CO2-Bussen vergiften Direktimporte

Die meisten Privatimporteure denken nicht an die CO2-Steuern, respektive unterschätzen diese krass und zeigen sich entsprechend empört. Bei den Preisvergleichen ist generell Vorsicht geboten.

Bei Direkt­importfahrzeugen wird mit massiven Preisabschlägen geworben. Dabei werden die Importpreise mit den Listenpreisen der Generalimporteure verglichen, und die unterschiedlichen Ausstattungen werden vernachlässigt.

Bei Direkt­importfahrzeugen wird mit massiven Preisabschlägen geworben. Dabei werden die Importpreise mit den Listenpreisen der Generalimporteure verglichen, und die unterschiedlichen Ausstattungen werden vernachlässigt. Bild: Keystone

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Erstaunliches liest man über Auto-Direktimporte. So schreibt die NZZ im Sommer dieses Jahres, Direktimporte würden das Geschäft mit neuen Autos beleben. Direktimporteure hätten sich im Schweizer Automarkt etabliert. Die NZZ schwärmt, dass Direktimporte eine disziplinierende Wirkung auf die offiziellen Auto-Verteilsysteme hätten.

Tatsache ist jedoch, dass private Direktimporte längst nicht mehr attraktiv sind. Schuld daran sind unter anderem die vom Bund eingeführten CO2-Bussen. Mit diesen Bussen wurde die von der NZZ irrtümlich herbeigelobte Marktbelebung eliminiert. Vor Einführung der CO2-Bussen wurden zwölf Prozent der Neuwagen direkt importiert. Aktuell sollen es noch acht Prozent sein, mit sinkender Tendenz.

Die Handelszeitung hat in der Ausgabe vom 6. November für Privatimporteure eine «böse Überraschung» aufgedeckt. Die Privaten zahlen wegen der CO2-Besteuerung hohe Zuschläge. Geschildert wird der Fall des privaten Imports eines Opel Astra 1.6, welcher eine CO2-Busse von 3162 Franken ausgelöst hat.

Die rechtliche Situation ist klar

Die meisten Privatimporteure denken nicht an die CO2-Steuern, respektive unterschätzen diese krass und zeigen sich entsprechend empört. Dies nützt jedoch nichts, denn die rechtliche Situation ist klar. So muss eine CO2-Abgabe gezahlt werden, wenn ein neues Auto mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstösst. Je mehr dieser Wert überschritten wird, desto höher ist die CO2-Busse. Hätte der betreffende Opel-Käufer sein Fahrzeug beim Generalimporteur gekauft, so hätte sich die CO2-Steuer auf wenige Franken bis auf null reduziert. Beim Generalimporteur kommt es auf den Automix an, schadstoffarme Fahrzeuge können Autos mit hohem CO2 kompensieren, und diese können ohne CO2-Busse verkauft werden.

Die Handelszeitung zeigt im erwähnten Artikel die merkwürdigen Konsequenzen auf. 2013 brachten die Generalimporteure 91,5 Prozent der neuen Autos auf den Markt, die CO2-Steuern beliefen sich auf 2,368 Millionen Franken. Pro neues Auto betrug die Busse somit 8.35 Franken. Im Vergleich dazu zahlten die Privat­importeure 1049 Franken pro neuen Wagen, also 125 Mal mehr als die Generalimporteure.

Also Hände weg von privaten Direkt­importen. Dies auch aus folgenden Gründen: Die Standardausrüstung der Fahrzeuge variiert je nach Land sehr stark. Das kann die Assistenz­systeme betreffen, die Komfort- und Sicherheitsausrüstung, die Motorisierung oder die Erstbereifung. Wer ohne genaue Preisvergleiche ein Direktimportfahrzeug kauft, zahlt zwar vielleicht auf den ersten Blick weniger, bekommt aber auch deutlich weniger.

Und bei den Preisvergleichen ist generell Vorsicht geboten. Bei Direkt­importfahrzeugen wird mit massiven Preisabschlägen geworben. Dabei werden die Importpreise mit den Listenpreisen der Generalimporteure verglichen, und die unterschiedlichen Ausstattungen werden vernachlässigt. Das sind rechtlich unzulässige Preisvergleiche, denn Markenhändler geben in der Regel Rabatte (etwa Flottenrabatte über Firmen) und liefern attraktive Zusatzausrüstungen. Direktimport-­fahrzeuge müssen hingegen so genommen werden, wie sie beim Händler stehen, individuelle Wünsche bleiben auf der Strecke oder man bekommt Ausrüstungen, die man gar nicht will. Selbst das gleichzeitige Bestellen von Winter- und Sommerreifen ist meist nicht möglich.

«Entzauberung» des Ökoautos

Ein ähnlich schlechtes Bild zeigt sich bei den Garantien. Einzelne Schweizer Importeure gewähren drei bis fünf Jahre Werksgarantie und bis zehn Jahre Gratisservice. Das gleiche direktimportierte Fahrzeug erhält demgegenüber eine Werksgarantie von lediglich zwei Jahren, die erst noch meistens bereits zwei bis sechs Monate läuft, da das Fahrzeug im Ausland eine Erstzulassung hatte. Und schliesslich ist auch der Wiederverkaufswert eines direktimportierten Fahrzeuges schlechter als derjenige eines vergleichbaren «Schweizer» Fahrzeuges.

Im Internet werden Occasionsfahrzeuge deshalb gezielt als «Schweizer Fahrzeug» angeboten, wodurch eben ein höherer Verkaufspreis erzielt werden kann. All diese Fakten machen Direktimporte völlig unattraktiv.

Zusätzlich vergiften die CO2-Bussen das Geschäft. Wie die Automobilrevue in ihrer Ausgabe vom 22. August festgestellt hat, gibt es in der Schweiz keine Öko-Euphorie mehr. Auch wenn in den vergangenen Jahren nach verbrauchsarmen Fahrzeugen mit geringem CO2 gefragt wurde, so wuchs die Zahl der Desinteressierten von sechs auf 17 Prozent. Die Automobil­revue spricht deshalb von der «Entzauberung des Ökoautos». Rund 70 Prozent der im Rahmen einer Studie Befragten konnten sich in den vergangenen Jahren den Kauf eines reinen E-Autos vorstellen, heute sind es noch 59 Prozent. Gefallen ist nach diesen Erkenntnissen auch die Quote der Hybrid-Fans. Für den Bundesrat sind Autos ohne Elektromotor aber bekanntlich alles Dreckschleudern, die es von der Strasse zu eliminieren gilt.

Den Umweltstrategen in Bern sei vor Augen geführt, dass sie mit ihrer Politik das Gegenteil des Gewünschten bewirken. Die heutige Umweltpolitik ist in vielen Bereichen reines Gift für die Bevölkerung.

Martin Wagner ist Präsident des Autogewerbe­verbandes Basel-Stadt und Baselland. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.12.2014, 13:37 Uhr

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