Armasuisse empfahl Ueli Maurer, den Duro aufzugeben

Die alten Duro-Fahrzeuge sollen für 558 Millionen Franken saniert werden. Ausgerechnet das Rüstungsamt riet aus Kostengründen davon ab. Die heutige Debatte im Ständerat über den Rüstungskredit erhält damit weiteren Zündstoff.

Neues im «Duro-Krimi»: Die Armasuisse hatte Ueli Maurer empfohlen, auf eine Sanierung der Flotte zu verzichten, und zwar ausgerechnet aus Kostengründen.

Neues im «Duro-Krimi»: Die Armasuisse hatte Ueli Maurer empfohlen, auf eine Sanierung der Flotte zu verzichten, und zwar ausgerechnet aus Kostengründen. Bild: Keystone

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Heute Nachmittag stimmt der Ständerat über die Zukunft des Armee-Kleinlasters «Duro» ab. Für eine halbe Milliarde Franken will Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) 2200 Truppentransporter, die seit über 20 Jahre im Einsatz stehen, von der US-Firma Mowag mit Sitz in Kreuzlingen generalüberholen lassen. Das Geschäft ist seit Wochen höchst umstritten. Politiker und Milizoffiziere kritisieren, dass die Beschaffung von Neuwagen bei Nutzfahrzeugherstellern wie Mercedes oder Iveco den Steuerzahler um hunderte Millionen Franken günstiger zu stehen käme.

Wenige Stunden vor der entscheidenden Debatte im Ständerat tauchen im «Duro-Krimi» nun neue, bisher unbekannte Aspekte auf. Es geht um ein vertrauliches Factssheet mit Datum vom 30.5.2013, welches im Auftrag des Armeestabs erstellt wurde. «Darin beantragen die Logistikbasis der Armee und die Armasuisse, auf eine Nutzungsverlängerung der Duro I-Flotte zu verzichten», erklärt Richard Fischer, Mitbegründer des Bürgerforums «Duromillionen».

Gemäss dem Papier solle aus «Kostengründen» auf eine Werterhaltung verzichtet und stattdessen «die Ablösung wie geplant mit PEB (Projektierung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung) 17/18 und RP (Rüstungsprogramm) 20 bis 22» realisiert werden.

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat die Existenz des Factsheets inzwischen bestätigt.

Viele Unklarheiten

Weshalb der frühere Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) trotz diesen bislang nicht bekannten Einschätzungen zum Entschluss kam, am Duro festzuhalten, ist nicht bekannt. Auch die Rolle von Armasuisse-Chef Martin Sonderegger erscheint in einem fragwürdigen Licht, hat er doch den Nutzen einer weiteren Duro-Verwendung immer betont.

Die BaZ hat dem VBS-Sprecher Urs Wiedmer heute Vormittag die folgenden Fragen gestellt:

  • Wie kommentiert das VBS den Umstand, dass das eigene Rüstungsamt empfohlen hat, auf die Werterhaltung des Duros zu verzichten?
  • Warum wurde trotzdem an der Werterhaltung festgehalten?
  • Wurden National- und Ständerat über die Empfehlung von Armasuisse informiert? Wenn nein, weshalb nicht?

Am frühen Nachmittag antwortete Kommunikationsmann Wiedmer der BaZ «summarisch», ohne dabei auf die konkret gestellten Fragen einzugehen. Nachfolgend die Antwort im vollen Wortlaut:

«Die VBS-interne Diskussion ‹DURO WE oder nicht› hat seit 2013 intensiv stattgefunden. Die Frage drehte sich nicht primär um den DURO, sondern um einen möglichen Flottenmix ‹kleinere Anzahl DURO oder ähnliches Fahrzeug sowie eine entsprechende Anzahl Fahrzeuge mit geänderten militärischen Anforderungen›. Für die Armee war aus militärischer und logistischer Sicht ein Flottenmix nicht opportun und an den militärischen Anforderungen an den DURO oder an ein ähnliches Fahrzeug wurde festgehalten. Aufgrund der nicht zeitgerechten verfügbaren Alternativen zum DURO, den zu erwartenden Kosten und Risiken für Neuentwicklungen und den Auflagen Projekte vorzuziehen, wurde entschieden, die Werterhaltung DURO zur Realisierung zu beantragen. In den Diskussionen in den SiK beider Räten wurde dargelegt, welche Alternativen geprüft wurden und welche Gründe für den DURO gesprochen haben.»

Die neuste Entwicklung dürfte die Ständeräte interessieren. Der Ausgang der Abstimmung in der Kleinen Kammer ist offen. Die Ständeratssitzung startet heute um 16:15 Uhr. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2016, 11:23 Uhr

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