Neue E-Mails belasten Philipp Hildebrand

Philipp Hildebrand hat noch einmal zahlreiche Dokumente veröffentlicht. Den definitiven entlastenden Beweis konnte er aber nicht erbringen – im Gegenteil. Die neuen E-Mails enthalten brisante Informationen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Tagen wurde darüber spekuliert, nun sind die E-Mails zwischen dem Ehepaar Hildebrand und ihrem Kundenberater bei der Bank Sarasin öffentlich zugänglich. Der Austausch zeigt unter anderem, dass sich Berater und Nationalbankpräsident widersprechen – oder im besseren Fall missverstanden haben.

Denn ob die heute veröffentlichten Korrespondenzen Hildebrand tatsächlich entlastet hätten, ist alles andere als klar. Besonders brisant ist eine Mail des Kundenberaters an den SNB-Präsidenten vom 16. August.

«Ich erinnere mich an unser Gespräch»

«Was die Anordnung zum Dollarkauf angeht: Ja, Kashya hat mich gestern mündlich angewiesen, gefolgt von einer E-Mail», schreibt der Kundenberater. «Ich erinnere mich auch daran, dass du mir in unserem gestrigen Gespräch gesagt hast, wenn Kashya die Dollarpositionen erhöhen wolle, sei das für dich in Ordnung.»

Aus einer Kundennotiz des Beraters geht hervor, dass er am 15. August 2011 mit Philipp Hildebrand Kontakt hatte. Unter Punkt C schreibt der Banker, Hildebrand erwäge, seinen Dollaranteil zu erhöhen. «Aber er überlässt es seiner Frau Kashya zu entscheiden.»

«Beweis nicht möglich»

Der Schweizer Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand begründet seinen Rücktritt damit, dass es ihm nicht möglich sei, einen Beweis dafür zu erbringen, dass seine Frau Kashya ohne sein Wissen die umstrittene Dollartransaktionen veranlasst habe. Bei seinem letzten Auftritt heute Nachmittag in Bern sagte Hildebrand, dass er nach der Medienkonferenz am vergangenen Donnerstag von «weiteren Elementen» Kenntnis erhalten habe.

Dabei handelt es sich um eine E-Mail, eine Notiz seines Kundenberaters und dessen heute präzisierte Darstellung über die Vorfälle. Er habe nicht gelogen, betonte Hildebrand erneut. Er könne allerdings seine Glaubwürdigkeit nicht beweisen.

Kundenberater: Kashya Hildebrand erteilte Auftrag mündlich in ihrer Galerie

Hildebrands Frau Kashya habe ihm am 15. August 2011 den Auftrag, 500'000 Dollar zu kaufen, in ihrer Galerie aus eigener Initiative mündlich erteilt, schreibt der Kundenberater des abgetretenen Notenbankchefs. «Wir haben dann vereinbart, dass ich das FX-Geschäft (Fremdwährungsgeschäft) nach meiner Rückkehr in die Bank auslösen werde, was ich gleichentags gemacht habe», schreibt der Kundenberater in einer heute veröffentlichten Klarstellung an Philipp Hildebrands Anwalt Peter Nobel.

Zudem sei vereinbart worden, dass Kashya Hildebrand ihm das Geschäft per E-Mail entsprechend bestätige. «Dieses E-Mail ist dann auch am selben Tag um 13.20 Uhr bei mir eingetroffen», schreibt der Kundenberater. In der E-Mail-Bestätigung von Kashya Hildebrand heisst es: «Lieber Felix, wie besprochen möchten wir unsere FX-Position von 31 auf 50 Prozent erhöhen.» Im Original heisst es: «we would like to». Diese Formulierung lässt offen, ob der Kauf mit Philipp Hildebrand abgesprochen war.

Hildebrand: Devisentransaktionen künftig nicht ohne Bewilligung

Um 14.50 Uhr antwortete der Kundenberater, der Auftrag sei ausgeführt worden. Der E-Mail angefügt ist ein Formular, welches das Ehepaar Hildebrand gegenzeichnen soll. Philipp Hildebrand erhält eine Kopie der E-Mail. Um 15.10 Uhr bedankt sich Kashya bei Felix S., ihrem Mann schickt sie eine Kopie. Dieser weilt in Frankfurt bei der Europäischen Zentralbank und liest die E-Mail erst am anderen Morgen.

Um 7.36 Uhr antwortet er – auf Englisch, damit ihn seine Frau, die nicht gut Deutsch spricht, deutlich versteht: «Lieber Felix, liebe Kashya, aus Gründen der Compliance (interne Kontrolle) seid ihr künftig nicht mehr berechtigt, Devisentransaktionen auszuführen, es sei denn, der Auftrag kommt von mir oder ich bestätige ihn. Beachtet zudem, dass Devisenpositionen gemäss dem internen Reglement der SNB über persönliche Investitionen mindestens sechs Monate gehalten werden müssen.»

Die entsprechenden E-Mails zur umstrittenen Dollartransaktion hat Hildebrand heute im Rahmen seiner letzten Medienkonferenz als SNB-Chef veröffentlichen lassen.

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur SDA (vin/ami)

Erstellt: 10.01.2012, 15:59 Uhr

Plötzlicher Karriereknick: Philipp Hildebrand und seine Frau Kashya.

Artikel zum Thema

Naiver Vollprofi

Kommentar Philipp Hildebrand tritt zurück, weil er seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt sah. Zwingend war der Abgang aber nicht. Wenn das nur kein Zeichen an die Heuschrecken ist. Ein Kommentar. Mehr...

«Ich habe dieses Amt geliebt»

Das Protokoll von Hildebrands Abgang Der SNB-Präsident stellt sein Amt überraschend per sofort zur Verfügung. baz.ch/Newsnet berichtete live vom vorerst letzten Auftritt Hildebrands. Mehr...

Hildebrand-Rücktritt und Eurokrise belasten Schweizer Börse

Märkte Die Schweizer Börse hat den ersten Tag der neuen Handelswoche im Minus beschlossen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wagemutig: Der 95-jährige Kriegsveteran Thomas Norwood landet nach einem Tandemsprung in Suffolk, Virginia, USA (15. Oktober 2017).
(Bild: Vicki Cronis-Nohe) Mehr...