Die Top Ten der peinlichsten Bundesratsauftritte

Maltherapie, missglückte Singversuche und immer wieder Guy Parmelin: Unsere Bundesräte sind oft so peinlich wie wir selber. Neustes Beispiel: Schneider-Ammann auf einem Kampfrollstuhl.

Johann Schneider-Ammann fährt Kampfrollstuhl.

Johann Schneider-Ammann fährt Kampfrollstuhl. Bild: SRF

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Sei volksnah, sei volksnah, sei volksnah. Die Lektionen Nummer 1, 2 und 3 im Migros-Klubschule-Basiskurs «How to be a Bundesrat» sind nicht schwierig zu begreifen. Doch unendlich schwierig umzusetzen! Nehmen wir Johann Schneider-Ammann, den Unternehmer und Bundesrat, der seinen volksnächsten Moment dann hatte, als sich «das Volk» kollektiv über seine Ansprache zum Tag der Kranken amüsierte. Was soll da noch gehen?, muss sich das Kommunikationsteam des Bundesrats gefragt haben. Können wir das noch toppen?

Sie können! «Grossen Spass» habe das seinem Bundesrat gemacht, lässt Sprecher Noé Blancpain den «Blick» wissen, doch beschauen wir uns die Bilder von «Johann Fighter-Ammann» (so nennt ihn jetzt der «Blick»), ist es leider wieder einmal umgekehrt: Den grossen Spass haben wir.

Der Mad Max aus Langenthal

Für den «Donnschtig-Jass», jene Sendung des Schweizer Fernsehens, in der man anderen Menschen beim Spielen zuschauen kann, hat sich Bundesrat Schneider-Ammann überreden lassen, auf einer Art Kampfrollstuhl über den Platz vor dem Bundeshaus zu fahren. Der Helm, das Visier, seine Hand am Steuerknüppel: Da macht ein Unternehmer aus Langenthal einen auf Mad Max. Wenn ein Bild aus seiner Amtszeit bleiben wird: Es ist dieses. Und da redet er noch nicht einmal.

Schneider-Ammann ist beileibe nicht der einzige Magistrat, der sich in der Öffentlichkeit schon eine Blösse gegeben hat. Mit seinem Auftritt stürmt er allerdings weit nach oben in die Top Ten der peinlichsten Bundesratsauftritte, die wir hier gerne noch einmal präsentieren.

Singende Bundesräte

«Down to the River» sang Bastian Baker im Glaskasten der Radiospendeaktion, und weil sich ein «River» ja beinahe so poetisch kräuselt wie sein Neuenburgersee, konnte Aussenminister Didier Burkhalter nicht mehr stillsitzen, als Baker zum ersten Mal den Refrain des Klassikers von Bruce Springsteen hinter sich hatte. Dass ihm irgendjemand dann auch noch ein Mikrofon hinstellte und das burkhaltersche Gemurmel vom «River» so der Öffentlichkeit zugänglich machte, war fast schon etwas gemein.

Burkhalter ist nicht der erste singende Bundesrat. Christoph Blocher trällerte schon immer gerne irgendwelche Lumpenlieder, und was sich die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey bei ihrem Edith-Piaf-Auftritt im Westschweizer Fernsehen gedacht hat, wissen wir bis heute nicht. Dort war allerdings eher das Dekor im Studio peinlich, ihr Gesang: nun gut.

Malende Bundesräte

Ein besonderer Quell für peinliche Auftritte von Bundesräten ist das jährliche Schulreisli durch die Schweiz. Wer erinnert sich nicht an ikonische Bilder wie jenes des bedrohlich tiefliegenden Bötlis im Luganersee, den hässigen Moritz Leuenberger auf einem viel zu kleinen Schlitten einer Sommerrodelbahn oder eben: die Maltherapie im Aargau. Es war während der ersten Präsidentschaft von Doris Leuthard, als sie ihre Kollegen im Aargau zum gemeinsamen Malen bat. «Sehr farbig» sei das Bild geworden, sagte Leuthard danach. Es sei eine gute Erfahrung für den Bundesrat, auch kreativ zu sein. Die Gesichter ihrer Kollegen sagten etwas anderes: Bitte nicht, Doris. Bitte nie wieder.

Schreibende Bundesräte

Finanzdirektor Hans-Rudolf Merz hat einmal eine Novelle geschrieben. Der «Blick» hat sie gelesen. Eine Serviertochter kam darin vor. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.

Hässige Bundesräte

Ueli Maurer hat keine Lust, und das wissen wir alle. Urvater aller hässigen Bundesräte ist aber ein anderer: Moritz Leuenberger. Der Zürcher Sozialdemokrat konnte vieles nicht ausstehen und ganz besonders nicht uninformierte Journalisten. «Das isch doch en Scheiss, oder!», murrte er seinen Stab an, als er während einer Stunde zu den Luftverkehrsverhandlungen mit Deutschland befragt wurde. Selten sah man einen Bundesrat, der schlechter gelaunt war.

Spezialkategorie Parmelin

Und damit zu einem Neuzugang im Kollegium, der es in seiner kurzen Zeit in der Regierung schon geschafft hat, die Rangliste der peinlichsten Auftritte gehörig aufzumischen. Guy Parmelin war an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und schüttelte dabei eine Schweizer Flagge so wild hin und her, wie es kein professionelles Maskottchen je gekonnt hätte. Guy Parmelin posierte mit einem gigantischen Spielzeug-Sackmesser auf der Frontseite des «Migros-Magazins» und sagte dabei: «Meine Vision ist eine Schweizer Armee, die ernst genommen wird.»

Und Guy Parmelin ist sich nicht zu schade, auf seinen bisher zwei Bundesratsreisli sein Handytäschchen aus den 90er-Jahren an den Gürtel zu schnallen. Nur auf die kurzen Hosen verzichtete er während der zweiten Reise.

Allein schon dafür muss man Guy Parmelin einfach mögen (auch Schneider-Ammann ein bisschen): Wer derart schmerzresistent gegenüber jeglicher öffentlicher Wahrnehmung ist, der ist das beste Beispiel für den Sonderfall Schweiz. Es sind halt doch Leute wie wir, die sie in Bern in den Bundesrat wählen. Etwas älter vielleicht, aber mindestens so peinlich.
--- Update: Micheline Calmy-Rey sang natürlich nicht ein Lied von Mireille Mathieu – sondern von Edith Piaf. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.08.2017, 12:51 Uhr

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