Ärztin mit falschem Doktortitel

Das Spital Laufenburg hat eine Ärztin dazu angehalten, einen Doktortitel zu führen, obwohl sie nie einen solchen erworben hatte. Nun krebst die Klinikdirektorin zurück.

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Es gibt in der Schweiz zwei Chirurginnen namens S. H., die einen Doktortitel tragen, aber nur eine der beiden Doktorinnen hat auch eine Dissertation geschrieben. Die ordentliche Doktorin arbeitet im Kantonsspital Chur. Die falsche Doktorin arbeitet im Spital Laufenburg.

Mit den Recherchen des TA konfrontiert, verwies die Ärztin gleich an die Klinikleitung, die nach einer längeren Sitzung den Titelschwindel einräumte. Dieser ist offenbar von oben verordnet worden. «Wir haben uns entschieden, ihr Namensschild intern mit der Bezeichnung‹Dr.› zu versehen. Dies nicht im Sinne eines akademischen Titels, sondern einer Berufsbezeichnung, damit man sie vom Pflegepersonal unterscheiden kann», sagt Klinikdirektorin Anneliese Seiler. S. H. ist am 1. Januar 2008 als stellvertretende Oberärztin am Spital Laufenburg eingestellt und mittlerweile zur Oberärztin in der Abteilung Chirurgie befördert worden. Ob die Ärztin über die nötigen Qualifikationen für den Job verfügt, ist unklar. Laut dem Ärzteverzeichnis der Schweizerischen Ärzteverbindung FMH hat S. H. bereits 1997 in Zürich ihr Staatsexamen abgelegt. Doch über den Titel «Facharzt Chirurgie» verfügt sie laut FMH noch nicht. Klinikdirektorin Seiler sagt, S. H. habe die Facharzt-Prüfung bereits bestanden. Es fehle nur noch eine «Publikation» bis zur Eintragung als Facharzt ins Register der FMH. Bloss: Eine Dissertation hat sie dennoch nie publiziert, weswegen ihr das Führen des Doktortitels nicht zusteht.

Titel auch auf der Website

Anders als von Klinikleiterin Seiler dargestellt, ist S. H. nicht nur intern gegenüber bestehenden Patienten als «Doktorin» bezeichnet worden. So hat die Klinik S. H. auch auf der Website des Fachbereichs Chirurgie öffentlich als «Dr. S. H., Oberärztin» bezeichnet. Wie Seiler gegenüber dem TA einräumt, ist S. H. seitens der Klinik auch auf offiziellen Dokumenten «nicht zu jedem Zeitpunkt» mit ihrem korrekten Titel, der «pract. med.» lautete, sondern mit dem Doktortitel aufgeführt worden.

Für Hanspeter Kuhn, Chefjurist der FMH, ist das ein Fall von unlauterem Wettbewerb. «Wenn ein Spital eine Oberärztin fälschlich als‹Doktor› bezeichnet, dann macht man Werbung mit einer nicht vorhandenen Qualifikation.» Und gegen die Standesordnung der FMH «verstösst dieses Vorgehen auch».

Klinikdirektorin Seiler will diese Praxis nach eigenen Angaben «nun ganz sicher überprüfen». Was sie auch sehr schnell getan hat. Auf der Website des Spitals Laufenburg ist S. H. seit der Anfrage des TA ohne «Dr.» aufgeführt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2011, 09:10 Uhr

«Wenn ein Spital eine Oberärztin fälschlich als‹Doktor› bezeichnet, dann macht man Werbung mit einer nicht vorhandenen Qualifikation»: S. H. arbeitet im Spital laufenburg im Fricktal. (Bild: PD)

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