Ärgernis Ticketdealer und warum der Bundesrat nichts tut

Sie kaufen Dutzende Konzertkarten und bieten sie danach zu hohen Preisen auf dem Graumarkt an, die Tickethamsterer. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner kämpft dagegen – und bekam nun Antwort vom Bundesrat.

Der Preis war heiss: Eine Eintrittskarte für das Konzert der Rolling Stones in Basel 1990 wird verbrannt. Auf dem Schwarzmarkt kosteten die 55-Franken-Tickets bis zu 150 Franken. Dann kam der Regen und die Preise fielen in den Keller.

Der Preis war heiss: Eine Eintrittskarte für das Konzert der Rolling Stones in Basel 1990 wird verbrannt. Auf dem Schwarzmarkt kosteten die 55-Franken-Tickets bis zu 150 Franken. Dann kam der Regen und die Preise fielen in den Keller. Bild: Keystone

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Wer gerne an Konzerte oder grosse Sportanlässe pilgert, kennt das: Oft sind die Tickets innert weniger Minuten ausverkauft. Der Auftritt von Top Acts oder Spitzenkämpfe im Fussball rufen immer auch findige Geschäftemacher auf den Plan, die schnelles Geld machen wollen. Ihre Masche ist denkbar einfach: Tickets en masse aufkaufen, um sie dann zu ungleich höheren Preisen weiterzuverkaufen – entweder übers Internet oder aber direkt auf der Strasse.

Das Problem ist auch dem Bundesrat bekannt. Weitergehende Massnahmen dagegen will die Landesregierung aber nicht ergreifen. «Der Bundesrat unterschätzt das Problem. Er sollte sich mal bei den offiziellen Ticketverkäufern und Veranstaltern erkundigen», sagt der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner.

Unterstützt vom Konsumentenforum, hatte Frehner eine Motion eingereicht, die das teurere Weiterverkaufen von Tickets verbieten soll. «Solchen kriminellen Gruppierungen gehört das Handwerk gelegt», sagt er. Frehners Weg aber erachtet der Bundesrat als falsch und er beantragt dem Parlament deshalb die Ablehnung der Motion.

Die freie Preisfestlegung auch beim Weiterverkauf von Produkten gehöre zum freien Wettbewerb, argumentiert der Bundesrat in seiner eben veröffentlichten Antwort auf Frehners Vorstoss. Von Konsumenten, die Produkte auch auf einer Internetplattform kaufen, könne erwartet werden, dass sie sich über den ursprünglichen oder einen alternativen Kaufpreis orientieren.

Graumarkt als Problem

Probleme könne allerdings der Graumarkt durch professionelle sekundäre Ticketverkäufer bereiten. Dessen ist sich auch der Bundesrat bewusst. Die Händler kaufen die Tickets meist mit ausgeklügelten Computerprogrammen oder setzen Gruppen von Schülern für den Kauf ein, um sie zu überhöhten Preisen weiterzuverkaufen. So kann eine zumindest temporär preistreibende, künstliche Verknappung des Angebots ausgelöst werden.

Das könne gegen geltendes Recht verstossen – vorab gegen das Täuschungsverbot, führt der Bundesrat weiter aus. Handlungsbedarf sieht er dennoch keinen. Die Interventionsrechte, die das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zur Verfügung stellt, stünden ja auch den Ticketverkaufsunternehmen zur Verfügung.

Doch das scheint nicht zu reichen. Schon mehrfach klagten Kartenverkäufer, Veranstalter oder auch das Konsumentenforum in den Medien. Immer wieder reklamierten Kunden, die kurz nach Verkaufsbeginn keine Tickets mehr erhalten. Dabei sind nur wenige Top Acts wirklich ausverkauft. Oft werden Tickets aber einfach gehamstert und auf den Graumarkt verschoben.

Unter anderem Ticketcorner versucht deshalb, Wiederverkäufern so gut es geht das Handwerk zu legen: Bestellungen werden auf Namen und Kreditkartennummer geprüft und Mehrfachbestellungen aussortiert. Ganz beseitigen aber lässt sich das Problem nicht. Deshalb begrüssen Ticketcorner, Konzertveranstalter wie ABC Production wie auch der Schweizer Fussballverband die Motion Frehners.

Wirtschaftsfreiheit in Gefahr?

Anders sieht es der Bundesrat: Für ihn geht das geforderte Verbot, Tickets nicht teurer weiterzuverkaufen als zum ursprünglich festgelegten Preis, zu weit. Er lehnt einen solchen «erheblichen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit» ab. «Natürlich ist das eine unschöne Massnahme. Ich finde einen freien Markt ja auch grundsätzlich gut», räumt SVP-Nationalrat Frehner ein. «Jetzt wirft mir der Bundesrat Regulierungswut vor.»

Selber aber scheine die Landesregierung das offensichtliche Problem nicht angehen zu wollen, klagt Frehner. Der Bundesrat «hätte ja einen besseren Vorschlag bringen können». Frehner jedenfalls gibt nicht auf. Er will versuchen, den Vorstoss dennoch durchs Parlament zu bringen – auch gegen den Bundesrat. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.09.2014, 10:29 Uhr

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