Single Malt und Bücher

Das Single Hotel Eden heisst nur noch Eden. Wer allein ist, ist noch immer willkommen.

Zimmer mit Aussicht: Frühstücken mit Blick auf die Bucht von Spiez. Foto: PD

Zimmer mit Aussicht: Frühstücken mit Blick auf die Bucht von Spiez. Foto: PD

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Es war das erste Hotel der Schweiz, das auf alleinreisende Gäste fokussierte. Im Single Hotel Eden in Spiez am Thunersee bleibe man nicht allein, wurde bei der Eröffnung vor über zehn Jahren ­versprochen. Aber: Keine «Eheanbahnung», sondern «schöne Stunden in ­anregender Gesellschaft» würden geboten, stellte die Besitzerin Lisbeth ­Mathys damals klar.

Die Unternehmerwitwe aus Bettlach SO wollte das gewährleisten, was sie selbst als Hotelgast oft schmerzlich vermisst hatte. Nach dem Tod des Ehemannes – Robert Mathys, Gründer eines milliardenschweren Medizintechnikunternehmens – hatte sie ohne Begleitung die Schweiz bereist. Lisbeth Mathys blickt zurück: «Im Speisesaal wurde ich ans ‹Katzentischchen› in der Ecke gesetzt, das Einzelzimmer ging auf den Hinterhof, im Doppelzimmer zur Einzelbenutzung war das Bett auf beiden Seiten für die Nacht abgedeckt, im Bad hingen Tücher für zwei.» Stets sei sie daran erinnert worden, dass eigentlich ein Paar hier logieren sollte. «Es war ein ewiger Kampf um ein schönes Zimmer», von jeder Reise kam sie frustriert nach Hause zurück.

Zigarren-Liebhaber stehen nicht in der Kälte

Lisbeth Mathys – «ich arbeitete ursprünglich als Coiffeuse» – erzählt die Entstehungsgeschichte ihres 4-Stern-Superior-Hauses oft und gern. Wie sie vom Bahnhof Spiez aus in der Bucht «ihr» Hotel entdeckte: ein Gebäude aus dem Jahr 1903, von der historischen Patina ist von aussen allerdings leider nichts mehr zu sehen, auch das Türmchen von damals fehlt. Aber das Geländer im Treppenhaus oder die Standuhr in der Bibliothek sind von anno dazumal, die Fenster hingegen wurden auf Jugendstil gemacht.

Viele Millionen hat Lisbeth Mathys investiert. Liess das Hotel mit den 44 Zimmern ganz nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gestalten und einrichten. Doch: Als Single-Hotel hatte das Eden nicht funktioniert. Deshalb wurde es 2010 um einen Trakt mit modernsten Seminarräumlichkeiten und Parkhaus erweitert. Das Single musste aus dem Namen weichen. «Die Ehefrau hätte es wohl kaum goutiert, dass sich der Mann in einem Single-Hotel weiterbildet», sagt die Eigentümerin und lächelt verschmitzt.

Der eigentliche Gastgeber, Jürgen Kögler, hat an Ostern nach fünfmonatiger Schliessung des Hotelbetriebs mit Stolz das Restaurant Park Side eröffnet und den neuen Küchenchef vorgestellt. Sowie die neue Smokers Lounge mit ­Humidorschrank: «Für den Liebhaber edler Zigarren», sagt der Deutsche, denn mit Zigarre stehe man nicht draussen in der Kälte. Sondern geniesst im schwarzen Ledersessel, Zigarre in der einen, Single Malt in der anderen Hand. Der Direktor und die Eigentümerin gehen im Speisesaal Belle Epoque, der unter den Kronleuchtern festlich erstrahlt, von Tisch zu Tisch, wechseln ein paar Worte mit jedem Gast – das wird geschätzt.

Einzelreisenden – sie machen rund zehn Prozent der Gäste aus und sind vornehmlich Frauen ab 50 – wolle man nach wie vor besondere Aufmerksamkeit schenken, betont Direktor Kögler, «sie sollen sich aufgehoben und geborgen fühlen». Gemeinsam essen, gemeinsame Ausflüge (heute gehts ins Tropenhaus in Frutigen) – wer nicht allein sein möchte, findet Gesellschaft. Heute richtet sich das Hotel Eden an Ruhe suchende Gäste, die in der Bibliothek oder im romantischen Pavillon im Garten Eden lesen und den morgendlichen Zeitungsservice – an der Zimmertür hängt der «Berner Oberländer» – zu schätzen wissen. Oder eine Partie Tennis auf dem eigenen Platz spielen möchten.

Lisbeth Mathys wird weitere Millionen ausgeben: Zurzeit wird die Wellnessanlage mit Hallenbad, Dampfbad und Saunen um eine Grotte mit Himalaja-Salzsteinen und einem Solebad ­erweitert – ab Oktober soll alles fertig sein. Nach wie vor einzigartig sind ­übrigens die Betten im Hotel Eden – auch sie ganz nach dem persönlichen Bedürfnis der Hotelière. Ein Bett mit Fernbedienung. Per Knopfdruck lassen sich Kopf- und Fussteil heben und senken. Wie im exklusiven Seniorenheim – jedoch mit seidenem Bettzeug und vielen flauschigen Kissen.


Hotel Eden, Spiez, DZ mit Frühstück ab 260 Fr., Tel 033 655 99 00, www.eden-spiez.ch (SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.05.2017, 13:53 Uhr

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