Tessin

Burkaverbot trifft vor allem Schweizerinnen

Musliminnen aus dem Ausland halten sich eher ans Tessiner Gesetz als Frauen mit Schweizer Pass. In einem Fall wurde jemand wegen Anstiftung zum Burkatragen gebüsst.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die meisten Bussen wegen Verstosses gegen das Burkaverbot kassieren Schweizerinnen. Von sechs Fällen wurden nur zwei Muslime aus dem Ausland belangt. Das schreibt die «Luzerner Zeitung».

Als das Burkaverbot im Tessin eingeführt wurde, stand die Befürchtung im Raum, dass viele Touristinnen einen Strafzettel erhalten werden. Ein halbes Jahr später zeigt sich, dass sich Ausländerinnen sehr gut ans Gesetz halten.

Nur sechs Fälle in einem halben Jahr

Die «Luzerner Zeitung» ging sechs Fällen nach. Viermal wurden Musliminnen mit Schweizer Pass gebüsst. Dagegen hat die Tessiner Polizei nur eine einzige Ausländerin beim Tragen einer Burka ertappt. Das zeigt eine Umfrage der Luzerner Zeitung bei Tessiner Gemeindepolizeien. Die Frau aus Saudiarabien habe die Busse von 100 Franken im vergangenen Juli anstandslos bezahlt, wie die Polizei in Chiasso mitteilte.

Ein Fall betrifft einen Ausländer, der wegen Anstiftung zum Burkatragen zur Rechenschaft gezogen wurde.

Zentralrat treibt Statistik nach oben

In mindestens drei Fällen ist der Islamische Zentralrat involviert. Nora Illi, die Frauenbeauftragte des Rats, liess sich in Lugano und Locarno büssen, als sie sich medienwirksam mit Vollschleier in der Öffentlichkeit zeigte.

Die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli, ist nicht erstaunt über die Bilanz der «Luzerner Zeitung». «Es hat sich bestätigt, dass es in Europa primär salafistische Konvertiten sind, die die Verhüllung der muslimischen Frau am stärksten vorantreiben.»

Landsleute sollen Regeln respektieren

Dass das Verhüllungsverbot von Touristinnen beachtet wird, könnte auch auf einen Appell der saudischen Botschaft in der Schweiz zurückzuführen sein. Diese habe ihre Landsleute angewiesen, die hiesigen Regeln zu respektieren, wie SVP-Nationalrat Walter Wobmann der «Luzerner Zeitung» sagte.

Auch andere Länder wollen sich am Tessin ein Vorbild nehmen. Die österreichische Regierung hat am Dienstag ein Burkaverbot verabschiedet. Ein solches ist in Frankreich, Belgien, Holland und Bulgarien bereits in Kraft.

Erstellt: 29.03.2017, 18:28 Uhr

Artikel zum Thema

Österreich verbietet Burka und Koran-Verteilen

Die Regierung in Wien drückt ihr heftig kritisiertes «Integrationsprogramm» durch. Es beinhaltet Verbote, die weiter gehen als in anderen Staaten. Mehr...

Darth Vader oder Burka? Der Faktencheck zur «Einbürgerungs-Arena»

Ausländer der dritten Generation sollen den Schweizer Pass einfacher erhalten. In der «Arena» wurde emotional diskutiert – 8 Aussagen im Check. Mehr...

Blog

Blog

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für schwache Arme: Chinesische Arbeiter formen ein Tonfass in einer Porzellanfabrik in Jingdezhen (23. September 2017).
Mehr...