Kölner Attacken – was bisher bekannt ist

Krasse Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln: Was ist über die Täter bekannt? Was wird jetzt unternommen? 6 Fragen und 5 offene Punkte.

Hier nahm der Schrecken seinen Anfang: Bahnhofplatz des Kölner Hauptbahnhofs.

Hier nahm der Schrecken seinen Anfang: Bahnhofplatz des Kölner Hauptbahnhofs. Bild: Screenshot «Die Welt»

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Die Ausgangslage:
In der Silvesternacht wurden auf dem Bahnhofsvorplatz vom Kölner Hauptbahnhof mehrere Frauen von Männer-Gruppen bestohlen und sexuell belästigt. Dies bleibt zunächst von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt. Die Polizei ist zwar vor Ort und sperrt den Platz, aber nur, weil sie eine Massenpanik befürchtet. Von den Attacken bekam sie zunächst nichts mit.

Welche Straftaten wurden begangen?
Bei der Polizei meldeten sich bisher 80 Menschen, die angaben, Opfer von Straftaten geworden zu sein. Stand Montagabend lagen 60 Anzeigen wegen Sexualdelikten und Diebstählen vor, auch eine Vergewaltigung soll es gegeben haben. Die Sexualdelikte sollen laut Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers in «sehr massiver Form» passiert sein. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher nicht gemeldet haben.

Hat die Übergriffe am Hauptbahnhof miterlebt: Passantin in Köln.

Wie sind die Täter vorgegangen?
Augenzeugenberichten zufolge bildeten sich Gruppen von mehreren Männern, die Frauen umzingelten, bedrängten und ausraubten. Auch eine Zivilpolizistin soll bedrängt worden sein. «Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst», berichtete Arnold Plickert, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (NRW).

Was ist über die Täter bekannt?
Laut Angaben der Polizei gehörten der Gruppe der Männer, von denen die Attacken ausgingen, bis zu tausend Menschen an. Diese sollen laut Aussage der Polizei stark alkoholisiert und unbeeindruckt von der Anwesenheit der Polizisten gewesen sein. Nach Zeugenaussagen soll der Grossteil der Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen. Die Männer sollen zwischen 15 und 35 Jahre alt sein. Konkreteres wusste die Polizei am Montag nach eigenen Angaben nicht. GdP-Landeschef Plickert warnte davor, wegen der Taten alle Flüchtlinge als potenzielle Straftäter zu diffamieren. «Wenn es Flüchtlinge gibt, die ein Problem damit haben, die Freiheitsrechte anderer Menschen zu respektieren, müssen wir mit aller Härte des Gesetzes gegen sie vorgehen.» Es dürfe aber nicht übersehen werden, «dass der Grossteil der Menschen zu uns gekommen ist, weil sie in ihren Herkunftsländern ihres Lebens nicht mehr sicher sind».

Was wird jetzt unternommen?
Die Kölner Polizei hat nach den Vorfällen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die Gruppe «Neujahr» wertet unter anderem Handyvideos und Material von Überwachungskameras aus. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat für Dienstag ein Krisentreffen anberaumt. Dabei soll es auch darum gehen, ob die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausgeweitet werden soll. An dem Treffen nehmen der Polizeipräsident Albers, der leitende Polizeidirektor, ein Vertreter der Bundespolizei, der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen und der Leiter des städtischen Ordnungsamts teil.

Wie werden die Attacken bewertet?
Polizeipräsident Albers bezeichnete die Übergriffe als «Straftaten einer völlig neuen Dimension». Es sei ein «unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden». Auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte scharf: «Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen», zitierte ihn der Kölner «Express». Oberbürgermeisterin Reker bezeichnete die Vorfälle als «ungeheuerlich». Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kommen, Angst haben müssten, überfallen zu werden, sagte sie dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Warum wurde erst so spät über die Attacken berichtet?
Die Polizei hatte nichts von den Attacken auf die Frauen mitbekommen, und dementsprechend gab es auch keine Informationen für die Medien. Einzelnen Berichten in den sozialen Medien zum Trotz wurde erst durch die vielen Anzeigen das Ausmass deutlich. «Wir haben erst durch die Anzeigen davon erfahren», gab Wolfgang Wurm, Präsident der zuständigen Bundespolizeistation Sankt Augustin, zu.

Diese Fragen sind noch offen:
- Wer sind die Täter, und wie viele sind es? - Wie viele der 1000 Menschen haben wirklich mit den Straftaten zu tun? Wurde die Ansammlung nur als Tarnung verwendet? - Waren die Sexualdelikte Teil einer Masche von Trickbetrügern? - Warum sind der Polizei die laut eigener Aussage «massiven Sexualdelikte» nicht in der Silvesternacht aufgefallen, sondern erst Tage später - gerade wenn sich auch eine Polizistin unter den Opfern befindet? - Haben die am Sonntag in der Nähe des Hauptbahnhofs festgenommenen fünf Männer, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen, etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun?

* Dieser Artikel wurde im Rahmen des Verbundes europäischer Qualitätszeitungen, Lena, von der «Welt» übernommen. (tba/dpa/AFP)

Erstellt: 05.01.2016, 09:35 Uhr

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