Linke Journalisten

Auch linke Journalisten können kritisch sein. Doch entscheidender als, wie gefragt wird, ist, wer befragt wird – und zu was. Das hängt sehr von der politischen Haltung ab.

Guten Journalismus kann nur machen, wer sich und seiner Leserschaft Rechenschaft ablegt.

Guten Journalismus kann nur machen, wer sich und seiner Leserschaft Rechenschaft ablegt. Bild: Keystone

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Na bitte, werden alle sagen, die es immer schon gewusst haben: Die Medien sind links. Laut einer Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften bezeichnen sich bei der SRG sieben von zehn Journalisten als politisch links oder eher links, bei den privaten Medien sind es sechs von zehn.

Besonders erstaunlich ist das tatsächlich nicht. Aber sind die Medien deswegen einseitig? Heikel, so viel lässt sich mit Sicherheit sagen, sind diese Mehrheitsverhältnisse allemal. Sie liegen fernab der Mehrheiten in der Bevölkerung.

Der Leiter der Studie, der Journalistik-Professor Vinzenz Wyss, erklärt sich das Phänomen mit der journalistischen Kritik- und Kontrollfunktion, die vermutlich stärker mit einem linken gesellschaftspolitischen Gedankengut korreliere, wie er der Sonntagszeitung sagte. Die Gefahr einer einseitigen Berichterstattung sieht er nicht: «Ein linker Profijournalist kann ja auch eine linke Politikerin aus Distanz und kritisch befragen.»

Als «vierte Gewalt» haben die Medien die Aufgabe, den Mächtigen auf den Füssen herumzutreten.

Wohl wahr. Doch entscheidender als, wie gefragt wird, ist, wer befragt wird – und zu was. Oder journalistisch gesagt, welche Geschichte gemacht wird, und weniger, wie sie gemacht wird. Schreiben wir über die wachsende Steuerlast für selbstständig Erwerbende und KMU oder über die Steuervermeidung von Grosskonzernen? Über Intrigen in einer Gewerkschaft oder in einem Unternehmerverband? Das hängt sehr wohl von der politischen Haltung ab.

Als «vierte Gewalt» haben die Medien die Aufgabe, den Mächtigen auf den Füssen herumzutreten und grösstmögliche Öffentlichkeit herzustellen. Dies ganz besonders dort, wo es verhindert werden soll. Aus der Optik mancher linksstehender Journalisten ist das vor allem bei der «Wirtschaft», den grossen Unternehmen und bei den «Reichen» der Fall. Dass sie dort kritisch hinschauen, ist richtig. Nur bräuchte es eine ebenso hartnäckige Kritik auch für die politische Macht. Doch die ist, gerade in den Städten, wo die meisten Medien tätig sind, rot-grün dominiert. Etwas mehr bürgerliche Journalisten wären hier heilsam. Aber eben: wären. Die Mehrheitsverhältnisse sehen anders aus.

Journalisten haben weit mehr politischen Einfluss, als sie oft selber glauben.

Was tun? Medienschaffende müssen sich vom Mythos lösen, politische Haltungen spielten keine Rolle, sowohl Linke wie Rechte könnten guten Journalismus machen. So stimmt das nicht. Guten Journalismus kann nur machen, wer sich und seiner Leserschaft Rechenschaft ablegt, aus welcher Perspektive er die Dinge beleuchtet. Wenn die Leser wissen, ob ihnen beispielsweise ein EU-Befürworter oder ein EU-Gegner die Migrationspolitik erklärt, erhöht dies den Informationswert eines Artikels für sie ungemein. Meist reicht ein kurzer Satz, um diese minimale Transparenz herzustellen. Und die SRG? Die hätte sich eigentlich längst ein paar prononciert bürgerliche Journalisten ins Programm holen können.

Das wäre wichtig. Journalisten haben nämlich weit mehr politischen Einfluss, als sie oft selber glauben. Laut einer neuen Harvard-Studie beeinflussen sie nicht nur, welche Themen öffentlich diskutiert werden, sondern auch, welche Meinung dazu die «richtige» ist. Etwas mehr Transparenz würde da der vierten Gewalt nicht schaden. Die Zürcher Studie war immerhin schon mal ein Anfang. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.11.2017, 13:35 Uhr

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