«Die Schweiz kann nicht hier oder da Rosinen picken»

Die EU zeigt ihre Abneigung gegenüber der Initiative zur Masseneinwanderung: Dabei schliesst Justizkommissarin Viviane Reding eine Nachverhandlung der Personenfreizügigkeit aus.

Personenfreizügigkeit nicht verhandelbar: Viviane Reding.

Personenfreizügigkeit nicht verhandelbar: Viviane Reding. Bild: Keystone

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EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat bekräftigt, dass es im Falle einer Annahme der Initiative «Gegen Masseneinwanderung» keine Nachverhandlungen zur Personenfreizügigkeit mit der EU geben wird. Der Binnenmarkt sei eine grosse Einheit, «da kann die Schweiz nicht hier oder da Rosinen picken».

Der Zugang zum Binnenmarkt sei nicht trennbar von den anderen Grundfreiheiten der bilateralen Verträge, sagte Reding in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Ausserdem sei die Migration keine Einbahnstrasse. So lebten etwa 430'000 Schweizerinnen und Schweizer in der EU.

Die hohe Einwanderung entspricht laut Ansicht der Vizepräsidentin der EU-Kommission einem Bedarf. Die Schweizer Wirtschaft könnte ohne diese Zuwanderer nicht funktionieren.

Manche Sozialsysteme zu grosszügig

Die Angst vor langfristigen Folgen der Zuwanderung für die Sozialwerke sei unbegründet. So liege die Sozialhilfequote bei den EU-Bürgern mit 3,7 Prozent tiefer als die der Schweizer mit 4 Prozent, zitiert sie eine Untersuchung der Städteinitiative Sozialpolitik.

«In manchen Ländern sind die Sozialsysteme tatsächlich zu grosszügig», sagte Reding. Die Nationalstaaten müssten aber selber dafür sorgen, dass ihre Sozialwerke so konzipiert seien, dass kein Missbrauch stattfinde. «Manche Länder wissen sich dabei durchaus zu helfen.»

Nachweisung der Existenz

So habe Belgien im vergangenen Jahr rund 5000 EU-Ausländer ausgewiesen – in Anwendung der geltenden EU-Regeln. Nach der europäischen Freizügigkeitsrichtlinie könne niemand einfach einreisen und dann Sozialhilfe beantragen, sondern er müsse nach drei Monaten nachweisen, dass er seine Existenz selber sicherstellen könne.

Reding betont ausserdem, dass die meisten mobilen EU-Bürger zur Finanzierung der Sozialwerke beitrügen. «Sie bezahlen Steuern, Abgaben, Sozialbeiträge – und zwar im Durchschnitt mehr als die nationale Bevölkerung.» (mrs/sda)

Erstellt: 19.01.2014, 13:23 Uhr

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