Chef-Lobbyistin für Schweizer Holz hat Tropenholz verbaut

Sylvia Flückiger weibelt als Lignum-Präsidentin für Schweizer Holz. Als Geschäftsfrau und Bauherrin hat sie aber gar nichts gegen importiertes Holz.

Hinter einer Tropenholzfassade: Sylvia Flückiger in ihrem Haus. Foto: Annika Bütschi (AZ)

Hinter einer Tropenholzfassade: Sylvia Flückiger in ihrem Haus. Foto: Annika Bütschi (AZ)

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Es ist ein harter Kampf. Lignum, der Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, versucht, den Absatz von heimischem Holz anzukurbeln und so die günstiger produzierende ausländische Konkurrenz auf dem Schweizer Markt zurückzudrängen. Als 2015 die Aufhebung der Franken-Euro-Untergrenze Holz aus dem Ausland nochmals verbilligte, klagte der Verband, die Hälfte der Forstbetriebe schreibe jetzt schon rote Zahlen. Die Lage scheint mittlerweile derart ernst, dass der Bund eingreift. Mit einer 2,25 Millionen Franken teuren Sensibilisierungskampagne will er die Bevölkerung für den Kauf von Schweizer Holz gewinnen und so Arbeitsplätze sichern. Der Verband Lignum trägt die Aktion mit dem Namen Woodvetia mit.

Pikanterweise setzt just das politische Gesicht des Verbands, Lignum-Präsidentin Sylvia Flückiger, auf ausländisches Holz. Die Aargauer SVP-Nationalrätin besitzt mit ihrem Mann die Flückiger Holz AG – und verkauft vor allem Holz aus Skandinavien und Russland. «Was wir tun, ist unternehmerisch begründet, nicht politisch», rechtfertigt sich Flückiger, die im Vorstand des Schweizerischen Gewerbeverbands sitzt und sich im Parlament mit Vorstössen wiederholt für Schweizer Holz eingesetzt hat. Nordisches Holz, sagt sie, wachse wetterbedingt viel langsamer als Schweizer Holz. Dadurch entstünden feinere Strukturen. Schweizer Holz habe eine gröbere Beschaffenheit. Es könne daher nicht in derselben Qualität mit weisser Farbe ­behandelt werden. «Das Resultat wäre unbefriedigend und würde zu vielen ­Reklamationen führen», so Flückiger. Auf Wunsch liefere ihre Firma aber mit grosser Freude Schweizer Holz – mit dem Herkunftszeichen «Schweizer Holz».

Bruno-Manser-Fonds übt Kritik

Auch privat verwendet Flückiger ausländisches Holz. So besteht die Fassade ihres Hauses in Schöftland aus Tropenholz, genauer: Sipo aus der Familie der Mahagonihölzer, das seiner Widerstandsfähigkeit und schönen Struktur wegen geschätzt wird. Flückiger bestätigt entsprechende Informationen von baz.ch/Newsnet. Für diese Wahl erntet die SVP-Politikerin nun Kritik. «Das ist, wie wenn Nick Hayek eine chinesische Armbanduhr tragen würde», sagt Lukas Straumann vom Bruno-Manser-Fonds und spricht von einem «Affront» gegenüber der Schweizer Waldwirtschaft. Der Verein mit Sitz in Basel setzt sich für den Erhalt der tropischen Regenwälder ein. Diese sind nach wie vor stark bedroht: Alle fünf Jahre, so haben Forscher aufgrund von Satellitenbildern errechnet, verschwinde ein Areal, das achtmal so gross ist wie die Schweiz.

Flückiger entgegnet, ihr Einsatz für das Schweizer Holz «setzt keineswegs die Verteufelung aller anderen Hölzer voraus». Der Hauptkonkurrent von Schweizer Holz als Baustoff sei nicht etwa anderes Holz, sondern andere Baumaterialien. Weiter sagt sie, der Grossteil ihres Hauses bestehe aus Schweizer Arven- und Fichtenholz. Die Fassade mache nur fünf Prozent des verwendeten Holzes aus, das Sipo-Holz stamme aus «nicht weiter verkäuflichen» Restposten aus dem eigenen Geschäft.

Beweis nur mit Gegenleistung

Das Sipo-Holz ist laut Flückiger FSC-zertifiziert. Das Nachhaltigkeitslabel steht für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und ökonomisch tragfähige Waldbewirtschaftung. Dank des Zertifizierungssystems lässt sich die ganze Lieferkette bis in den Wald zurückverfolgen. Doch Flückiger bleibt den finalen Beweis schuldig, dass das Holz tatsächlich dieses Label trägt. Sie sagt bloss, es stamme aus Kamerun und dem Kongo, sie habe es von «renommierten» Händlern bezogen. Die entsprechenden Rechnungen und Zertifizierungsbelege lägen auf ihrem Schreibtisch. Einsicht will die Nationalrätin indes nur gewähren, wenn baz.ch/Newsnet ihr den Informanten preisgibt, der den Sipo-Tipp gegeben hat – ein Angebot, das baz.ch/Newsnet aus Gründen des Quellenschutzes ausgeschlagen hat.

Selbst wenn das Sipo-Holz FSC-zertifziert ist – der Fall bleibt umstritten. Der WWF Schweiz sieht im Label einen wichtigen Anreiz, die Tropenwälder kontrolliert zu nutzen; insofern habe Flückiger mit dem Kauf von FSC- Tropenholz richtig gehandelt. Anders als der WWF warnt der Bruno-Manser-Fonds, die FSC-zertifizierte Abholzung gelte im Kongobecken als ein Treiber für Urwaldzerstörung: «Sind erst einmal Forststrassen erstellt, folgen auch Wilderer und Brandrodung.» Deshalb sei nachhaltig produziertes Schweizer Holz in jedem Fall dem FSC-Tropenholz vorzuziehen.

Unklar bleibt, wie die SVP Flückigers Verhalten einschätzt. Sowohl Präsident Albert Rösti als auch Nationalrat Erich von Siebenthal, Präsident der Berner Waldbesitzer, wollen sich dazu nicht äussern. Sie attestieren Flückiger aber, gute politische Arbeit zu leisten, laut Rösti «immer geradlinig zugunsten der hiesigen Wirtschaft und KMU».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2017, 23:45 Uhr

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