Zwölf atemberaubende Zugfahrten

Reisen mit der Bahn ist im Trend, vor allem bei Schweizern. Hier sind zwölf der attraktivsten Bahnstrecken der Welt.

Die Schweiz als Eisenbahnland lässt sich nicht lumpen: Der Glacier-Express. Foto: Keystone

Die Schweiz als Eisenbahnland lässt sich nicht lumpen: Der Glacier-Express. Foto: Keystone

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«Schweizer beziehen gern eine tolle Zugreise in ihren Urlaub mit ein», meint Claudio Cesarano: «Wir haben als typisches Bahnland halt eine besondere Beziehung zur Eisenbahn.» Bahnreisen seien zwar beratungsintensiv, sagt der Zürcher Bahnreise-Spezialist von Atlas-Reisen. Dafür seien aber die Feedbacks der Gäste hervorragend.

Bei den einen Strecken beeindrucken vor allem die Landschaften und die technischen Errungenschaften, mit denen diese überwunden wurden: Zum Beispiel, wenn man im Glacier-Express oder in der Albula- und Berninabahn quer durch die Schweizer Alpen fährt oder in der Lhasa-Bahn von Xining in China über die mehr als 5000 Meter hohe tibetische Hochebene nach Lhasa.

Andere Eisenbahnen bestechen durch das Rollmaterial: Bei Luxuszügen wie dem Eastern and Oriental Express, dem Royal Scotsman oder der Pride of Africa ist schon der nostalgische Zug selbst ein Erlebnis, und man fühlt sich direkt in die Belle Epoque vor rund hundert Jahren zurückversetzt, als Reisen noch ein Privileg der Wohlhabenden war.

Bei der dritten Kategorie schliesslich punkten in erster Linie die attraktiven Orte entlang der Bahnstrecke: Eine Fahrt von einer marokkanischen Königsstadt zur anderen ist ebenso unvergesslich wie eine Fahrt entlang der einstigen Weltstädte in Zentralasien wie Samarkand und Buchara.

12. Königlich: Von Stadt zu Stadt in Marokko

Marokkos mythische Königsstädte Rabat, Fès, Meknès und Marrakesch mit ihren Kasbahs, Moscheen und farbenfrohen Märkten können mit normalen Linienzügen ab Casablanca bereist werden. Dabei taucht man tief in den Orient ein und erlebt eine faszinierende, alte Kultur. «Bei Atlas-Reisen bieten wir eine achttägige organisierte Reise an, gerne stellen wir aber auch individuelle Bahnerlebnisreisen zusammen», sagt Claudio Cesarano von Atlas-Reisen.
www.atlas-reisen.ch

11. Luxuriös: Durch Schottland im Royal Scotsman

Eine Reise durch Schottland mit seinen Seen, Meeresarmen, mit kleinen Dörfern, grossen Schlössern und Landschaften, die von weidenden Schafen gesprenkelt sind, ist ebenso entspannend wie attraktiv, vor allem im Frühling, wenn der blühende Ginster die Hügel gelb einfärbt. Der Royal Scotsman bietet ein erstklassiges Bahnreiseerlebnis, gepaart mit Luxus, Stil und kulinarischen Erlebnissen. 18 Zweibett- und vier Einzelabteile verfügen über Dusche/WC, Kleiderschrank, Schreib- bzw. Schminktisch, Heizung und Deckenventilator. Abends hält der Zug auf einem ruhigen Seitengleis oder an einem Bahnhof, damit die Gäste ungestört schlafen können.

Kontiki-Reisen bieten fünf verschiedene Routen an. Hier ist die klassische: am ersten Tag von Edinburgh über die Firth-of-Forth-Brücke in das Marktstädtchen Keith. Am zweiten Tag von Keith nach Plockton, wo man auf einer Bootstour mit etwas Glück eine Seehundekolonie beobachten kann. Am dritten Tag Besuch des romantischen Ballindalloch Castle, Degustation in einer Whisky-Brennerei, Übernachtung im malerischen Örtchen Boat of Garten. Am vierten Tag Fahrt zum Glamis Castle, wo die Mutter von Königin Elizabeth II. aufwuchs, und nach Dundee am Meeresarm Firth of Tay. Am fünften Tag Rückfahrt nach Edinburgh.
www.kontiki.ch

10. Gebirgig: Von Zermatt nach St. Moritz

Der Glacier-Express ist der «langsamste Schnellzug der Welt». Auf dem Bahnnetz der Rhätischen Bahn und der Matterhorn-Gotthard-Bahn verbindet der rein touristische Zug St. Moritz im Engadin über Chur, Disentis, den 2033 Meter hohen Oberalppass, Andermatt in Uri, den Furkabasistunnel, mit Brig, Visp und Zermatt im Wallis. Der Zug fährt in rund acht Stunden über 291 Brücken und durch 91 Tunnel. Abenteuerlich sind die Fahrt durch die Rheinschlucht und auf der Strecke der Albulabahn. Im Winter ist die Reise durch die alpine Schneelandschaft besonders eindrücklich, vor allem in einem Panoramawagen. Wer es luxuriös mag, bucht einen Sitz in der neuen Excellence Class mit garantiertem Fensterplatz, Concierge, einem regionalen Fünfgangmenü mit Wein und mit Drinks an der Bar.
www.glacierexpress.ch

9. Seidenstrasse: Von Almaty nach Aschgabat

Von Almaty nach Aschgabat kann man normale, fahrplanmässige Züge benutzen. Aber wer einen Sonderzug bucht, bekommt die Gelegenheit, in zwei Wochen die attraktivsten Städte Zentralasiens zu geniessen: Die Reise beginnt in der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, Almaty, führt weiter über Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans, nach Samarkand. Sie war einst die schönste und bedeutendste Stadt der Welt, und ein Teil des Glanzes, zum Beispiel auf dem berühmten Registan, hat sich bis heute erhalten. Die Oase Chiwa ist für ihre mächtigen Stadtmauern, Paläste, Moscheen, Minarette, Mausoleen und Medressen bekannt. Buchara, die nächste Station, immer noch in Usbekistan, besitzt rund 1000 Baudenkmäler, die an die Glanzzeiten der Grossen Seidenstrasse erinnern. Merw in Turkmenistan ist eine eindrucksvolle Ruinenstadt in der Wüste. Die Reise endet in Aschgabat, der Hauptstadt Turkmenistans, die durch moderne Monumentalbauten des autoritär regierenden früheren Staatschefs Turkmenbaschi zeugen.
www.lernidee.de

8. Geschichtsträchtig: Andalusische Städte

Nach langen Jahren des Stillstandes rollt der restaurierte Al Andalús wieder durch Andalusien. Im Luxuszug gibt es vier Salonwagen aus den Jahren 1928–1930 und Schlafwagen mit Standard- und Superior-Suiten. In den Restaurantwagen werden spanische Spezialitäten serviert. Zusätzlich gibt es einen Salonwagen mit Panoramafenstern und einen Barwagen. Bei Railtour kann zum Beispiel eine einwöchige Rundreise ab Sevilla gebucht werden, der geschichtsträchtigen Hauptstadt Andalusiens mit ihren zahllosen Sehenswürdigkeiten. Von Sevilla geht es nach Jerez de la Frontera, Heimat des Sherrys, nach Cadíz mit seiner malerischen Altstadt, das sich als älteste Stadt Europas bezeichnet. Die nächste Stadt, Ronda, liegt auf einem rundum steil abfallenden Felsplateau. Granada ist vor allem wegen der maurischen Burganlage Alhambra weltberühmt. Am nächsten Tag werden die beiden Renaissancestädte Ubeda und Baeza, besucht, danach Weiterfahrt nach Cordoba. Am letzten Tag fährt der Zug via Medina Azahara, den Ruinen einer ehemaligen Palaststadt, zurück nach Sevilla.
www.railtour.ch

7. Orientalisch: Von Singapur nach Bangkok

Der Eastern and Oriental Express ist ein Luxuszug zwischen Singapur, Malaysia und Thailand. Er «strahlt so lebendig wie kein anderer Zug die Eleganz und Romantik der ursprünglichsten Art zu reisen aus», heisst es beim Reiseanbieter Kuoni. Die 2030 Kilometer lange Fahrt von Singapur nach Bangkok, vorbei an Reisfeldern, Wasserbüffeln, exotischen Landschaften und ländlichen Siedlungen, führt über Kuala Lumpur (Malaysia), Butterworth (Malaysia) und Kanchanaburi (Thailand) und dauert drei Tage und zwei Nächte, in der Gegenrichtung vier Tage und drei Nächte. Neben Schlafwagen mit 66 voll klimatisierten Kabinen mit Dusche/WC und Sofabetten umfasst der Zug einen Speisewagen, einen Barwagen mit Pianist, einen Salonwagen sowie einen offenen Aussichtswagen.
www.kuoni.ch

6. Weltkulturerbe : Albula- und Berninabahn

Die Albulabahn verbindet Thusis am Hinterrhein mit St. Moritz auf 1775 m ü. M. im Engadin. Die knapp 62 km lange Strecke mit 144 Brücken und 42 Tunnels und Galerien ist eine der spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt und Teil des Netzes der Rhätischen Bahn (RhB). Baubeginn war im Herbst 1898, eröffnet wurde die Bahn 1903. Die Berninabahn hat für sich den Slogan «von den Gletschern zu den Palmen» kreiert, und das zu Recht: Sie führt von St. Moritz über Pontresina zum Ospizio Bernina auf hochalpinen 2253 m ü. M. und dann durch Kehrtunnels hinunter ins Puschlav zum Hauptort Poschiavo. Dieser ist, mit einem mittelalterlichen Kern und einem Villenviertel aus der Gründerzeit, einen Aufenthalt wert. Dann geht es vorbei am Ufer des Puschlaversees und durch die Ortschaften Sant’Antonio und Le Prese, in denen die Berninalinie noch als Strassenbahn geführt ist. In Brusio verliert die Bahn vermittels eines spektakulären Kreisviadukts an Höhe. Die Landschaft ist hier bereits mediterran. Bei Kilometer 58 wird die italienische Grenze überquert, und wenig später durchfährt die Bahn die Stadt Tirano, in deren Bahnhof Endstation ist. 2008 wurden die Albula- und die Berninalinie in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.
www.rhb.ch

5. Nostalgisch: Mit Dampf über die Anden

Die 450 km lange Andenbahn (Ferrocarril Transandino) zwischen den grössten Städten Ecuadors, Guayaquil und Quito, wurde ab 1873 gebaut und 1908 eröffnet. Die technischen Herausforderungen waren immens: Die Bahn beginnt auf Meereshöhe und steigt bis auf 3609 m ü. M. Die Endstation Quito liegt auf 2850 m ü. M. Auch die Natur machte immer wieder Probleme: Steinschlag, Überschwemmungen, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Dafür brauchte die Bahn nur noch zwei Tage zur Überquerung der Anden; vorher hatten die Gütertransporte auf Maultieren, zum Beispiel Kaffee, Kakao und Bananen aus dem Hochland, drei bis vier Wochen gedauert. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts fiel die Bahn der Strassenkonkurrenz zum Opfer und zerfiel zusehends. Den Rest gab ihr der Sturm El Niño 1998. Doch ab 2011 wurde die gesamte Bahnlinie saniert und kann seit 2013 wieder befahren werden. «Touristen lieben vor allem den Tren Crucero», sagt Claudio Cesarano von Atlas-Reisen. Er verkehrt mit Dampf- und Diesellokomotiven aus dem frühen 20. Jahrhundert und neuen Waggons im Stil des spanischen Kolonialismus.
www.atlas-reisen.ch

4. Episch: Quer durch Kanada

4500 Kilometer Kanada in vier Tagen, von Toronto im Osten nach Vancouver im Westen: The Canadian fährt quer durch die Rocky Mountains, durch endlose Wälder und vorbei an Flüssen und Bergseen. Bequem und in Ruhe kann man durch die Zugfenster alles besichtigen, was das immense Land an Landschaften zu bieten hat. Es stehen drei Klassen zur Verfügung: die Economy Class mit Schlafsesseln, Schlafwagen der Sleeper Touring Class mit Betten, Toilette und Waschgelegenheit sowie die Prestige Class mit Dusche, Breitbildfernseher und Ledercouch. In jedem Zug gibt es zwei Aussichtswagen mit Glaskuppeln. Knecht Reisen bietet eine 13-tägige, geführte Bahnreise von Toronto nach Vancouver an, bei der nicht nur die Städte, sondern auch berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Niagarafälle und mehrere Nationalparks besucht werden.
www.knecht-reisen.ch

3. Die Längste: Transsibirische Eisenbahn

Die Transsibirische Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok am Japanischen Meer ist mit 9200 Kilometern die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Ursprünglich gebaut, um unter anderem die geplünderten sibirischen Reichtümer nach Moskau zu schaffen, ist die Strecke heute sowohl Touristenmagnet als auch wichtiges Verkehrsmittel für die Bewohner Sibiriens. Es gibt den Linienzug, mit dem man zum Beispiel in dreieinhalb Tagen die gut 5000 Kilometer von Moskau in die sehenswerte sibirische Stadt Irkutsk und den Baikalsee zurücklegt oder in sieben Tagen die gesamte Strecke, wobei man statt nach Wladiwostok auch nach Peking fahren kann. In der Zwei-Personen-Kabine reist es sich bequem; für Abenteuerlustige und Kontaktsuchende eignet sich der viel günstigere Grossraumwagen. Deutlich luxuriöser ist der Sonderzug Zarengold mit schicken Kabinen und Speisewagen, bei dem zur eigentlichen Bahnfahrt zahlreiche Ausflüge und Besichtigungen hinzukommen.
www.globotrain.ch

2. Afrikas Stolz: Von Dar Es Salaam nach Kapstadt

Der Kolonialist Cecil Rhodes träumte von einer Bahnlinie von Kairo bis zum Kap. Heute kann man mit dem südafrikanischen Unternehmen Rovos Rail zumindest eine sehr lange Teilstrecke abfahren, von Dar Es Salaam, der ehemaligen Hauptstadt Tansanias, bis nach Kapstadt. Pride of Africa, Afrikas berühmtester Zug und einer der weltweit luxuriösesten, lässt diesen Traum auf wahr werden. Die Wagons sind im Stil der 1920er-Jahre gehalten, ausgestattet mit luxuriösen Lounges, stilvollen Kabinen und Speisewagen. Die 18-tägige Reise über rund 5000 Kilometer wird unter anderem von Thurgau Travel angeboten.

Von Dar Es Salaam geht es durch das Selous-Wildreservat und den kaum zugänglichen Süden Tansanias über das geologisch spannende Rift Valley, den Afrikanischen Grabenbruch, bis Sambia. Die gigantischen Victoriafälle sind eines der Highlights der Reise. Durch Zimbabwe geht es weiter nach Gaborone, Hauptstadt Botswanas, und danach, schon in Südafrika, erwarten die Reisenden mehrere Safaris in Wildreservaten. Über Pretoria und Kimberley erreicht der Zug schliesslich die Endstation Kapstadt. Die Mischung aus Luxus, üppigen und epischen afrikanischen Landschaften, exotischen Tierwelten und teils historischen Städten wird so zum einmaligen Erlebnis – das allerdings seinen Preis hat: Die Reise ist bei Thurgau Travel ab 18'865 Franken zu buchen, pro Person versteht sich. Ab Kapstadt bietet Rovos Rail im Pride of Africa noch viele andere, kürzere Bahnreisen an, zum Beispiel nach Namibia.
www.thurgautravel.ch
www.rovos.com

1. Die Extremste: Von Xining nach Lhasa

Die 1956 km lange, eingleisige Eisenbahnstrecke verbindet Xining, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Qinghai, mit Lhasa, der Hauptstadt des Tibet. Die Bahn mit ihren Viadukten und Tunneln ist ein Meisterwerk der modernen Ingenieurkunst und das bisher grösste Eisenbahnprojekt des 21. Jahrhunderts. Mit einem Scheitelpunkt von 5072 Metern ist sie die höchste Bahnstrecke der Welt. Und der Bahnhof von Tanggula ist mit 5068 m ü.M. ebenfalls der höchstgelegene. Links und rechts verschwinden die 7000 Meter hohen Berggipfel im Nebel. Da können die Viertausender in den Alpen nicht mithalten. Das Erlebnis ist atemberaubend – unter Umständen im wahrsten Sinn des Wortes, denn einige Passagiere befällt die Höhenkrankheit. Kein Problem: In jedem Abteil gibt es einen Anschluss für Sauerstoff, und der Schaffner bringt auf Wunsch eine Atemmaske, die man einfach anstecken kann. Wenn man dann reinen Sauerstoff einatmet, ist der Kopfschmerz im Nu beseitigt.
www.atlas-reisen.ch (Artur K. Vogel, Travelcontent)

Erstellt: 13.02.2019, 16:42 Uhr

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