Die schönste Jahreszeit

Wieso die Zeitumstellung kein Problem darstellt, sondern als Genuss wargenommen werden darf.

In Australien übrigens heisst es nicht Sommerzeit, sondern «Daylight Saving Time».

In Australien übrigens heisst es nicht Sommerzeit, sondern «Daylight Saving Time». Bild: Pino Covino

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir die Uhren um eine Stunde vorgestellt – die Sommerzeit begann. Die schönste Jahreszeit, weil es abends länger hell ist und man mehr vom Tag hat. Doch schon am Sonntagmorgen versuchte uns die SonntagsZeitung die Freude zu vergällen. «Elende Zeitumstellung», lasen wir da. Für Eltern sei dies ein Graus, die Kinder seien erst nach zwei Wochen wieder im Takt.

Solche Mäkeleien kommen im Frühling pünktlich wie die Krokusse, der Bärlauch und die Osterglocken. Die Sommerzeit bringe unsere innere Uhr durcheinander, heisst es zuweilen. Das hiess es schon damals, als sich die Schweiz anschickte, die Sommerzeit einzuführen, um gleich zu ticken wie alle unsere Nachbarländer. Einige europäische Länder hatten die Sommerzeit 1977 eingeführt, dies als Reaktion auf die Ölkrise von 1973. Auch die Schweiz sollte mitmachen, doch die Bevölkerung sagte 1978 in einer Abstimmung klar Nein.

Die Bauern hatten das Referendum ergriffen, weil sie sich um ihre Kühe sorgten. Diese seien im natürlichen Biorhythmus zu melken, lautete das Hauptargument. Die Bauern gewannen, die Schweiz wurde im mitteleuropäischen Sommer zu einer Zeitinsel, zusammen mit Liechtenstein. In einem zweiten Anlauf klappte es dann 1981. Das Parlament hatte dem Bundesrat die Kompetenz erteilt, die Sommerzeit einzuführen. Der SVP-Politiker Christoph Blocher versuchte zwar noch, ein Referendum dagegen zu starten, scheiterte aber; es gab keine Abstimmung mehr.

Natürlich waren damals die Emotionen hoch gegangen. Da sassen wir einmal in der Dorfbeiz. Seppi, ein Landwirt, wehrte sich für seine Kühe. «Wenn ich am Morgen grasen gehe, ist das Gras noch zu nass, und das bekommt den Kühen nicht», sagte er uns. Eine Stunde später sei es nicht mehr so schlimm. Wir versuchten ihn von den schönen Seiten der Sommerzeit zu überzeugen, doch Seppi blieb standhaft; der Magen seiner Kühe war ihm wichtiger als die schönen langen Abende. Als die Sommerzeit dann eingeführt wurde, haben es alle seine Kühe überlebt. Und der Milchpreis ist wegen der Sommerzeit weder gestiegen noch gefallen.

Wenn wir in die Ferien verreisen, nehmen wir ohne Weiteres einen Zeitunterschied in Kauf, je nach Distanz mehrere Stunden. Pro Stunde Zeitunterschied benötigt man einen Tag Akklimatisation, heisst es. Für eine Reise nach Kalifornien also rund neun Tage, für Australien ebenso. Das geht auch mit kleinen Kindern problemlos, wie wir erlebt haben. Wenn sie quengelig waren, lag es wohl meist nicht am Feriendomizil, sondern an irgendetwas anderem, vielleicht sogar an uns Eltern. Also, warum sollten Sie die eine Stunde Zeitunterschied, die Ihnen jetzt zugemutet wird, nicht meistern?

Ob man wirklich viel Energie spart mit der Sommerzeit, bleibe dahingestellt. Ist in diesem Zusammenhang auch gar nicht so wichtig – Hauptsache für mich ist das Tageslicht, das wir länger geniessen können. Das tut den Menschen gut. In Australien übrigens heisst es nicht Sommerzeit, sondern «Daylight Saving Time». Das sagt doch schon alles. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.03.2018, 12:31 Uhr

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