Das Rechtsüberholverbot muss weg

Linksschleicher sind ein permantes Ärgernis auf Schweizer Autobahnen. Um das Problem zu lösen, gibt es nur eine Lösung. Ein Kommentar.

Es ist zum Haareraufen: An Linksschleichern gibt es kein legales Vorbeikommen.

Es ist zum Haareraufen: An Linksschleichern gibt es kein legales Vorbeikommen. Bild: Keystone

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Jeder routinierte Autofahrer kennt diese nervigste aller Verkehrssituationen auf der Autobahn: Die rechte Spur ist frei und links schleicht ein Sonntagsfahrer mit Tempo 90. Es ist zum Haareraufen. Denn ausser warten, bis die rollende Blockade den Weg freigibt, kann man gar nichts tun, ohne eine Busse zu riskieren. Lichthupe? Verboten. Der Schleicher könnte sich ja gestresst fühlen. Rechts überholen? Auch verboten. Wer es dennoch tut, muss mit einem Fahrausweisentzug von drei Monaten rechnen. Aber haben Sie je davon gehört, dass ein Linksschleicher wegen Missachtung des Rechtsfahrgebots gebüsst wurde?

Die Gegner einer Lockerung des Überholverbots wiederholen gebetsmühlenartig ihre Sicherheitsbedenken und malen Horrorszenarien von dramatisch steigenden Unfallzahlen an die Wand. Dieses Argument ist jedoch absurd. Denn das bestehende Gesetz entbindet Fahrer, die auf der linken Spur unterwegs sind, auch heute nicht vom Aufpassen: Wer beim Wechsel auf die rechte Spur ein Fahrzeug rammt, das gerade unerlaubt überholt, muss mindestens mit einer Busse wegen unvorsichtigen Spurwechsels rechnen.

Zahl der Unfälle könnte sinken

Dass erlaubtes Rechtsüberholen die Autofahrer nicht vor unlösbare Probleme stellt, zeigt das Beispiel USA. Im Gegenteil: Eine Systemänderung könnte die Zahl der Unfälle sogar senken, weil insgesamt weniger Spurwechsel gemacht würden. Wenn ich auf der rechten, grundsätzlich freien Spur an einer Linksschleicherin vorbeiziehen dürfte, würden nämlich auf einen Schlag drei Spurwechsel eingespart: Meinen ersten nach links, den Wechsel nach rechts des Verkehrshindernisses und zu guter Letzt meine Rückkehr auf die rechte Spur.

Zudem würde der Verkehr auf unseren dichten Autobahnen etwas entzerrt. Mit der heutigen Regelung wird die Geschwindigkeit auf der Autobahn vom langsamsten Fahrzeug auf der linken Spur bestimmt. Besonders ärgerlich ist dies immer wieder auf dreispurigen Abschnitten, wenn ein Sonntagsfahrer auf der linken Spur mit Tempo 90 an einer Kleinwagenfahrerin auf der mittleren Spur vorbeizieht, während auf der rechten Spur weit und breit kein einziges Fahrzeug unterwegs ist. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.09.2014, 11:27 Uhr

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