Interview

«Als freiheitlicher Mensch verstehe ich die Economiesuisse nicht»

Lukas Reimann war einer der ersten Fans der Abzocker-Initiative in der SVP. Jetzt will er die SVP-Delegierten auf seine Linie bringen – und danach die linken Verbündeten nicht zu nahe an sich heranlassen.

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Thomas Minder hat entschieden: Die Abzocker-Initiative kommt vors Volk. Haben Sie mit ihm schon den Abstimmungskampf besprochen?
Dieser Abstimmungskampf ist primär die Sache von Herrn Minder, nicht von mir. Da müssten Sie ihn fragen. Aber sofern die SVP-Delegiertenversammlung die Ja-Parole beschliesst, werde ich mich voll ins Zeug legen.

Wie wollen Sie Ihre Mit-Delegierten überhaupt von der Initiative überzeugen?
Also, zunächst einmal ist diese Versammlung noch nicht einmal angesetzt. Und ob ich dann das Wort ergreife, steht auch noch in den Sternen.

Aber es wäre doch nur logisch, wenn Sie reden. Sie gehören zu Thomas Minders ersten SVP-Unterstützern überhaupt.
Stimmt, wir waren bei den ersten, die für die Initiative damals Unterschriften sammelten. Aber wir blieben nicht lange die einzigen. Ulrich Schlüer legte die Unterschriftenbogen seiner Zeitung «Schweizerzeit» bei. Verschiedene Sektionen machten mit beim Sammeln. Am Ende sassen sogar prominente Parteimitglieder wie Hansjörg Walter im Wahlkomitee für Thomas Minder.

Und nun müssen ausgerechnet Sie als Bürgerlicher antreten gegen die Wirtschaft, gegen die Economiesuisse?
Ich muss sagen, als freiheitlicher Mensch verstehe ich die Economiesuisse nicht. Die Abzocker-Initiative ist schliesslich eine einmalige Chance, die Eigentumsrechte zu stärken. Sie ist eine ideale Lösung für Eigentümer, Anleger und Konsumenten. Die Wirtschaft sollte das begrüssen. Aber leider zeigt sich hier wieder, dass die Economiesuisse nur die Interessen einiger Eliten vertritt, nicht die der Wirtschaft.

Christoph Blocher ist aber auch nicht mehr auf Ihrer Seite. Enttäuscht?
Es ist sein gutes Recht, seine Meinung zu vertreten.

Dafür haben Sie nun ausgerechnet die Linken an Ihrer Seite. Gemeinsam mit Lieblingsgegner Cedric Wermuth für dieselbe Sache kämpfen – das muss erst recht seltsam sein.
Unsere Motive sind aber ganz und gar nicht diesselben. Ich stehe für die Abzocker-Initiative ein, gerade um dirigistische Vorlagen zu verhindern wie Wermuths 1:12-Initiative.

Aber vielleicht haben die Wirtschaftsvertreter Recht und es braucht die Abzocker-Initiative gar nicht. Glauben Sie etwa, die 1:12-Initiative hätte eine Chance?
Die Stimmung in der Bevölkerung ist doch eindeutig: Die Lohnexzesse gewisser Manager goutiert niemand mehr. Auch mich ärgert, wie manche Topmanager auf Kosten von Aktionären und Konsumenten absahnen. Wie sie damit schamlos weitermachen, selbst in der gegenwärtigen Finanzkrise. Wenn nichts dagegen unternommen wird, könnte das Volk eines Tages durchaus eine sozialistische und für unser Land schädliche Vorlage annehmen. Als Denkzettel.

Die linken Verbündeten sind ihnen ganz offensichtlich unheimlich.
Sagen wir so: Wie man gerade bei der Managed-Care-Vorlage gesehen hat, lassen sich Abstimmungen deutlich gewinnen, wenn Zustimmung oder Widerstand von links und rechts gleichzeitig kommt. Aber ich würde davor warnen, Initiativkomitees zu gründen, in denen SVP- und Rot-Grün-Vertreter traut beieinandersitzen. Wir haben zu unterschiedliche Ziele: Die SVP steht für Freiheit und Eigentumsrechte, während die Linke mit ihrem Kurs dem Wirtschaftsstandort schadet.

Woher nehmen Sie eigentlich das Geld, um gegen die Economiesuisse-Kampagne anzukommen?
Es wird sicher von zentraler Bedeutung sein, welche Parole die SVP-Delegierten fassen. Danach werden wir mit unseren Argumenten punkten. Man sollte die Economiesuisse auch nicht überschätzen. Sie wird an jenem Abstimmungssonntag wohl auch noch für die Steuerabkommen eintreten müssen. Und auch da gegen Rechts und Links gleichzeitig. Selbst die Mittel der Economiesuisse sind nicht grenzenlos.

Verwahrungsinitiative, Minarettinitiative, Abzocker-Initiative – wieder einmal muss sich die SVP für eine Vorlage engagieren, die nicht aus ihrer Mitte entstand. Warum muss man die Partei eigentlich immer zu ihrem Glück zwingen?
Das ist eben unsere Stärke. Bei uns hat die Basis viel mitzureden und kann viel anstossen. Oder umgekehrt: Die SVP hat ein Gespür dafür, was ihre Wähler bewegt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2012, 14:03 Uhr

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