Frau zeigt Roman Polanski in St. Gallen an

Die deutsche Schauspielerin Renate Langer wirft dem US-Star-Regisseur Roman Polanski vor, sie 1972 in Gstaad vergewaltigt zu haben.

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Nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen Starregisseur Roman Polanski in der Schweiz soll sich der Kanton Bern um den Fall kümmern. Die Anzeige ging zwar im Kanton St. Gallen ein, die mutmassliche Tat soll sich aber 1972 in Gstaad im Berner Oberland ereignet haben. Die St. Galler Staatsanwaltschaft wollte im Verlauf des Mittwochs ein Übernahmeersuchen an die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern schicken, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Auf Berner Seite muss die Staatsanwaltschaft in einem ersten Schritt prüfen, ob sie zuständig ist. In der Folge gilt es namentlich abzuklären, ob der zur Anzeige gebrachte Vorfall verjährt ist.

Eine heute 61-jährige ehemalige Schauspielerin und Fotomodell hatte am 26. September bei der Kantonspolizei St. Gallen Anzeige erstattet gegen den 84-jährigen Starregisseur. Dieser soll die Jugendliche 1972 in einem Chalet in Gstaad vergewaltigt haben. Die gebürtige Münchnerin deponierte ihre Aussagen bei der St. Galler Kantonspolizei, obwohl sie nicht im Kanton wohnhaft ist. Ein solches Vorgehen ist nach Schweizer Recht möglich.

Seit Jahrzehnten im Visier der Justiz

Es ist nicht das erste mal, dass gegen Polanski Vergewaltigungsvorwürfe laut werden. 1977 hatte der Regisseur in den USA Sex mit einer Minderjährigen. Der Filmemacher bekannte sich schuldig und sass nach einer Vereinbarung zwischen Anklage und Verteidigung 42 Tage in Haft ab.

Als der Richter nach Angaben von Polanskis Anwalt den Deal platzen liess und stattdessen eine langjährige Haftstrafe forderte, floh Polanski nach Europa. Trotz der Bitte seines Opfers um die Einstellung des Gerichtsprozesses verfolgt die US-Justiz die Jahrzehnte zurückreichenden Vergewaltigungsvorwürfe gegen Polanski weiter.

2009 wurde Polanski in der Schweiz verhaftet. Er hätte eigentlich am Zurich Film Festival eine Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegennehmen sollen, doch stattdessen klickten die Handschellen.

Hausarrest im Nobelkurort

Polanski sass zwei Monate in der Schweiz in Haft, anschliessend stand er acht Monate lang in seinem Chalet im Berner Oberländer Nobelkurort Gstaad unter Hausarrest und musste eine elektronische Fussfessel tragen. Einem Auslieferungsgesuch an die USA entsprach die Schweizer Justiz nicht.

Das Gstaader Chalet, in dem Polanski seinen Hausarrest absass, zog immer wieder viele Medienschaffende an. Sie belagerten manchmal tagelang das Anwesen, um den Filmemacher zu Gesicht zu bekommen.

Die Fussfessel kam den Regisseur nach eigenen Angaben übrigens teuer zu stehen: «Ich erhielt eine Rechnung über 28'000 Schweizer Franken für diese dämliche Fessel», sagte Polanski einmal in einem Interview mit der «Welt am Sonntag».

Nach seiner Freilassung aus dem Hausarrest im Berner Oberland zeigte sich Polanski versöhnlich mit der Schweiz. Er werde dem Land weiterhin freundschaftlich verbunden sein, betont er. (fur/chk/sda)

Erstellt: 03.10.2017, 18:47 Uhr

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