Muslime beten mitten in der Flughafenhalle

Statt den Gebetsraum zu nutzen, beten muslimische Passagiere in Genf fast täglich lautstark im öffentlichen Raum.

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Die Szene letzte Woche blieb nicht unbemerkt. In der Lobby des Flughafens Genf reihten sich Dutzende traditionell gekleidete muslimische Passagiere ein, um auf dem Boden in Richtung Mekka zu beten. «Ich war überrascht, diese improvisierten religiösen Handlungen zwischen der Sicherheitskontrolle und einem Restaurant zu sehen», sagt der Mann, der das Foto geschossen hat, der Genfer Zeitung «Le Matin». «Dreissig Männer und Frauen beteten lautstark mit Lautsprechern, während dafür am Flughafen eigentlich ein Raum zur Verfügung stehen würde.»

Laut Sicherheitsbeamten vor Ort handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Dieselbe Szene würde sich jede Woche am gleichen Ort abspielen, einige Stunden vor dem Abflug einiger Flüge in vorwiegend arabische Städte.

Angst, als islamophob zu gelten

Sébastien Leprat, Mediensprecher des Genfer Flughafens, bestätigt dies. «In Absprache mit der Polizei bitten wir diese Passagiere regelmässig, dies nicht im öffentlichen Raum zu tun. Alle, die beten möchten, laden wir ein, dafür den für alle Religionen offenen Andachtsraum zu nutzen», sagt er gegenüber der Zeitung. Leprat betont allerdings, dass es keine Pläne für die Schaffung eines zweiten Raums gibt.

Gemäss Leprat stellt der Flughafen auch sicher, «dass solche Vorfälle nicht zu häufig auftreten und die anderen Passagieren nicht übermässig behindert werden». Ein Sicherheitsbeamter, der anonym bleiben möchte, sieht dies jedoch anders: «Aus Angst, Vorfälle mit diesen Passagieren zu provozieren oder als islamophob angesehen zu werden, wagen wir es nicht, zu intervenieren.»

Dass Muslime im Check-in-Bereich oder bei den Gates beten würden, kennt man am Flughafen Zürich hingegen nicht. Solche Szenen hätten sich laut Sprecherin Rebecca Veiga am grössten Flughafen der Schweiz noch nie abgespielt. Seit zwanzig Jahren habe der Flughafen eine Seelsorge, an der alle Religionen teilnehmen könnten. (sep)

Erstellt: 09.03.2018, 10:30 Uhr

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