Diplomaten-Angestellte schmuggeln 600'000 Zigi-Päckli

Es ist der grösste Zigarettenschmuggel-Fall der letzten Jahre: Zwei Angestellte der irakischen Botschaft in Genf haben einen Teil des französischen Schwarzmarktes versorgt.

Die Schmuggelware wurde vor allem im Norden Frankreichs abgesetzt: Durch Tessiner Zollbehörden beschlagnahmte Zigaretten. (Archivbild)

Die Schmuggelware wurde vor allem im Norden Frankreichs abgesetzt: Durch Tessiner Zollbehörden beschlagnahmte Zigaretten. (Archivbild) Bild: Karl Mathis/Keystone

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Unter dem Codenamen «Diplo» gelang der Schweizer Zollfahndung ein Coup gegen den Zigarettenschmuggel: Ihr gingen zwei Angestellte der irakischen UNO-Vertretung in Genf ins Netz, die während mindestens dreier Jahre illegal beschaffte Zollfrei-Zigaretten nach Frankreich geschmuggelt und dort auf dem Schwarzmarkt verkauft haben. Dies geht aus einem der «SonntagsZeitung» vorliegenden Strafentscheid der eidgenössischen Zollverwaltung hervor.

Demnach beschafften sich die Angestellten die Zigaretten über einen auf Duty-free-Lieferungen spezialisierten Online-Händler in Norddeutschland. Für die Zollabwicklung nutzten sie gefälschte Formulare, die ihnen Zugang zu Zoll-Privilegien verschafften, die nur Diplomaten zustünden, heisst es in dem Zeitungsbericht weiter.

Weitere Helfer involviert

Während ihre Vorgesetzten mit Gipfeltreffen und Konferenzen beschäftigt waren, machten sich die beiden Männer auf in die grenznahe französische Gemeinde Fernay-Voltaire, wo sie ihre Ware in einem Raum zwischengelagert hatten.

Bei ihren Schmuggeltouren fuhr der 39-jährige Botschaftschauffeur mit einem Mietauto als Kundschafter voraus um abzuklären, ob mobile Zollkontrollen im Gange waren. Danach folgte der gleichaltrige Mitarbeiter der Botschaftsadministration mit einem ebenfalls gemieteten und mit der Schmuggelware bis unters Dach beladenen Kleintransporter. Gemäss den Ermittlungsergebnissen wurden die meisten Zigaretten durch zwei Helfer im Strassenhandel in der Region Rennes abgesetzt.

Hinweise aus Hongkong

Den Schmugglern auf die Schliche kamen die Fahnder durch Hinweise der Handelskammer Hongkong. Sie meldete den Schweizer Zollbehörden, dass Unbekannte in ihrem Namen Zigaretten bestellt hätten. Denn wie sich herausstellte, hatten die Schwarzhändler das entsprechende Formular nicht nur im Namen der irakischen Mission missbraucht, sondern auch für Hongkong, das Königreich Bahrain, Saudiarabien und Oman eingereicht.

Mit dem Gewinn aus dem Schmuggel hatten sich die Männer gemäss der «SonntagsZeitung» ein Luxus-Leben finanziert. Einer der Täter leistete sich in der Nähe von Genf ein teures Apartment, eine Zwei-Zimmerwohnung und einen BMW.

Der Deliktsbetrag für die hinterzogene Tabaksteuer und nicht geleisteten Zollabgaben beläuft sich alleine in der Schweiz auf 2.4 Millionen Franken. Von den Schweizer Behörden wurden die Schmuggler mit Strafen von 170'000 und 120'000 Franken belegt. Der Diplomatenchauffeur sei inzwischen entlassen worden. Gemäss der Zeitung habe die Oberzolldirektion ein Gesuch der irakischen Botschaft um Reduktion der Busse abgelehnt. (nag)

Erstellt: 21.08.2016, 19:29 Uhr

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