mag diejenigen überraschen, die glauben, Terror sei Männersache. Doch auch das «schwache» Geschlecht profiliert sich mit brutalem Terror.

Ende Oktober sprengte sich in Tunis eine 30-jährige Selbstmordattentäterin in die Luft, im September wurde in Düsseldorf eine junge Deutsche verhaftet, die sich Ende 2013 in Syrien dem Islamischen Staat angeschlossen hatte. Allein in Tunesien wurden mehr als 100 Jihadistinnen wegen Terrorgefahr verhaftet. Im Westen seien vor allem Konvertitinnen anfällig, die sich von der Gewalt faszinieren liessen, sagen Terrorexperten.

Neue potenzielle Gefährdung

Der hessische CDU-Abgeordnete Ismail Tipi warnt in einem Beitrag für Tichys Einblick vor einer «neuen Lawine der Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft». Frauen, die aus Syrien zurückkommen, weil ihre Männer als Gotteskrieger in Kämpfen gestorben sind oder sich und andere als Selbstmordattentäter ermordet haben, «stellen eine neue potenzielle Gefährdung für unsere innere Sicherheit dar».

Weil es für männliche Jihadisten oft schwieriger ist, durch die engen Maschen der Sicherheitskontrollen zu schlüpfen, bieten sich für Anschläge Terroristinnen an. Terrornetzwerke nutzen dabei den Respekt vor der Privatsphäre aus, den man Frauen eher entgegenbringt als Männern.

Konkrete Terrorpläne

Gezielt werden Frauen von den Palästinensern als Jihadistinnen rekrutiert. Ende Oktober setzten sie zum Beispiel zwei Frauen aus Gaza als Botinnen ein, die Aktivisten in Westjordanland eine geheime Nachricht mit konkreten Terrorplänen überbringen sollten. Weil sie sich aber auffällig verhielten, gingen sie den israelischen Sicherheitskräften ins Netz.

Eine der ersten Terroristinnen im Dienst einer säkularen Terrororganisation war die Palästinenserin Leila Khaled. Seit sie im Jahre 1969 ein Flugzeug der amerikanischen Airline TWA entführt hatte, ist sie Ikone des palästinensischen Widerstands. Mit ihrer Tat habe sie bewiesen, dass auch in der arabischen Welt Frauen ihren Mann stellen können, sagt Eileen MacDonald, die ein Buch über weibliche Attentäter geschrieben hat.

Während der Intifada griffen die Terrorstrategen wiederholt auf Frauen zurück. So zündete im Herbst 2003 die 28-jährige Hanadi Jaradat in einem Restaurant in Haifa einen Bombengürtel. 21 Israeli bezahlten dafür mit ihrem Leben, 51 wurden verletzt. Im Gazastreifen rühmte sich eine Terroristin damit, dass sie 400 Frauen zur Hand habe, die nur darauf warten würden, Israelis zu töten und sich dabei selber zu opfern.

Vom Schlachtfeld in die Küche zu den Kindern und zum Mann ins Bett – so schilderte sie ihren Tagesablauf. Für Aufsehen sorgte im Januar 2004 auch Reem Riyashi aus Gaza-City. Sie war die erste Frau, die sich der radikal-islamischen Hamas als Selbstmordattentäterin zur Verfügung stellte. Bei ihrem Attentat verloren vier Israeli ihr Leben.

«Eine neue glorreiche Geschichte»

Anfänglich hatten religiöse Jihadisten zwar nichts davon wissen wollen, Frauen als Selbstmordattentäterinnen einzusetzen. Doch mit dem Ausbruch der Zweiten Intifada änderte sich das. «Märtyrerinnen», meinte damals ein angesehener Scheich, «schreiben eine neue und glorreiche Geschichte.»

Um Frauen zu Selbstmordattentaten anzuspornen, liess sich Yousef Karadawi, der einflussreiche Ideologe der Muslimbrüderschaft, etwas einfallen. Die Benachteiligung der Frau im Jenseits würde kompensiert, predigte er. Während im Paradies auf männliche Selbstmordattentäter laut islamischer Tradition 72 Jungfrauen warten würden, erhielten auch Jihadistinnen einen Lohn. Er stellte Märtyrerinnen zwar keine jungen Männer in Aussicht. Aber Jihadistinnen würden im Paradies ewig schön und glücklich sowie frei von Neid sein. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.12.2018, 11:12 Uhr

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