«C’est du force, c’est du Erfahrung»

Für Romands spricht der Zuger Bundesratskandidat Peter Hegglin (CVP) «leidlich» französisch. Auch weil FDP-Kandidatin Karin Keller-Sutter sprachlich brilliert.

Balance mit der französischen Sprache: Peter Hegglin bei der Präsentation der CVP-Bundesratskandidaten in Bern. (Video: Keystone-SDA).

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Fremdsprachen gehören anscheinend nicht zu den Kernkompetenzen des Zuger CVP-Ständerats Peter Hegglin. Dieser Eindruck entstand, als sich der Bundesratskandidat am Mittwochabend an einer Präsentationsveranstaltung seiner Partei standhaft weigerte, Französisch zu reden.

Beherrscht er die Landessprache nicht? Von wegen. Zu gross waren wohl Scheu oder Scham. Hegglin redet durchaus französisch. Fliessendes Französisch sogar. Der Zuger ist ein veritabler Sprachkünstler. Man möchte fast sagen: Ein partielles Sprachgenie.

Fehlt ihm ein Wort im Französischwortschatz, füllt er die Lücke in Sekundenschnelle mit einem deutschen Begriff. Hegglin stockt nie. Bei ihm bleibt alles im Fluss. In der Nachrichtensendung «Forum» im Westschweizer Radio präsentierte er Mitte Oktober seine sprachliche Raffinesse. Da sagte er Sätze wie diese: «C’est pas juste à la PDC de präsentieren une candidate.» Und: «C’est du force, c’est du Erfahrung.» Über seine Kompetenzen: «J’ai travaillé pour les caisses de pension, alors pour les Sozialversicherungen.»

Parmelins cleverer Wahlkampf

So gewandt Peter Hegglin zwischen Deutsch und Französisch changiert, in der Romandie ist man bezüglich Sprachkompetenzen von Deutschschweizer Bundesratskandidaten anspruchsvoll geworden. Auch wenn die Romands sehr wohl wissen, dass das Deutsch des Waadtländer Verteidigungsministers Guy Parmelin (SVP) keineswegs magistral wirkt. Parmelin verhielt sich in seinem Bundesratswahlkampf im übrigen clever. Fragen von Deutschschweizern liess er sich auf Deutsch stellen, um dann auf Französisch zu antworten.

Vor den anstehenden Bundesratswahlen setzt FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter die Sprachstandards. Die ehemalige Konferenzdolmetscherin aus dem Sankt-Gallischen spricht nicht nur druckfrisch einwandfrei, sondern beherrscht selbst schwierigste technische Begriffe auf Französisch. Daran haben sich die Westschweizer längst gewöhnt. Zumindest sprachlich hätten sie an einer Wahl Keller-Sutters in die Landesregierung nichts auszusetzen.

In Bern stirbt Französisch aus

Über das Französischniveau von Bundesratskandidaten sagt der Waadtländer FDP-Nationalrat Olivier Feller: «Niemand entscheidet kurzfristig, für den Bundesrat zu kandidieren. Wer sich mit einer Kandidatur befasst, sollte sich über längere Zeit bemühen, seine Kenntnisse in einer anderen Landessprache zu verbessern.» Ein Bundesrat trete im ganzen Land auf und müsse deshalb in allen Landesteilen verstanden werden, betont Feller.

Diese Einschätzung teilt Nationalrat Fathi Derder (FDP/VD). Derder befasst sich seit langem mit Sprachkompetenzen in Bundesbern. Französisch sei eine Sprache, die man in Bern nicht mehr oft höre, stellte er in einer Zeitungskolumne einmal fest. Daran habe sich nichts geändert, so der Waadtländer. «Entscheide werden in den Kommissionen auf Deutsch gefällt», sagt er.

Wer in den Kommissionen eine entscheidende Rede halten wolle, müsse deutsch sprechen oder seine Kollegen zuvor schon auf Französisch von einer Position überzeugt haben. Derder sagt: «Die Bundesräte müssten Vorbilder sein und zumindest zwei, bestenfalls drei Amtssprachen beherrschen.» Das gehöre zur Kompetenz, zur Intelligenz und zum Leadership der Regierenden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 01.11.2018, 18:37 Uhr

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