F/A-18 soll fliegen – solange es geht

Die Parteileitung der SP legt mit Blick auf die Kampfjetbeschaffung ein Konzeptpapier vor.

Unentbehrlich für die nächsten Jahre: Der Schweizer Kampfjet F/A-18, für den die SP-Führung vor allem Luftpolizeiaufgaben vorsieht.

Unentbehrlich für die nächsten Jahre: Der Schweizer Kampfjet F/A-18, für den die SP-Führung vor allem Luftpolizeiaufgaben vorsieht. Bild: Keystone

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Das Papier der SP-Leitung im Hinblick auf die nächste Kampfjetbeschaffung hat es in sich. Es enthält ein grundsätzliches Bekenntnis zur Schweizer Armee und zur Luftwaffe. Im Konzept für die Delegiertenversammlung vom kommenden 14. Oktober steht gleich am Anfang: «Sicherheit allein schafft keine Lebensqualität und Freiheit. Es gibt aber keine Lebensqualität und Freiheit ohne Sicherheit.» Ein gutes Leben sei ohne Sicherheit nicht möglich. «Deshalb setzt sich die SP für Sicherheit ein – in der Schweiz und weltweit, was sich gegenseitig bedingt.»

Lücken macht die Parteileitung bei der Luftraumsicherheit in der «internationalen Früherkennung und Frühwarnung» aus sowie bei der Kooperation mit Nachbarstaaten und der Gefährdung durch Drohnen und Terror. Der Schlüsselsatz zur künftigen Ausgestaltung der Luftwaffe lautet: «Die vorhandenen Kampfflugzeuge genügen für die Gewährleistung der alltäglichen Luftraumsicherheit, bei einer entsprechenden Schonung.»

Konzentration auf die Luftpolizei

Die SP-Führung will «reagieren können, wenn nicht identifizierte oder andere aussergewöhnliche Flugzeuge in unseren Luftraum eindringen». Das Bekenntnis zur Notwendigkeit einer Luftpolizei begründet sie mit dem Umstand, dass alleine militärische Anlagen Flugzeuge mit abgeschaltetem Transponder erkennen können.

Das SP-Konzept, das der Basler Zeitung vorliegt, plädiert zudem für einen Ausbau der Luftwaffenkooperation mit den Nachbarstaaten. Nötig sei ein gemeinsames System der Luftaufklärung und Frühwarnung. Zur Drohnenproblematik schreibt die SP-Leitung, die Anzahl sicherheitsrelevanter Zwischenfälle habe hier zuletzt sprunghaft zugenommen. Auch ein terroristischer Missbrauch von Drohnen sei nicht auszuschliessen.

Ein durchdachtes Massnahmenpaket für mehr Schutz vor Gefährdung durch Drohnen bringe mehr Sicherheit als «überstürzte Milliardenausgaben» für neue Kampfflugzeuge. Den alltäglichen Luftpolizeidienst bezeichnet die SP-Spitze als «ebenso wichtig wie unbestritten». Für die Gewährleistung der alltäglichen Luftpolizei brauche es gutes Personal, aber nur wenig Luftmittel. Damit die Luftwaffe mit den vorhandenen F/A-18 den Hauptauftrag Luftpolizei noch lange erfüllen könne, fordert die SP-Leitung eine «Strategie zur Schonung» der bestehenden Kampfjet-Flotte.

Während die Luftwaffe im Falle einer ernsten Bedrohung des europäischen Luftraums «angemessene Beiträge» zu leisten habe, lehnt die Partei ein «aufgrund der Weltkriegserfahrung immer noch verbreitetes Konzept ‹Wir allein gegen den Rest der Welt› als Illusion zurück». Ebenso klar spricht sich das Papier gegen eine Luft-Boden-Erdkampffähigkeit von Kampfjets aus. Die Behebung dieses Mangels steht im Rahmen der Neubeschaffung von Kampfjets auf der Prioritätenliste der Armee.

Weiterbetrieb der Hornets bis 2035

Kern des Konzepts ist indessen die Forderung nach einer massiven Verlängerung der Nutzungsdauer der heutigen F/A-18-Flotte. «Die ab 1997 schrittweise in Dienst gestellten Hornjets gehören noch lange zu den leistungsfähigsten Kampfflugzeugen der Welt», zeigt sich die SP-Leitung überzeugt. Die Jets seien nach dem dritten Upgrade auf dem neusten Stand. Vor diesem Hintergrund und wegen erlebter Pannen bei diversen Beschaffungsprojekten grossen Umfangs sieht die SP gemäss Konzeptvorschlag an die Delegiertenversammlung «keinen Grund, den Ersatz der F/A-18 zu überstürzen».

Vielmehr sei die Nutzungsdauer dieser Jets bis deutlich über 2030 hinaus zu verlängern. Das letzte vom Parlament beschlossene Upgrade der F/A-18, das von der SP mitgetragen wurde, beinhalte die Erhöhung zertifizierter Flugstunden von 5000 auf 6000. Hersteller Boeing biete nun ein Programm zur weiteren Verlängerung der Nutzungsdauer auf 8000 bis 10'000 Flugstunden an. Die SP fordert eine öffentlich zugängliche Analyse für eine verlängerte Nutzungsdauer auf 7000 oder 8000 Flugstunden. Dies würde einen Weiterbetrieb der Hornets bis mindestens 2035 ermöglichen. Daneben sollen einige Tiger 5-5 in der Luft gehalten werden. Für die spätere Ablösung der F/A-18 fordert die SP eine Finanzierung über das Armeebudget. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 10:50 Uhr

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