Die SVP wird zur Verlegerin

Die SVP lanciert eine neue Zeitung und verteilt sie in einer Auflage von vier Millionen Exemplaren an alle Schweizer Haushalte.

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Die SVP geht in die publizistische Offensive. Unter dem Titel «Extrablatt» hat sie in einer Geheimaktion eine 22-seitige Zeitung verfasst und in den Landes­sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch in einer Auflage von knapp vier Millionen Exemplaren gedruckt. Morgen liegt sie in den Briefkästen sämtlicher Haushaltungen des Landes. Allein die Auflage für die Deutschschweiz beträgt 2,805 Millionen Exemplare.

Ein Monatsblatt?

Den Druckauftrag erhalten hat die Druckerei der Basler Zeitung, wie SVP-Präsident Toni Brunner erklärt. Auf Nachfrage beziffert er die Kosten für die publizistische Offensivaktion auf 950 000 Franken. «Aufgekommen dafür sind Unternehmerpersönlichkeiten aus unserer Partei», so Brunner. Zudem habe die Partei auf Gelder aus dem letzten Wahlkampf zurückgreifen können.

Unter dem Zeitungskopf steht die Angabe «Ausgabe November 2012». Steht der Schweiz damit auch eine «Ausgabe Dezember 2012» ins Haus? Ist die Zeitung als Monatsblatt geplant? Brunner gibt sich zugeknöpft: «Das lassen wir offen. Wir wollen zuerst die Reaktionen abwarten.» Entsprechende Überlegungen existieren offenbar, denn Brunner weist gegenüber der BaZ darauf hin, dass in der ersten Ausgabe bewusst auf bezahlte Inserate verzichtet worden sei.

Gegen Gebietsmonopole

Eine Attacke auf bestehende Zeitungstitel ist die neue SVP-Zeitung auf jeden Fall. Schon im Editorial beklagt Brunner: «Neben dem Monopol der SRG im Radio- und Fernsehbereich findet eine Konzentration im Bereich der Printmedien statt.» Da nur noch wenige Verlagshäuser die Tages- und Wochenzeitungen im Land dominierten, könnten Gebietsmonopole zur Regel werden, schreibt Brunner. «Die Folge ist, dass wenige Medienhäuser über die Hoheit der publizierten Meinungen im Land verfügen und damit eine unheimliche Machtfülle auf sich vereinen. Was ­Tamedia, Ringier, NZZ, AZ Medien und die Südostschweiz-Mediengruppe schreiben, prägt die öffentliche Wahrnehmung. Was sie verschweigen, wird kaum mehr wahrgenommen.» Die SVP werde in den Medien «öfter verzerrt und einseitig dargestellt». Man könne viel über Personalien lesen, während Ziele, Aktivitäten und Erfolge der Partei häufig verschwiegen würden.

Die SVP stellt sich in der Folge so dar, wie sie sich und die Schweiz dar­gestellt wissen will: Auf der Frontseite geht es um «Sicherheit für alle» und gibt es einen Lobgesang auf «die Schönheit des Landes». Einwanderung und ­«multikulturelle Herausforderung» sind weitere Themen. Auf der Wirtschaftsseite werden SVP-Unternehmer porträtiert, vorab der Berner Nationalrat Hansruedi Wandfluh. Dieser setze auf schweizerische Tugenden wie Qualität und Flexibilität.

Ein SVP-Plakat selber gestalten

Gastautoren sind die Professoren Franz Jäger (Uni St. Gallen) und Martin Janssen (Uni Zürich). Autoren zum Thema Europapolitik sind die Nationalräte Christoph Blocher (Titel: «Nächste EU/EWR-Abstimmung vor der Tür») und Peter Keller («7000 Polizisten für Angela Merkel»). Bundesrat Ueli ­Maurer erhält Raum für ein Interview zum Thema Sicherheitspolitik und – wohl als unterhaltendes Element gedacht – kann sich die Leserschaft im Rahmen eines Wettbewerbs an der ­Gestaltung des nächsten SVP-Plakates zum Thema Asyl beteiligen.

Die besondere Herausforderung: Es geht um ein Thema, zu dem die SVP für einmal Ja sagt, nämlich zum neuen Asylgesetz. Sofern das angekündigte Referendum zustande kommt, wird darüber im nächsten Jahr abgestimmt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.11.2012, 08:08 Uhr

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