172 Schweizer Städte unter der Lupe

In welcher Stadt leben am meisten Junge? Wer gibt am meisten Geld für Kultur aus? Und als Bonus: die Traktoren-Dichte.

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Landflucht und Städteboom – weltweit strömen die Menschen in die Städte. Laut der UNO werden im Jahr 2050 zwei Drittel der Menschheit in einer Stadt leben. Auch hierzulande nimmt die Urbanisierung seit Jahren zu. Gemäss dem gestern veröffentlichten Buch «Statistik der Schweizer Städte 2018» lebten im Jahre 2016 48,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung in den 172 Städten und städtischen Gemeinden. Allein in den Grossstädten mit einer Einwohnerzahl von über 100'000 Einwohnern wohnten 1,15 Millionen Menschen – das entspricht rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung. Deshalb haben die Statistiker vom Schweizerischen Städteverband und vom Bundesamt für Statistik dieses Jahr in ihrem Bericht die Bevölkerung zum Schwerpunkt gemacht. Im über 180 Seiten langen Jahrbuch gibt es aber noch unzählige andere interessante Statistiken. Wir haben sechs Themengebiete herausgepickt und nach dem Kriterium Top 5 und Flop 5 ausgewertet.

Autos befinden sich in den grossen Städten seit Jahren auf dem Rückzug. Seit 2007 nahm der Motorisierungsgrad in den Grossstädten um rund 12 Prozent von 0,42 auf 0,36 Autos pro Einwohner ab. Grundsätzlich gilt die Faustregel, dass der Anteil pro Einwohner mit sinkender Stadtgrösse abnimmt. In den Städten mit 50'000 bis 999'999 Einwohnern beträgt die Quote 0,48 respektive in Städten mit unter 10'000 Einwohnern 0,58. Folglich weisen die Grossstädte wie Basel und Zürich am wenigsten PW pro 1000 Einwohner auf, während es in Cham, Urdorf oder Freienbach am meisten gibt.

Als Bonus haben wir noch die Traktorendichte ausgewertet. Sie ist natürlich in den ländlichen Gebieten, die stark von der Landwirtschaft geprägt sind, am höchsten.

Grossstädte standen lange im Ruf, sogenannte A-Städte zu sein: also Orte mit überdurchschnittlich vielen Armen, Arbeitslosen, Alten und Alkoholikern. Das ist mittlerweile zwar Vergangenheit, doch in der Tendenz ist die Zahl der Arbeitslosen in den grössten Städten immer noch leicht höher als in den kleineren. Die schweizweit höchsten Arbeitslosenquoten weisen aber Orte in strukturschwachen Regionen in der Westschweiz auf. Dank den reichen Steueroasen der Zentralschweiz stammen die Städte mit den prozentual wenigsten Arbeitslosen aus dieser Region.

Wenn es um Kultur geht, nehmen seit Jahren die beiden Metropolen Basel und Genf Spitzenplätze ein. Überraschend ist, dass es im Unterschied zur Kulturstadt Luzern auch Solothurn in die Top Five schaffte. Ein anderes Kulturverständnis (und andere finanzielle Möglichkeiten) gibt es offensichtlich im Aargau und in Schwyz: Vier der fünf Gemeinden mit den tiefsten Kulturausgaben pro Kopf stammen aus diesen beiden Kantonen.

Was die Anzahl Logiernächte betrifft, sind die grossen Städte Zürich, Genf, Luzern und Basel mit Abstand Spitzenreiter. Da kann nur eine touristische Hochburg in den Alpen, Zermatt, noch mithalten. Umso beeindruckender ist die hohe Zahl der Gästebetten pro Einwohner im Berggebiet. In Interlaken kommen über 500 Betten auf 1000 Einwohner, in Zermatt gibt es gar mehr Betten als Einwohner.

«Die Jungen ziehen in die Stadt», schreibt der Städteverband. Tatsächlich machen in den Grossstädten die 20- bis 39-Jährigen mit fast 34 Prozent die grösste Gruppe aus – nirgendwo ist der Anteil dieser Altersgruppe so hoch. Zum Vergleich: Im Schweizer Durchschnitt sind es 27 Prozent. In Städten und städtischen Gemeinden mit weniger als 100'000 Einwohnern sind die 40- bis 64-Jährigen die grösste Altersgruppe. Anders sieht das Bild bei den Kindern und Jugendlichen aus. In den zehn grössten Städten macht diese Altersgruppe nur rund 17 Prozent aus, deutlich höher liegt dagegen der Anteil bei den Städten und Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern. Deshalb hat es mit Lausanne nur eine Grossstadt in die Rangliste der Städte mit den prozentual am meisten Menschen im Alter von 0 bis 39 Jahren geschafft. Am wenigsten junge Menschen hat es in Chiasso, in drei Gemeinden in der Nordwestschweiz sowie dem Vorort Muri bei Bern.

Die Wohnfläche beträgt im schweizerischen Durchschnitt 45 Quadratmeter pro Person. In den Grossstädten liegt dieser Wert mit 39 Quadratmetern deutlich tiefer. Dass die Wohnfläche in kleineren, wohlhabenden städtischen Gemeinden wie Küsnacht oder Muri bei Bern über dem Durchschnitt liegt, ist nicht weiter überraschend. Warum aber man aber in Meyrin, Renens, Vernier oder Zermatt mit 31 Quadratmetern am wenigsten Wohnfläche beansprucht, dafür hatten die Statistiker keine Erklärung gegeben.

Laut der Defintion des Bundesamtes für Statistik handelt es sich bei Städten um zusammenhängende Kernzonen mit einer Mindestzahl vom 12'000 EBL (=Summe aus Einwohnern, Beschäftigten und Logiernächten). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2018, 11:27 Uhr

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