Berater wusste von Jegges Übergriffen und schwieg

Vor 28 Jahren hatte ein Missbrauchsopfer von Jürg Jegge seinen Sozialberater eingeweiht. Dieser hatte die Geschichte versanden lassen.

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Bereits 1989 hätten die Übergriffe von Jürg Jegge auf seine Schüler zur Anzeige gebracht werden können. Damals nämlich hatte Jegges ehemaliger Schüler Andreas Guggenberger einem Berater der Zürcher Fachstelle für Alkoholfragen (ZFA) von den sexuellen Missbräuchen erzählt. Nun, 28 Jahre später, spricht der Berater in der «NZZ am Sonntag» erstmals darüber.

«Ich hätte genauer hinschauen müssen und handeln», sagt der ehemalige Berater in der «NZZ am Sonntag». Er habe Guggenberger damals aufgefordert, mit Jegge zu ihm ins Büro zu kommen. Bei diesem Anlass habe Jegge offen zugegeben, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen war.

«Bist du pädophil?»

Später sei es noch zu einem Gespräch unter vier Augen gekommen. Man habe sich geduzt, obwohl man sich vorher nicht gekannt habe. «Ich fragte ihn: ‹Bist du pädophil?› Er verneinte das.» Er fühle sich zu jungen Männern hingezogen, nicht aber zu Kindern. «Er hat sich wie ein Fisch gewunden, ich konnte ihn nicht greifen», erzählt der Berater.

Nach dieser Aussprache habe er die Geschichte versanden lassen. «Ich war überfordert.» Er habe niemanden informiert – aus Respekt vor Jegge und aus Angst davor, «in ein Wespennest zu stechen». Auch habe für ihn die Therapie des Klienten im Vordergrund gestanden.

Heute klare Anzeigepflicht

Bei der ZFA löst die Geschichte heute Unverständnis aus, wie Peter Eggli, Leiter des Fachbereichs Sucht und Therapie, in der «NZZ am Sonntag» sagt. Bei der Stadt Zürich, die den Verein ZFA subventioniert, wertet man die Vorfälle als «Fehlverhalten der damals Verantwortlichen, das in dieser Form nicht hätte passieren dürfen».

In städtischen Beratungsstellen gelte heute für solche Fälle eine klare Melde- beziehungsweise Anzeigepflicht, sagt Heike Isselhorst, Sprecherin des Sozialdepartements in der «NZZ am Sonntag». (roy)

Erstellt: 23.04.2017, 05:52 Uhr

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