Ein opportunistischer Vorschlag

Der Präsidenten der Schweizerischen Offiziers­gesellschaft, fordert die Wehrpflicht für Frauen. Was nach Gleichberechtigung tönt, würde in der Praxis mehr Probleme schaffen, anstatt sie zu lösen.

Die heutige Schweizer Armee: Mann und Frau kämpfen Seite an Seite für den Schutz des Landes. Eine offensichtliche PR-Strategie.

Die heutige Schweizer Armee: Mann und Frau kämpfen Seite an Seite für den Schutz des Landes. Eine offensichtliche PR-Strategie.

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Dem Präsidenten der Schweizerischen Offiziers­gesellschaft, Denis Froidevaux, ist gelungen, was vor ihm wohl noch kein hoher Militär geschafft hat: Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) ist mit ihm, dem Brigadier aus der Westschweiz, einverstanden. Die Armeeabschaffer teilen Froidevaux’ Meinung, dass auch die Frauen Dienst leisten sollten. Nach dem Grundsatz: Wenn schon an der Wehrpflicht festgehalten wird, dann müssen alle dran glauben. Natürlich verfolgen die GSoA-Taktiker ganz andere Ziele. Sie hoffen, ihre schwachen Truppen massiv aufrüsten zu können. Mit Einheiten, die bisher gemäss Studien eher konservativ für die Sicherheit, also treu für die Aufrechterhaltung der Landesverteidigung stimmten: den Frauen. Wenn die sich plötzlich selber in den Dreck werfen müssen, so das durchschaubare GSoA-Kalkül, wandeln sie sich automatisch zu Gegnerinnen. Das schwächt die Armee, und das ist gut so.

Froidevaux’ Forderung, die Gleich­berechtigung im Heer durchzusetzen, klingt berechtigt, populär, dem Zeitgeist entsprechend. Vor allem eignet sich ein solches Postulat perfekt, um sich als moderne, aufgeschlossene Persönlichkeit, auch als Freund und Wertschätzer der tüchtigen Schweizer Frauengilde zu inszenieren. Da stellen die Medien gerne viel Platz zur Verfügung. «Wer nicht einsieht, dass Frauen auch der Armee einen Mehrwert bringen können, lebt auf dem Mars», sagte der Milizoffizier im Sternerang zur NZZ. Und huldigte das weibliche Geschlecht für seine Leistungsbereitschaft: «Es sind die Frauen, die gebären – sie wissen also, wie man Schmerzen erträgt.» Was für ein Satz.

Keine Sonderbehandlung für Frauen

Um nicht in Teufels Küche zu geraten: Ich habe absolut nichts dagegen, dass jungen Frauen – wenn sie denn wollen – Einlass in die Kasernen gewährt wird. Sie sollen herzlich willkommen sein. Die Macho-Typen, die ganz harten Jungs, die auf der Kampfbahn Welt­rekorde aufstellen und den «Emanzen» in herablassendem Gehabe militärische Untauglichkeit vorhalten: Diese Grossmäuler (erfahrungsgemäss die ersten, die bei ein wenig Kälte aufjaulen) sollen die Klappe halten. Doch es muss auch die Regel gelten, dass Frauen im grünen Tenü auf Sonderbehandlungen verzichten. Sie haben die gleichen Leistungen zu erbringen wie alle anderen.

Doch genau dies ist leider oft nicht der Fall. Mehrfach habe ich es erlebt, dass an Rekruten- und Kaderschulen Aspirantinnen mitgeschleppt wurden, obwohl sie ganz offensichtlich den Anforderungen nicht genügten: Sei es aus körperlichen Gründen oder weil sie sich in dieser uralten Männerhochburg, welche die Armee nun mal ist, nicht zurechtfanden. Die Ungenügenden blieben von Konsequenzen verschont: Die Schulkommandos schauten weg und winkten die Damen durch. Beide Augen zuzudrücken bringt den Verantwortlichen an den Schulen weniger Probleme mit den Chefs in Bern. Denn die Botschaft von oben ist klar: Bringt uns Frauen, die sind gut fürs Image. Die heutige Schweizer Armee: Mann und Frau kämpfen Seite an Seite für den Schutz des Landes. Dass die offiziellen Armeebroschüren häufig auf dem Titelbild die Konterfeis von künstlich lächelnden Anwärterinnen abbilden, gehört zur bewusst gewählten PR-Strategie. Die fragwürdige Promotion von Ungeeigneten schadet letztlich den Frauen am meisten. Ich möchte betonen, dass es auch Wehrfrauen gibt, die durch exzellente Leistungen auffallen. Die wehrpflichtigen Männer aber, die Zeuge werden, wie Unfähige aus Quoten-Überlegungen hinaufbefördert werden, machen hässig die Faust im Sack. Sie haben sich ihre Meinung zum Thema Frauen und Armee gebildet.

Vorschlag lenkt von wirklichen Problemen ab

Natürlich macht Froidevaux bei seinem Vorstoss einen grossen Bogen um diese Problematik: Er könnte in Ungnade fallen und vom Frauenfreund zum Frauenfeind mutieren. Sein Vorschlag ist opportunistisch und chancenlos: An der Urne würden ihn die Frauen und wohl auch die Männer zu Fall bringen. Und alleine die baulichen Massnahmen, die bei der Wehrpflichtausweitung anfielen, sind so gross, dass sie alle laufenden Reformen auf den Kopf stellen würden. Das macht keinen Sinn. Hinzu kommt, dass Froidevaux’ Ansinnen die drängenden Probleme nicht löst, sondern bloss von ihnen ablenkt: rostige Kampfjets, Chaos in der Logistik und ein System, das Drückeberger locker von der Pflicht befreit. Doch wer etwa verlangt, den Zivildienst abzuschaffen, weil er nichts zur Landesverteidigung beiträgt, macht sich unbeliebt. Also spricht man lieber über die Frauen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.02.2015, 17:19 Uhr

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