Mit «Ode an die Freude» in den Freitod

Ein Engländer wollte in seinem Land die Suizidhilfedebatte anfeuern. Dafür ist er unter britischem Mediengetöse nach Pfäffikon ZH gereist, um sich das Leben zu nehmen.

Briefkasten ohne Namen: Dignitashaus im Industriegebiet Pfäffikons.

Briefkasten ohne Namen: Dignitashaus im Industriegebiet Pfäffikons. Bild: Stefan Hohler

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Ein einfaches, blaues Haus im Industriequartier Pfäffikons im Zürcher Oberland. Umgeben ist es von einer dicken Hecke, der Briefkasten ist nicht angeschrieben. Aus dem Innern ertönt klassische Musik: Beethovens berühmte «Ode an die Freude». Hier befindet sich das Haus der Sterbehilfeorganisation Dignitas. Und hier hat sich heute Freitagnachmittag ein Brite das Leben genommen.

Der 68-jährige Schreiner Bob Cole aus Chester litt an einer aggressiven Form von Lungenkrebs. Weil Sterbehilfe in Grossbritannien illegal ist, liess sich Cole von Dignitas in der Schweiz in den Tod begleiten, wie die britische Tageszeitung «The Sun» auf ihrer Frontseite gross angekündigt hat.

Schon seine Frau war bei Dignitas

Cole will mit der Presseoffensive auf eine Liberalisierung der Sterbehilfe in Grossbritannien hinwirken. «Ich sollte mit Würde in meinem eigenen Land, in meinem eigenen Bett sterben können», sagte er dem Boulevardblatt. Bereits seine Frau hatte laut «The Sun» im letzten Jahr mithilfe von Dignitas Suizid verübt; sie litt an einer tödlichen Gehirnkrankheit.

Der Brite war wie angekündigt kurz von 14 Uhr in Begleitung von drei weiteren Personen mit einem Taxi beim Dignitashaus in Pfäffikon vorgefahren, wie eine Passantin sagte. Sie hatte den Mann aus den in den Medien veröffentlichten Bildern erkannt. Die vier Personen verschwanden im Haus, dessen Fensterläden alle heruntergelassen sind. Zwei britische Kameraleute waren eine Stunde zuvor vor Ort gewesen und hatten das Haus von aussen gefilmt.

Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli wollte sich auf Anfrage von baz.ch/Newsnet zum konkreten Fall nicht äussern. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.08.2015, 16:27 Uhr

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